Hitzeforscherin: Todesrate steigt in kommenden Tagen mit der Temperatur

Klima-Wissenschaftlerin Veronika Huber prognostiziert deutlich mehr Notfälle in den kommenden Tagen – und sie erklärt, warum Menschen in südlichen Ländern zwar höhere Temperaturen vertragen, aber unter den aktuellen Entwicklungen auch mit höherer Mortalität zu rechnen haben.
Als Klimaforscherin legt Veronika Huber, die 2024 an der LMU München als Gastwissenschaftlerin arbeitete, einen Fokus auf Gefahren durch Hitzewellen. Sie wirft einen Blick auf das, was den Menschen in Bayern in den kommenden Tagen droht.
Was kommt auf Deutschland zu, wenn Temperaturen um die 40 Grad erwartet werden?
Veronika Huber: Aus den Sterbefalldaten in Deutschland lässt sich tatsächlich direkt ableiten, dass Hitze zu vorzeitigen Todesfällen führt. Aber auch aus anderen Daten lässt sich das gesundheitliche Risiko der Hitze ablesen. An heißen Tagen gibt es mehr Rettungsdiensteinsätze und mehr Krankenhauseinweisungen. Bei all diesen Zusammenhängen steigt das Risiko überproportional mit der Temperatur. Bei extrem heißen Temperaturen erwarten wir also leider, dass sich die Hitze besonders stark negativ bemerkbar macht.

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Warum vertragen die Deutschen Hitze so viel schlechter als etwa Menschen in Spanien?
Huber: Hier möchte ich nicht missverstanden werden. Es gibt nach aktuellem Stand der Wissenschaft keine genetischen Faktoren, die dazu führen, dass die Deutschen die Hitze schlechter vertragen als die Südeuropäer. Was wir aber in unseren Daten sehen, ist eine gewisse Anpassung an das vorherrschende Klima. Deswegen sehen wir an einem Tag mit Maximaltemperaturen von 30°C beispielsweise einen stärkeren Anstieg des Sterberisikos in Deutschland als im Süden Spaniens. Aber weil es durch den Klimawandel überall heißer wird, nehmen die gesundheitlichen Auswirkungen der Hitze natürlich auch in Südeuropa zu. In den extremen Sommern der jüngsten Vergangenheit waren die hitzebedingten Sterbefallraten in Südeuropa sogar deutlich höher als in Deutschland.
Haben Sie einen Rat für die kommenden Tage?
Huber: Das Motto sollte lauten: Körper und Aufenthaltsräume kühl halten. Das ist manchmal leichter gesagt als getan. Um den Körper kühl zu halten, helfen z.B. kühle Duschen oder Fußbäder. Auch mitten in der Nacht, wenn einen die Hitze vom Schlafen abhält. Seine Wohnung sollte man möglichst verschatten, nur nachts lüften, wenn die Außentemperatur gefallen ist, und im Zweifelsfall den Schlafplatz in kühlere Teile der Wohnung verlegen. Für ältere Menschen gilt ganz besonders: viel Trinken.