Nach Brand in der Alten Nürnberger Straße in Regensburg: Sorge um das Denkmal

Am Tag nach dem Großeinsatz in einem Denkmal in der Alten Nürnberger Straße in Regensburg ist klar: Verletzte gab es bei dem Feuer nicht. Vier Menschen aber haben nun kein Zuhause mehr. Ihnen bot der Spitalkeller-Wirt Unterschlupf.
Eigentlich wollte Egon Samabor den Feierabend am Dienstag im Spitalkeller nahe seines Pelz-Geschäftes genießen. Aber daraus wurde nichts. Plötzlich hörte der Kürschnermeister nur noch das Heulen der Sirenen und sah, wie Rauch aus dem Gebäude gegenüber des Biergartens drang, in dem auch ihm zwei Wohnungen gehören. Die Bewohner seien teilweise im Schlafanzug auf die Straße gelaufen.
Verletzt wurde bei dem Dachstuhlbrand niemand, wie Thomas Hasler von der Polizeiinspektion Nord am Mittwochmorgen mitteilte. Einige Personen seien vorsorglich medizinisch betreut worden. Weder ein ambulanter noch ein stationärer Aufenthalt im Krankenhaus sei erforderlich gewesen. Allerdings: Vier Menschen können nun nicht mehr in ihr Zuhause zurück. Zwei Domizile sind wegen des Brandes unbewohnbar. Die Polizei ermittelt wegen der Ursache und der Schadenshöhe. Beides war auch am Mittwoch noch unklar.

Samabor, dessen Wohnungen seinen Angaben zufolge keinen Schaden nahmen, ordnet den Wert des Gebäudes ein: „Da drin ist kein Beton. Nichts ist isoliert. Dachstuhl, Fehlböden – das ist alles aus Holz.“ Wegen der Dachstuhlkonstruktion, die in Brand geraten war, sei das Gebäude zum Denkmal erklärt worden, berichtet der Kürschnermeister. „Den muss man sich wie ein umgedrehtes Schiff vorstellen“, sagt er. Auch zu Wasserschäden könnte es gekommen sein, schätzt er.
Lesen Sie dazu auch: Dachstuhlbrand in Regensburg zerstört zwei Wohnungen – 25 Bürger evakuiert
Ein Paar rußige Handschuhe, ein neongelber Schlauch, ein Haufen von Dachziegeln, aus dem beißender Brandgeruch dringt, und riesige Löcher im Dach erinnern am Mittwochmorgen noch an den Großeinsatz, zu dem es keine zwölf Stunden zuvor gekommen war. Er hatte den gesamten Straßenzug in Steinweg in Aufruhr versetzt. Eineinhalb Stunden lang hing der Rauch über dem Viertel. Sein Gestank setzte sich in den Haaren und der Kleidung der Passanten und Schaulustigen fest. Ob in der Frankenstraße, die zeitweise in Richtung Autobahnauffahrt Pfaffenstein gesperrt war, in der Straße Steinweg oder in der Alten Nürnberger Straße – überall blinkte das Blaulicht und heulten die Sirenen. Ein Feuerwehrmann wies Autofahrern und Fußgängern schreiend den Weg. Ein anderer drosch mit einer Eisenstange auf die Abdeckung eines Hydranten ein, um sich Zugang zum Löschwasser zu verschaffen, das wenig später Pfützen auf der Straße bildete.

Die Atemschutzträger, die wieder aus dem Gebäude kamen, rissen sich die Masken herunter. Von ihren Gesichtern troff der Schweis. Manche stürzten eine ganze Flasche Wasser auf einmal herunter, andere knieten aber auch erst einmal einige Minuten auf dem Bürgersteig und starrten auf den Boden. Ihre Kollegen auf den Drehleitern rissen derweil die Ziegel vom Dach. Bis spät in die Nacht war zu hören, wie die Biberschwänze die Schräge herunterrutschten und auf den geparkten Autos oder auf der Straße vor dem Haus zerbrachen.
Den etwa 25 Menschen, die ihre Häuser verlassen mussten, bot Stefan Dannert, der Wirt des Spitalkellers, bis 1 Uhr morgens ein Obdach. „Eine meiner Mitarbeiterinnen wohnt in dem Haus“, sagt er. Das sei aber keine der beiden Wohnungen, die nun als unbewohnbar gelten. Plötzlich sei die Frau am Dienstagabend weggelaufen und habe „Feuer“ gerufen. Dannert hatte zuerst noch gedacht, das sei ein Scherz und hinterhergerufen: „Nimm' den Feuerlöscher mit!“ Aber als er wenige Sekunden später den Rauch sah, war ihm klar: Das hier ist alles andere als lustig. „Der Biergarten leerte sich“, erklärt er. Manche der Gäste seien über den Berg nach Hause gefahren. „Andere mussten bis etwa 22.30 Uhr warten, weil ihre Autos in dem gesperrten Bereich standen“, beschreibt der Wirt die Gemengelage.

Wie Mario Stuber, Einsatzleiter beim Amt für Katastrophenschutz, in einer Pressemitteilung schreibt, hatten mehrere Passanten und Anwohner am Dienstagabend gegen 20.30 Uhr gemeldet, dass Rauch aus der Wohnung im zweiten Obergeschoß gedrungen war. Die riesige Anzahl an Rettungskräften und Einsatzwagen sei wegen des weitläufigen Gebäudes notwendig gewesen. Die Masse an Gerät und Rettern habe laut Hasler auch zu der zeitweisen Sperrung der Frankenstraße geführt. Stuber schreibt in der Pressemitteilung von zwölf Atemschutztrupps. Neben der Berufsfeuerwehr seien 90 Kräfte der Löschzüge Weichs, Sallern, Winzer, Altstadt und der Freiwilligen Feuerwehr Graß vor Ort gewesen. „Der Löschzug Wutzlhofen und weiteres Personal der Berufsfeuerwehr besetzten in der Zeit die Hauptfeuerwache und sicherten so das restliche Stadtgebiet ab. Auch in dieser Zeit kam es zu weiteren kleineren Einsätzen für die Feuerwehr Regensburg“, heißt es in dem Schreiben. Erst nach drei Stunden kam die erlösende Meldung aus der Alten Nürnberger Straße: „Brand aus.“