Julian Preidl: Das Jahr eines jungen Vaters zwischen TikTok und Plenum in München

Mit 29 Jahren hat der Landtagsabgeordnete aus Bad Kötzting (Landkreis Cham) nicht nur sein erstes volles Jahr im Maximilianeum hinter sicher, sondern ist auch Vater geworden. Das verändert zwar sein Leben, nicht aber seine Sicht darauf, wie Politik neu und modern gestaltet werden sollte.
„Es muss nicht immer ,schleimi schleimi sein‘.“ Zugegeben: Einer der wenigen Sätze in einem gut zweistündigen Gespräch mit Julian Preidl, die ein wenig aus seiner Rolle als Berufspolitiker im Bad Kötztinger Stadtrat, dem Chamer Kreistag und als Abgeordneter der Freien Wähler (FW) im Bayerischen Landtag fallen. Zumindest mit der lokalen Presse in seiner Heimat spricht der 29-Jährige üblicherweise betont zurückhaltender, und das nicht erst, seit er im Oktober 2023 in das hohe Haus in München gewählt worden ist. Aber irgendwie beschreibt er vielleicht am besten das, wofür er stehen will.
Sein 29. Lebensjahr kann wohl als aufregendstes seines Lebens gelten. Schließlich ist Preidl nicht nur Abgeordneter im Auftrag von über 100 000 Wählern (von denen ihn rund ein Viertel gewählt haben), sondern seit Oktober dieses Jahres auch erstmals Vater geworden. Zum ersten vollen Jahr im Landtag kam außerdem noch die Aufgabe, ein eigenes Büro und Mitarbeiter zu finden.
„Es geht immer um die Sache“
Das dauerte schon einmal bis in den März hinein, und „das war heftig“, erinnert sich Preidl. Sein Bürgerbüro unweit des Chamer Marktplatzes ist fertig eingerichtet, zwei Mitarbeiter eingestellt. Wenn er auf sein Jahr zurückblickt, dann sind es vielleicht diese ersten drei Monate, die für ihn besonders fordernd gewesen sind. Auch, wenn die Bauern-Proteste zum Jahresbeginn zu spät gekommen seien, hätten sie doch einiges bewirkt, zeigt sich Preidl überzeugt. Auch dass er seinen Parteivorsitzenden und Bayerns stellvertretenden Ministerpräsidenten Hubert Aiwanger zu den Demos in den Landkreis gebracht habe, habe etwas bewirkt, und zwar mehr Aufmerksamkeit, auch auf Seiten anderer Parteien. Ähnliches habe für den Aufruf gegolten, Container für den SV Lohberg zu finden, damit dieser für den Sportplatz zum Start der neuen Saison Umkleidekabinen bekommen konnte.
Dass er dabei am Ende nicht immer im Mittelpunkt stand, das störe ihn wenig, sagt Julian Preidl. „Es geht immer um die Sache an sich“, sagt er. Wichtiger sei es ganz allgemein, sich um die Anliegen der Bürger anzunehmen. „Man ist viel zu oft beschäftigt mit politischem Theater“.
Das gelte für die politische Arbeit im Landtag umso mehr. Große Projekte vorzeigen, die angestoßen und umgesetzt werden, wie etwa ein Bürgermeister, das könne er nicht. Doch Geld auftreiben für Projekte, die vor Ort dann sichtbar werden, das könne ein Landtagsabgeordneter. Einige Vorhaben in der Region nennt er dabei sofort, die 2024 auch durch seinen Einsatz unterstützt worden seien: Wanderparkplatz am Kaitersberg, Kurpark in Grafenwiesen, Wanderweg in Walderbach, Kinder- und Jugendtheater aus München an den Grundschulen, Geld für die anstehende Fassaden-Sanierung an der Kirche in Steinbühl.
In seinen vier Reden im Landtag in diesem Jahr es sei immer um soziale Themen gegangen, zuletzt um die Kürzungen der Zuwendungen für junge Familien. „Wir müssen kürzen, das ist klar“, sagt er. Aber die notwendigen Maßnahmen nach dem Gießkannenprinzip zu verteilen, das sei nicht richtig. „Da muss mehr auf das Einkommen geachtet werden“, sagt Julian Preidl. Wo gerade den Menschen, die ohnehin durch steigende Kosten weniger im Geldbeutel hätten, auch noch Hilfen gestrichen würden, steige die Zustimmung auch für die AfD, was gefährlich sei. Im Moment spare der Staat „auch an den Fleißigen“, und das sei falsch – eine Meinung, mit der er auch in der eigenen Regierungs-Koalition angeeckt sei. „Aber ich will mich da nicht verbiegen, das gehört auch zum Profil eines Politikers.“
Gelebte Normalität feiern
Womit der Politiker Preidl abseits des Rednerpultes aber wohl für mindestens genauso viel Aufsehen gesorgt hat, war sein Auftritt in den sozialen Medien. TikTok und Instagram nutzt er täglich bisweilen mehr als einmal pro Tag – mal mit Videos von seinen Reden („die aber mal vielleicht nur 1000 Aufrufe haben“), bis hin zu „Chiropraktiker-Clips“, in denen er am letzten Arbeitstag im Landtag das Gebäude abklopft. Mit letzteren Videos folgt er einem Trend auf TikTok und erreicht damit wesentlich mehr und vor allem sehr jungem Menschen.
Etwas, das ihm auch sehr wichtig ist. „Wann hat es das schon gegeben bei uns, dass auch 14-Jährige einen Politiker kennen?“, fragt er. „Den Preidl, den kenn’ ich aus TikTok“, habe er schon öfters gehört, und auch zu einem 17. Geburtstag sei er schon via Instagram eingeladen worden. Eine Einladung, der er gerne nach Cham gefolgt sei, wenn auch nur für gut eine Stunde. Da gebe es keine Schere zwischen „dem Politiker da oben“, der unnahbar sei. Im Gegenteil: „Die feiern die Normalität“, und das sei sehr wichtig. Normalität ist für ihn und seine Partnerin Jessica Klug seit Oktober auch, dass sie Eltern eines Jungen geworden sind. Zweimal war der kleine Jan schon mit im Landtag und auch bei der Altarweihe in Steinbühl war die Familie zu dritt dabei – ganz normal eben für einen Politiker im Jahr 2024, finden beide.
Dass das kommende Jahr mit Bundestagswahlkampf nicht einfacher werden wird, das sei ihm jetzt schon klar. „Leider“, sagt Julian Preidl. Denn dann würden sicher wieder alle Parteien zum Beispiel viel Zeit mit weniger Sachpolitik und mehr Betriebsbesichtigungen verbringen, um medial für Aufmerksamkeit zu sorgen. Teil des „politischen Theaters“, den er prinzipiell schätze, wenn damit auch etwas bewegt werden könnte. Nur zu Wahlkampfzwecken einmal bei Unternehmern und Co. vorbeizuschauen, sei aber etwas, das in den kommenden Monaten viel Zeit in Anspruch nehmen werde, die oft besser in Arbeit angelegt wäre, wenn sie auch Probleme lösen würde.
Aber: Es bleibt mir nichts anderes übrig, ich werde auch mitmachen“, sagt Julian Preidl. Aber erst ab 7. Januar, bis dahin gebe es erst einmal Familienzeit .

