Auf der Baustelle, in der Notaufnahme oder in der Altstadt: Wie sehr setzt die Hitze den Regensburgern zu?

Kommen die Regensburger bei den hohen Temperaturen an ihre Grenzen? Vor allem wer im Freien arbeitet, muss in diesen Tagen schwitzen – doch auch Mediziner haben aktuell viel zu tun.
So voll wie im Freibad ist es in der Notaufnahme des Caritas-Krankenhauses St. Josef in diesen Tagen glücklicherweise nicht. Alle Hände voll zu tun hat Chefarzt Dr. Andreas Hüfner bei den hohen Temperaturen dennoch. „Es ist nicht so, dass die Leute reihenweise umkippen“, sagt er. „Trotzdem ist bei uns momentan enorm viel los.“
Generell, sagt Hüfner, sei der Juni der in diesem Jahr bislang patientenstärkste Monat in der Notaufnahme gewesen. Nur auf die Hitze könne man den Zulauf an Patienten aber nicht schieben. „Vielmehr ist es so, dass das schöne Wetter die Menschen nach draußen treibt. Es sind auch viele chirurgische Notfälle darunter, wenn im Garten gewerkelt oder im Freien Sport getrieben wird.“
Problematisch für Menschen mit Vorerkrankungen
Tatsächlich wegen eines Hitzschlags oder eines Hitzekollaps würden nur wenige Patienten eingeliefert werden – das sei auch in den letzten Tagen mit Temperaturen über 30 Grad nicht anders gewesen. „Wenn, trifft das meist Menschen, die draußen schwer arbeiten müssen – beispielsweise im Straßenbau. Die meisten von ihnen wissen allerdings, dass sie bei diesen Temperaturen viel trinken müssen und arbeiten, wo möglich, mit entsprechendem Schutz und unter Sonnenschirmen.“
Kritisch sei das Wetter zudem für Patienten mit Vorerkrankungen wie Herz-Kreislauf-Problemen oder Lungenerkrankungen. „Auch hier kann man die Hitze nur indirekt verantwortlich machen“, erklärt Hüfner. „Doch im Laufe einer längeren Hitzeperiode ist es schon so, dass wir es vermehrt mit solchen Patienten zu tun haben.“
Für Hüfner und seine Kollegen selbst sei die Arbeit in der Notaufnahme trotz der hohen Temperaturen dank Klimaanlage erträglich. „Dass solche Räume klimatisiert sind, ist allerdings mehr die Ausnahme als die Regel. Wir sind darüber sehr froh“, sagt er. Auf den Normalstationen behelfe man sich mit Querlüften am Morgen, kalten Waschlappen oder Eis als Abkühlung. „Das ist etwas, was man bei Neubauten mit berücksichtigen muss. Die meisten Krankenhäuser sind für Hitzeperioden nicht gerüstet“, sagt er.
Hitzschlag nur „im Extremfall“
Dass in der Notaufnahme Patienten aufgrund von Folgen der hohen Temperaturen behandelt werden müssen, komme auch im Krankenhaus Barmherzige Brüder in Regensburg vereinzelt vor, bestätigt Dr. Tanja Brünnler, leitende Oberärztin im Notfallzentrum. „Hinsichtlich der Patientenzahlen sind dabei keine größeren Unterschiede im Vergleich zu den Vorjahren zu verzeichnen“, fügt sie allerdings hinzu.
Übermäßige Wärmebelastung könne zu Kreislaufproblemen mit typischen Symptomen wie Kopfschmerzen, Erschöpfung und Benommenheit führen. Zu einem Hitzschlag komme es „im Extremfall“. Dennoch sollten aktuell auch jüngere, gesunde Menschen aufpassen und auf ausreichend Flüssigkeitszufuhr achten. Körperliche Aktivitäten sollten bei der großen Hitze vermieden oder stattdessen auf die frühen Morgenstunden verschoben werden, so Brünnler.

Lockere Kleidung und Ventilatoren können helfen
Weniger mit akuten Fällen als mit der Beratung zum Thema Hitze ist in diesen Tagen Betriebsmediziner Dr. Michael Otto beschäftigt. „Wir schauen, dass es gar nicht erst zu einem Hitzschlag kommt“, sagt er. Sowohl bei Arbeitgebern als auch bei Beschäftigten in der Region seien die hohen Temperaturen derzeit ein großes Thema. „Arbeitnehmer müssen sich um die geeigneten Maßnahmen kümmern. Wenn es um Tätigkeiten im Büro geht, können das lockere Bekleidungsregeln, das Aufstellen von Ventilatoren oder eine großzügige Gleitzeitregelung sein.“

Bei Arbeiten, die draußen stattfinden, sei es wichtig, noch einmal zwischen Hitze- und Strahlenbelastung zu unterscheiden. „Tätigkeiten wie Gartenbau oder Straßenarbeiten sind da die Extrembeispiele“, sagt er. „Aber mein persönlicher Eindruck ist, dass auch in diesen Bereichen vermehrt auf Schutz geachtet wird, von Arbeitnehmern, aber auch von Unternehmerseite.“
Grundsätzlich, so der Arbeits- und Allgemeinmediziner, müsse man sich darauf einstellen, dass Temperaturen über der 30-Grad-Marke schon in den frühen Sommermonaten künftig zur Normalität gehören werden. „Es ist nicht davon auszugehen, dass das wieder anders wird – oder erst in 20 000 Jahren, wenn eine neue Eiszeit anbricht.“
Hohe Temperaturen ernstnehmen
Dass man sich mit der Hitze nicht nur arrangieren, sondern diese vor allem ernst nehmen muss, sagt Sonja Block von der Regensburger Ortsgruppe des bundesweiten Netzwerks von Health for Future. Dabei handelt es sich um einen Zusammenschluss von Menschen in Gesundheitsberufen, die sich für mehr Nachhaltigkeit und Resilienz im Gesundheitssystem einsetzen.
„Besonders Kinder, Schwangere, ältere Menschen und chronisch Kranke sind gefährdet – aber auch jede gesunde, fitte Person kann einen Hitzschlag erleiden und damit das ganze Organsystem bedrohen“, sagt sie. Einrichtungen wie Kliniken und Pflegeheime, aber auch Kindertagesstätten bräuchten Hitzeschutzpläne, Ausweichräume und geschultes Personal für hohe Temperaturen. „Auch gebäudetechnisch muss an vielen Stellen nachgerüstet werden – zum Beispiel, was Fassadenbegrünung oder auch Klimaanlagen und Trinkwasserspender betrifft.“
An heißen Tagen auf Mitmenschen achten
Unabhängig vom Einsatzgebiet sei es wichtig, in diesen heißen Tagen auf seine Mitmenschen zu achten, appelliert Block – und das nicht nur in der Arbeitswelt. Gerade die Regensburger Altstadt sei eine „Hitzeinsel“, wo die Temperaturen etwa vier Grad höher seien als im Umland. „Rufen Sie notfalls Ihre Mutter oder Oma an und erinnern Sie sie daran, genug zu trinken“, sagt sie.
