Von der Werkbank bis zur Baby-Linie: Hersteller aus dem Landkreis Cham präsentieren ihre Produkte

Auf der größten Spielwarenmesse der Welt stellen drei Hersteller aus dem Landkreis Cham aus. Wir haben die Firma Nemmer Holzspielwaren aus Miltach am Messestand in Nürnberg begleitet und dort auch mit Heros aus Lam und GoKi aus Zandt gesprochen. Ein Tag zwischen Schaukelpferd, bunten Kinderwagenketten und mehr.
Zwischen Schaukelpferd und Kaufladen rollen rote, blaue und grüne Holzkugeln die Kugelklopfbank hinunter, ein Mann dreht eine hölzerne gelbe Schraube in das Loch einer kleinen, ebenfalls hölzernen Werkbank, die zugleich als Werkzeugkasten dient – eine der Produktneuheiten, die die Firma Nemmer Holzspielwaren aus Miltach bei der Spielzeugmesse in Nürnberg präsentiert. Neben Nemmer Holzspielwaren sind dort mit Heros aus Lam und GoKi aus Zandt noch zwei weitere Hersteller aus dem Landkreis Cham vertreten.
Neuheit ist eine Kombination aus bestehenden Spielwaren
„Mit der Neuheit haben wir zwei unserer Produkte zu einem Produkt kombiniert. Wegen der hohen Material- und Produktionskosten haben wir uns bei den Neuheiten für die Fertigung kleinerer Artikel entschieden“, sagt Lucas Nemmer (25) im Gespräch mit unserer Zeitung am Messestand. Der Sohn von Geschäftsführer Georg Nemmer, der unter anderem für den Vertrieb und die Produktentwicklung zuständig ist, wird den Familienbetrieb einmal weiterführen.
Zusammenarbeit mit der Firma Nemmer ausbauen
Das neue Kombi-Produkt werde bei der Spielwarenmesse am meisten Anklang finden, vermutet Lucas Nemmer aus Erfahrung. „Das ist ein klassischer Großhandelsartikel,“ sagt er. Mit seiner Vermutung scheint er richtig zu liegen, denn kurze Zeit später haben sich Stammkunden der Miltacher Firma das Kombi-Produkt unter den Nagel gerissen, um es zu inspizieren.
Die drei Männer, die einen Online-Großhändler für Kindergartenausstattung aus dem Westen Deutschlands vertreten, wollen die Zusammenarbeit mit der Miltacher Firma weiter ausbauen, erzählt Lucas Nemmer später. Vor allem deshalb, weil der Händler Wert auf „Made in Germany“, „Traditionsunternehmen“ und „Qualität“ legt, sagt er.
Das Miltacher Unternehmen gibt es seit 1952. Was mit Küchenwaren wie Nudelhölzern begann, hat sich über die Jahre zum Spielwarenhersteller entwickelt. Heute stellt das Unternehmen in der Bahnhofstraße Holzspielwaren, aber auch Kindergarten- und Schulausstattung her. 18 Mitarbeiter sind laut Lucas Nemmer beschäftigt, darunter zwei Heimarbeiter.
Auf der Messe und auch im Werksverkauf in Miltach ein beliebtes Produkt
Zurück am Messestand der Firma Nemmer. „Kleinteile wie den Traktor kann man ergänzen“, sagt Lisa Krahmer (geb. Nemmer) zu einem Handelsvertreter aus dem Erzgebirge, der sich für einen Bauernhof und ein Parkhaus für Kindergärten interessiert. Die Tochter von Geschäftsführer Georg Nemmer ist unter anderem für das Personal im Familienbetrieb zuständig. „Der Bauernhof hat sich über die Jahre bewährt, der läuft auch in unserem Werksverkauf gut“, sagt sie.
Es geht weiter: Händeschütteln, Katalog durchblättern, Visitenkarten austauschen – hat gerade ein Interessent den Messestand verlassen, erscheint bald darauf der nächste. „Es kommen überwiegend Stammkunden, aber natürlich auch potenzielle Neukunden. Viele unserer Stammkunden haben wir durch die Messe gewonnen“, sagt Lucas Nemmer.
Auf der Messe kommen internationale Geschäfte zustande
„Aussteller aus aller Welt kommen hierher, dadurch sind schon Geschäfte nach Japan, Korea oder in die USA entstanden. Die Messe liegt uns daher sehr am Herzen.“ Das zeigt auch das an seinem Sakko-Revers angesteckte goldene Schaukelpferdchen, das er zur 50. Messe-Teilnahme der Firma bekommen hat. Heuer ist es das 52. Mal, dass der Miltacher Familienbetrieb dort ausstellt.
Auf der größten Spielwarenmesse der Welt sind neben der Firma Nemmer Holzspielwaren zwei weitere Unternehmen vertreten, die ebenfalls im Landkreis Cham produzieren. Eine davon ist Heros in Lam. Das Unternehmen wurde 2010 von der Simba-Dickie-Group mit Sitz in Fürth übernommen. Die Produkte, die Heros in Lam fertigt, laufen unter dem bekannten Markennamen Eichhorn, sagt Produktions- und Betriebsleiter Gerhard Gierstl am Messestand der Simba-Dickie-Group.
Heros fertigt in Lam eine Baby-Linie
Mit seinen etwa 40 Heimarbeitern und 60 Mitarbeitern vor Ort fertigt das Unternehmen in der Lohberger Straße überwiegend eine Baby-Linie. Ein Spielzeug, das seit den 70er Jahren existiert und nach wie vor beliebt ist, ist der Constructor, sagt Gierstl. Das Produkt kann vielseitig zusammengebaut werden, beispielsweise zum Kran oder zum Bagger. Die meisten Teile bestehen aus Holz, kleinere Teile wie die Schrauben oder Reifen sind aus Kunststoff, „denn bei den kleinen Schraubengewinden kann das Holz leicht splitten“, weiß Gierstl.
Heros ist eine der Gründerfirmen der Nürnberger Spielwarenmesse. „Auf der Messe kann man das Sortiment umfassend präsentieren und den Kontakt mit Kunden so pflegen, wie man es online nicht machen kann“, sagt Gierstl.
Kinderwagenkette, Greiflinge und beliebtes Holzpuzzle
Das dritte Holzspielwarenunternehmen, das im Landkreis Cham produziert, ist Gollnest & Kiesel (GoKi) mit Sitz in Schleswig-Holstein. Am Produktionsstandort in Zandt sind 50 Mitarbeiter (inklusive Heimarbeiter) beschäftigt. In der Wolfersdorfer Straße werde unter anderem ein Holzpuzzle gefertigt, das sehr beliebt ist, sagt Thorsten Koss, Geschäftsführer bei GoKi, im Gespräch am Messestand. Zudem werden in Zandt auch Babyprodukte wie bunte Kinderwagenketten oder „Greiflinge“ gefertigt.
Standort in Zandt ist „ein wichtiges Standbein“
„Made in Germany“ spiele im Unternehmen eine wichtige Rolle, daher ist die Produktionsstätte in Zandt „ein wichtiges Standbein“, sagt Koss. „Die Spielwarenmesse ist die wichtigste Messe des Jahres. Hier erreicht man viele, auch auf internationaler Ebene“, sagt er. Im Vordergrund der Ausstellung stehe, neue Kunden zu gewinnen. „Das funktioniert auf der Messe stärker, als am Telefon oder über E-Mails, weil man dann auch auf die Werte des Unternehmens eingehen kann“, sagt Koss.
Für ihn wie auch für Gerhard Gierstl von Heros sei dieser Messetag mit dem ständigen Zulauf an Kunden und Interessenten ein guter gewesen. Auch Lucas Nemmer zeigt sich am Messestand um kurz vor 18 Uhr zufrieden: „Wir haben viele gute Gespräche geführt und schon einige Anfragen für Exklusivproduktionen erhalten.“


