Vergammelte Sau im Kofferraum eines rumänischen Skoda löst Schweinepest-Verdacht aus

Als der 33-jährige Rumäne seinen Skoda Oktavia am Donnerstagmorgen vor der Chamer Feuerwache parkte, da wusste er noch nicht, dass es ein gebrauchter Tag werden würde für ihn. Kurz darauf gab es Schweinepest-Alarm und am Ende des Tages musste er den Ort der Niederlage pleite und zu Fuß verlassen.
Alles begann damit, dass um 8.40 Uhr ein Chamer Polizist mit seinem Kollegen im Streifenwagen die zugeparkte Feuerwache passierte. Dafür hatte der Mann ein Auge, weil er selbst bei der Chamer Feuerwehr im Einsatz ist. Dann nahmen die Dinge ihren Lauf...
Bei der anschließenden Fahrzeug-Kontrolle auf dem benachbarten Parkplatz schlug den Beamten aus dem rumänischen Skoda Oktavia ein fürchterlicher Gestank entgegen. Was dann zum Vorschein kam, brachte selbst die erfahrenen Beamten zum Staunen: Der Fahrer hob eine komplette Sau in extrem angegammeltem Zustand aus dem Kofferraum. Sie war in mehrere Plastiksäcke eingeschlagen und mit Stricken verschnürt. Mit im Auto: rund 30 Taschen und Gefäße, in denen sich Fleisch und weitere Lebensmittel in mehr oder weniger verdorbenem Zustand befanden. Überall waren Zettel befestigt mit verschiedenen Adressen und Telefonnummern: „Weihnachts-Geschenke“ – so der Fahrer.
Noch ein zweites Schwein
Kurz darauf war klar, dass Weihnachten heuer bei diesen Adressen in Hessen ausfallen würde. Die Polizei hatte Lebensmittelkontrolle und Veterinäramt zugezogen. Chef-Veterinär Reinhold Schoierer stellte bei einer Kontrolle fest, dass vermutlich ein komplettes zweites Schwein und drei Sauköpfe auf die Taschen verteilt waren. Dazu zehn Kilo Rindfleisch, Rohwürste, Bratwürste, aber auch Beilagen bis hin zu einem Kraut, das fürchterlichen Gestank verbreitete, als der blaue Behälter geöffnet wurde.
Doch es kam noch dicker für den 33-jährigen Rumänen. Chams Vize-Polizeichef Marco Müller teilte mit, dass der Mann nur einen abgelaufenen Führerschein habe und die Kennzeichen des Fahrzeugs als gestohlen gemeldet und zur Fahndung ausgeschrieben sind. Der Rumäne behauptete zwar, dass es sich um die Ersatzkennzeichen handelte, konnte dafür aber den Nachweis nicht erbringen. Daraufhin teilte die Polizei dem Fahrer mit, dass der Skoda sichergestellt wird.
Doch bis dahin sollte es noch ein weiter Weg werden. Chef-Veterinär Schoierer stellte nicht nur Verstöße gegen das Lebensmittelrecht und das Seuchenrecht fest, sondern auch einen begründeten Verdacht auf afrikanische Schweinepest, die in Rumänien verbreitet ist. Damit löste er umfangreiche Sicherheitsvorkehrungen aus. Das sei aber berechtigt, so Schoierer, weil der Ausbruch dieser Seuche im weiteren Umkreis extreme Folgen für Schweinebesitzer hat.
Nur ein Verdacht
Der Chef-Veterinär wies jedoch darauf hin, dass keinerlei Gefahr für Menschen bestehe, weil die Schweinepest nur unter Schweinen übertragbar sei. Allerdings trug die Feuerwehr bei der Beseitigung der verdorbenen Lebensmittel zu ihrer Sicherheit Einmal-Schutzanzüge und Gesichtsmasken ohne Filter, die die Einsatzkräfte vor Spritzern schützen sollten.
Zunächst wurden die Lebensmittel unter ein Pavillondach gestapelt, bis sie in vier 120-Litertonnen gepackt und von einem Lkw der Tierkörperbeseitigung Plattling dorthin gebracht werden konnten, wo sie speziell entsorgt wurden. Schoierer erklärte dazu, dass der Erreger dort bei 121 Grad Hitze und einem Druck von drei Atmosphären abgetötet werde. „Das ist eine reine Vorsichtsmaßnahme. Es bleibt deswegen weiter nur ein Verdacht“, so der Veterinär.
BRK bedampft und desinifiziert
Anschließend rückte das BRK unter Einsatzleitung von Tobi Muhr an. Dort gibt es beim Fachdienst CBRNE (Einheit für chemische, biologische radiologische, nukleare und explosive Notfälle) einen speziellen Hänger mit Ausrüstung für Desinfektion und Hochdruckreinigung unter hohen Temperaturen. In diesem Fall würden Vorplatz und Fahrzeug mit 131 Grad heißem Dampf gereinigt, so Muhr: „Da bleibt nichts übrig“, versicherte er.
Während das Streifenfahrzeug nur außen bedampft wurde, bekam der Skoda unter Vollschutz der Einsatzkräfte eine komplette Innendesinfektion und wurde anschließend ausgewischt. Der Kofferraum wurde sogar mit Heißdampf gereinigt. Die Dienstkleidung der Streifenpolizisten wurde in Plastiksäcken zur Reinigung gebracht. Die Beamten verließen das Feuerwehrgebäude frisch geduscht und in Trainingsanzügen.
Ohne Geld unterwegs
Beim Fahrer des Wagens war die Sachlage etwas komplizierter. Auf Weisung der Staatsanwaltschaft wurden Wagen und Nummernschilder bis zur vollständigen Klärung der Sachlage mit den rumänischen Behörden sichergestellt. Der Fahrer bekam frische Kleidung. Seine eigene wurde entsorgt. Auf eine Sicherheitsleistung wurde verzichtet, weil der Mann kein Geld bei sich hatte.
Landrat Franz Löffler rechtfertigte den Aufwand bei der Aktion: „Aufgrund der erhöhten Risikolage bei der Ausbreitung der Afrikanische Schweinepest war es richtig, auf diesen Verdachtsfall schnell und schlagkräftig zu reagieren und entsprechende Vorsicht walten zu lassen.“ Er dankte den Einsatzkräften für die professionelle Arbeit.



