Neue Details zu Fall in Lappersdorf: Rief Mutter in Afghanistan zum Mord auf?

Eines der Kinder des Angeklagten soll ein Telefonat mit der Oma mitgehört haben. An Tag zwei im Prozess um den Fenster-Sturz von Lappersdorf (Landkreis Regensburg) ist es zu einem Zwischenfall vor Gericht gekommen. Der Fall lässt tief in die afghanische Kultur und auch die Stellung von Frauen blicken.
„Roma“ steht in geschwungener Schrift auf dem grauen Shirt des Angeklagten. Darunter „Italia“ mit den passenden Landesfarben. Man könnte meinen, es ist eine Hommage. Denn verhaftet wurde der Mann, der seine Frau aus dem zweiten Stock eines Mehrfamilienhauses in Lappersdorf geworfen haben soll, in der italienischen Hauptstadt. Am Flughafen „Aeroporto di Roma“ klickten die Handschellen. Zum Prozess kommt der 48-Jährige jeden Tag in Fußfesseln, begleitet von zwei Polizisten.
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Hört man Zeugen, die im Prozess wegen versuchten Mordes aussagen, sitzt hier ein Mann, der nicht nur seine eigene Frau, sondern auch die Töchter unterdrückte. Und immer wieder auch gewalttätig wurde. Nicht erst, seit die Familie aus Afghanistan nach Deutschland kam. Als „gnadenlos eifersüchtig“ beschrieb eine Flüchtlingshelferin den 48-Jährigen. Dass es Gewalt in der Familie gab, die sie betreute, bemerkte sie jedoch nicht. Erst nach der Tat vom 15. August 2024, die die Mutter von fünf Kindern beinahe das Leben gekostet hatte, vertraute sie sich der engagierten Lappersdorferin an.
Das Allererste für sie waren ihre Kinder. Deswegen hat sie das auch alles ausgehalten.
Eine Zeugin vor Gericht
An jenem Tag, es war Maria Himmelfahrt, war der Afghane trotz Kontaktverbots und Gewaltschutzbeschlusses wieder in der Wohnung aufgetaucht. Es kam zum Streit in der Küche, der darin endete, dass die Ehefrau mit schwersten Verletzungen auf dem Asphalt lag. Gut 5,3 Meter tief war sie aus dem zweiten Stock gefallen. Laut der Anklage und zwei seiner Kinder, die Augenzeugen wurden, hat er sie hinausgeworfen. Der Mann selbst behauptet zum Prozessauftakt, seine Frau wäre selbst gesprungen.
Ein Telefonat mit Afghanistan wirft Fragen auf
„Es war kein gutes Leben“, resümierte die Flüchtlingshelferin. Dass die Geschädigte seit Jahren misshandelt wurde, hätten ihr auch die Kinder bestätigt. Und: Am Tattag habe er sie „wie Müll aus dem Fenster geworfen“, habe einer der Söhne gesagt. „Die Kinder waren am Boden zerstört.“ Womöglich war es auch gar keine Tat aus dem Nichts. Eines der Kinder soll außerdem von einem Telefonat des Angeklagten mit seiner Mutter in Afghanistan berichtet haben. „Wenn du die Kinder willst, musst du sie (die Ehefrau) wegmachen – du musst dich befreien“, soll sie dabei zu ihm gesagt haben.
Statt zur Aussage des Bruders der Geschädigten, bei dem die Kinder nach der Tat untergekommen sein sollen, kam es vor dem Sitzungssaal zu einem lautstarken Eklat. Mit Mühe und bereits den Schlagstock im Anschlag gelang es der Polizei und den hinzueilenden Wachtmeistern, den Mann nach wüstesten Todesdrohungen gegen den Angeklagten wieder zu beruhigen. Aussagen musste er danach nicht mehr, „das wäre ansonsten zu riskant“, erklärte Schwurgerichtsvorsitzender Thomas Polnik.
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Dafür hatte dann der Bruder des Angeklagten das Wort. Negatives vermochte er über den Zweitältesten seiner acht Geschwister allerdings nicht zu berichten. Nie habe er von ihm etwas Schlechtes gesehen. Frühere Aussagen bei der Polizei, wonach sein Bruder der Ehefrau alles Mögliche verboten habe, revidierte er. Das sei so nie gesagt worden, es müsse ein Übersetzungsfehler sein. Nicht der einzige, wie sich zeigte. Sicher war der Zeuge sich hingegen, dass der 48-Jährige die Familie und seine Frau sehr liebt. Sie selbst hatte ihm nach ihrer eigenen Aussage vor Gericht sogar öffentlich verziehen.
Koffer mit rund 5000 Euro beim Bruder vergessen?
Neue Details zur zweimonatigen Flucht erbrachte auch die Aussage des Bruders jedoch nicht. Bei ihm hatte der Angeklagte nach dem Gewaltschutzbeschluss zunächst gewohnt. Später war der 48-Jährige dann zurück nach Lappersdorf gegangen. Den Koffer mit rund 5000 Euro Bargeld, der nach dem nun als Mordversuch angeklagten Fenster-Sturz beim Bruder in Baden-Württemberg sichergestellt wurde, habe der Angeklagte damals dagelassen. Kontakt will der Zeuge nach der Tat dann keinen mehr gehabt haben, sagte er auf Nachfrage von Staatsanwalt Schirmbeck.
Der Prozess wird weiter fortgesetzt. Am Freitag soll die psychiatrische Sachverständige aussagen und schon kommende Woche das Urteil gegen den Mann fallen. Ihm droht lebenslängliche Haft.