Verdächtiger im Fall Lappersdorf gefasst – 48-Jähriger wollte nach Dubai fliehen

Von André Baumgarten · 17. Oktober 2024 um 13:56

Festnahme in Italien: Beim Versuch, nach Afghanistan zu kommen, wurde der 48-Jährige gefasst. Er soll seine Ehefrau Mitte August in Lappersdorf aus dem Fenster gestoßen haben – gegen ihn wird wegen versuchten Mordes ermittelt.

Zwei Monate ist ein 48-Jähriger auf der Flucht gewesen – er soll am 15. August in Lappersdorf die eigene Ehefrau aus einem Fenster in die Tiefe gestoßen haben. Seither war europaweit nach dem Mann gefahndet worden. Nun folgte der Ermittlungserfolg: Am „Aeroporto di Roma“ in Italien klickten für den Afghanen die Handschellen. Er wurde verhaftet, als er ein Flugzeug mit dem Ziel Dubai besteigen wollte. Das bestätigte Polizeisprecherin Corinna Wild auf MZ-Nachfrage.

Mordermittler der Kripo in Regensburg gingen früh davon aus, dass hinter diesem Fall eine Beziehungstat steckt. Mittlerweile scheint klar zu sein, dass erneut ein Femizid die Region erschüttert. So wird es genannt, wenn Frauen oder auch Mädchen wegen ihres Geschlechts zu Opfern von Gewalt werden. Für die Täter, häufig die Partner oder Ex-Partner, geht es zumeist um Macht, Kontrolle und Besitzansprüche. 2023 starben in Deutschland bei oft patriarchalen Differenzen 155 Frauen.

Nachbarn mussten Tat in Lappersdorf mit ansehen

In dem Fall in Lappersdorf überlebte die Frau den metertiefen Sturz schwer verletzt. Nachbarn waren am Feiertag Maria Himmelfahrt zu Augen- und Ohrenzeugen geworden. Vom Lärm und Geschrei aufgeschreckt, blickte eine Anwohnerin aus dem Fenster – und sah die 36-Jährige auf dem Pflaster des Vorplatzes aufschlagen. „Es war furchtbar“, schilderte die Zeugin. Sofort wählte sie den Notruf, woraufhin Retter und mehrere Streifenwagen nach Lappersdorf rasten. Die Frau erlitt laut erster Polizeiangaben schwere Verletzungen am Kopf und Oberkörper. Sie kam umgehend in ein Krankenhaus.

Dass die Mutter von fünf Kindern an jenem Donnerstagnachmittag nicht unglücklich gestürzt, sondern sehr wahrscheinlich aus dem Fenster gestoßen wurde, war bald in den Fokus der weiteren Ermittlungen gerückt – wohl auch, weil eine Angehörige die Tat offenbar mitansehen hatte müssen und den Ehemann als Täter benannte.

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Es lief sofort eine umfangreiche Suchaktion nach dem 48-Jährige an, der nach dem Vorfall geflüchtet war. Trotz umfassender Suche, zeitweise auch mit einem Spürhund der Polizei, blieb der Mann verschwunden. Am frühen Abend wurde die Suche erfolglos eingestellt. Am Tatort selbst sicherten Spezialisten der Kripo akribisch Spuren.

Wollte sich Verdächtiger nach Kabul absetzen?

Am Mittwochabend wurde der Flüchtige laut Polizei verhaftet. Gegen ihn lag ein EU-Haftbefehl wegen versuchten Mordes vor, wie Oberstaatsanwalt Thomas Rauscher bestätigt. Der 48-Jährige habe Italien über den Flughafen Rom-Fiumicino verlassen wollen. Wie der Mann dorthin gekommen war, sei unklar. Sein Ziel war wohl Dubai, von wo aus ein Anschlussflug ihn direkt weiter nach Kabul, die Hauptstadt Afghanistans, hätte bringen sollen. Doch dazu kam es nicht – die italienische Polizei nahm ihn vor Ort fest.

Aufgrund des offenen Haftbefehls kam der Mann ins Gefängnis. Damit der 48-Jährigen für die Tat in Lappersdorf gegebenenfalls vor Gericht zur Rechenschaft gezogen werden kann, muss er ausgeliefert werden – das dafür nötige Verfahren wurde bereits angestoßen.