Fünffache Mutter in Lappersdorf schwer verletzt – Augenzeugin: „Es war furchtbar“

Von Daniel Pfeifer · 16. August 2024 um 18:30

Bei einer mutmaßlichen Gewalttat in Lappersdorf (Landkreis Regensburg) am Donnerstag wurde eine 36-jährige Afghanin schwer verletzt. Die Kripo fahndet nach dem Mann des Opfers, der die fünffache Mutter nach einem Streit aus dem Fenster geworfen haben soll. Nachbarn sind schockiert, erzählen aber von Streits.

Die Kriminalpolizei Regensburg ermittelt laut Aussage von Präsidiumssprecherin Corinna Wild derzeit nach der Vermutung, dass der Mann die junge Frau aus dem Fenster gestürzt haben soll. „Es war furchtbar“, berichtet die Nachbarin, die am Donnerstag den Notruf abgegeben hatte, am Tag nach der Tragödie. Sie habe gerade geputzt, als sie Lärm hörte und aus dem Fenster schaute, erzählt sie. Dieses überblickt den gepflasterten Vorplatz des Nachbarhauses. Auf dem steinernen Boden sei die 36-jährige gebürtige Afghanin aufgeschlagen und mit schweren Verletzungen an Kopf und Oberkörper liegen geblieben, so die Augenzeugin.

Verdächtiger verschwunden

Sofort habe die Nachbarin den Notruf abgegeben. Laut Polizeibericht war es 14.30 Uhr, als die Alarmierung bei der zuständigen Polizei in Regenstauf einging. Umgehend waren Einsatzkräfte vor Ort, um das Grundstück abzusperren. Das Bayerische Rote Kreuz (BRK) brachte die Frau in ein Klinikum. Nachdem sie zunächst in kritischer Verfassung war, schwebt die Frau aber inzwischen (Stand: Freitag) laut Informationen der Polizei nicht mehr in Lebensgefahr, so Sprecherin Corinna Wild. Die junge Afghanin hat laut Aussage der Nachbarn fünf junge Kinder. Auf dem gepflasterten Vorplatz stehen zahlreiche bunte Kinder-Laufräder.

Die Kriminalpolizei Regensburg sicherte am Donnerstagnachmittag die Spuren am Tatort und übernahm die weiteren Ermittlungen in enger Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft Regensburg. Der Mann konnte vor Ort nicht mehr angetroffen werden und wurde mit mehreren Streifenbesatzungen und einem Polizeisuchhund gesucht. Aktuell habe man den Tatverdächtigen aber noch nicht finden können, sagte Corinna Wild auf Nachfrage am Freitag. Eine Gefahr für die Bevölkerung durch den flüchtigen Mann schließe die Polizei aber aus, da von einer Beziehungstat auszugehen sei, heißt es.

„Sie hatten manchmal Streit“

Die Bewohner des Mehrfamilienhauses, in dem vor allem Geflüchtete leben, zeigen sich am Tag nach der Tat ebenso betroffen wie die Nachbarin. Die Familie sei bekannt gewesen, berichtet ein Junge, der für seinen Vater übersetzt. Die beiden wohnen genau unter dem Paar in einer Hochparterrewohnung.

Weiter nennt der junge Nachbar häusliche Probleme, die offensichtlich gewesen seien. „Sie hatten manchmal Streit“, sagt er. Dieser sei teils laut gewesen. Dass der Mann aber seine Frau aus dem Fenster geworfen habe, ergänzt der Vater des Jungen, könne er nicht fassen.

„Ich hoffe, sie finden den“, sagt ein Jugendlicher aus dem Nachbarhaus über den Täter. Vor allem aber hoffe er, dass sich die 36-Jährige gesundheitlich wieder erhole und dass keines der fünf Kinder die mutmaßliche Beziehungstat mit ansehen habe müssen. Auf Nachfrage heißt es seitens der PI Regenstauf, dass Polizeibeamte die Kinder am Donnerstag zu Bekannten in Sicherheit gebracht haben.

Gewalt gegen Frauen

Fälle: 2023 gab es laut Polizeistatistik in der Oberpfalz 2073 Fälle häuslicher Gewalt, darunter fünf Tötungsdelikte. Ein Drittel der Tatverdächtigen sind nichtdeutsch, 72Prozent der Opfer sind Frauen und drei Viertel der Täter Männer.

Hilfe: Das Frauenhaus Regensburg bietet Beratung und Hilfe für betroffene Frauen in vielen Sprachen unter (0941)24000. Wer den Verein Frauen helfen Frauen mit Spenden unterstützen will, kann das auf frauenhaus-regensburg.de tun.

Die Polizei sicherte den mutmaßlichen Tatort in Lappersdorf, der sich hinter dem gelben Haus befindet. Foto: vifogra