Spielzeughandel aus dem Kreis Cham im Advent: Made in Germany im Konkurrenzkampf

Das Weihnachtsgeschäft ist für den Handel die profitabelste Zeit des Jahres. Geschenke müssen gekauft werden, vor allem für Kinder. Spielzeug ist da ein beliebter Weihnachtswunsch. Aber wie läuft in Zeiten der Inflation das Geschäft mit den Spielwaren im Landkreis Cham?
„Das Weihnachtsgeschäft wie früher gibt es nicht mehr“, sagt Lucas Nemmer. Er leitet den Vertrieb bei Holzspielwaren Nemmer in Miltach. Die Firma stellt Spielsachen aus Holz her, vom Kinderkaufläden, über Polizeiautos bis hin zu Parkhäusern ist alles dabei.
„Wenn man mit den Händlern redet, sagen sie, dass der Absatz seit zwei Jahren sehr mager ist und das schlägt sich wiederum auf Hersteller zurück“, so Nemmer.
Der Grund dafür liegt seiner Meinung nach in der Preisexplosion: „Der Markt und der Verbraucher sind zurückhaltend geworden. Es ist nicht mehr so, dass Weihnachten durch die Decke geht. Der Verkauf wird in der zweiten Jahreshälfte besser, aber es sind vor Weihnachten keine vier Wochen Vollgas wie vor Corona und dem Krieg in der Ukraine.“
Trotzdem sei es ein gutes Jahr für die Firma gewesen, weil der Betrieb familiengeführt – und deswegen flexibel – sei. „Nur Spielwaren zu verkaufen, wäre ganz schwierig gewesen“, sagt Nemmer. Aber so ist es bei der Firma nicht: „Jetzt sind wir breiter aufgestellt und fertigen Kindergarten– und Schulausstattung an.“ Vor allem der Verkauf von Kindergartenmöbeln habe dem Betrieb geholfen.
Der Werksverkauf hilft
Neben dem Verkauf an Händler bietet Nemmer auch einen Werkverkauf an. Der wird, laut Lucas Nemmer, gut angenommen. „Es sind relativ viele Urlauber da und auch Einheimische für den Weihnachtseinkauf“, sagt er. Die lokalen Käufer seien vor allem immer glücklich: „Letztens hat ein Kunde erzählt, es sei so schön, wenn man Produkte aus dem Bayerwald hat.“ Wenn die Firma ihre Ware in anderen Läden verkauft, sei so eine Wertschätzung nicht so üblich. „Bei Made in Germany gibt es immer gewisse Produktionskosten, die man hat und deswegen kann man fast nicht mehr mit Ost- und Fernostware konkurrieren, weil da für den Käufer der Preis im Vordergrund steht“, sagt Nemmer.
Beim Werksverkauf sind für Weihnachten Bauernhöfe und Parkhäuser gefragt. Ansonsten werde querbeet gekauft. Von kleinen Werkbänken, zu kleinen Fahrzeugen bis hin zu den Spielhäusern. Auch Sonderanfertigungen nach Kundenwunsch stellt Nemmer Holzspielwaren her.
Bei der Spielkiste in Lam herrscht dicke Luft. „Wir haben fast null Ladenverkauf“, erzählt Emmi Kolross. Nur mit dem Onlineverkauf sei sie mehr oder weniger zufrieden. Trotzdem werden dort die teureren Spielzeuge weniger gekauft als früher. Besonders merke man das an der Marke Nic. Die deutsche Firma stellt hochwertige Spielzeuge aus Holz her. „Made in Germany bleibt liegen“, sagt sie. Den Grund sieht Kolross ebenfalls bei der schwächelnden deutschen Wirtschaft: „Die Leute kaufen zurückhaltender.“ Eine ähnliche Situation also, wie bei Nemmer. Was sich in der Spielkiste noch verkauft sind kleine, günstige Sachen, Gebrauchtwaren zum Beispiel. Oder Zubehör zu Kaufläden, Butterbrotdosen und kleine Spiele. „Mal schauen, wie es mit den Rücksendungen im Januar wird“, sagt Kolross.
Online-Handel ein Problem
Bei Spielwaren Reitmeier in Waldmünchen und Rötz werden neben den Spielsachen auch noch Schreibwaren verkauft.
Die Inhaberin Carina Weihrauch sieht woanders ein Problem: „Man merkt schon, dass der Online-Handel eine starke Konkurrenz ist.“ Auch dass generell gespart wird, merke sie. Trotzdem würden immer noch ihre Stammkunden kommen. Am meisten werden bei ihr die Fahrzeuge von Bruder gekauft, außerdem Lego und Schleichfiguren.