Ausgezeichneter Modedesigner aus Regensburg: Egon Samabor verarbeitet keine Pelze aus Zucht

Kunstfaser macht Egon Samabor wütend. „Wenn ich in der Stadt bin, schüttel ich die ganze Zeit mit dem Kopf“, sagt der Kürschner und Designer. „Die Regensburger sind wirklich sehr schlecht gekleidet.“ Überall sehe er Steppjacken, die aus Polyester bestehen – und Plastik findet er abstoßend. „Meine Kunden im Laden frage ich dann, ob sie wissen, dass sie gerade Sondermüll tragen.“
Beim diesjährigen Designwettbewerb des Zentralverbands des deutschen Kürschnerhandwerks hat Samabor in der Kategorie Männer den ersten Platz belegt. „Ich fand das einfach lustig“, sagt er selbst über die grüne Jacke, die mit dem Pelz von Fuchspfoten gefüttert ist. „Richtig Mühe gegeben habe ich mir eigentlich nur bei dem Modell für Frauen, aber das hat keinen Preis gewonnen.“ Man könne manchmal nicht ahnen, was die Jury gut finden wird.
Ökologische Pelze
Samabor, so sagt er selbst, ist kein gewöhnlicher Kürschner. Er verkaufe seit einigen Jahren keine Pelze mehr, die aus der Zucht stammen. „Es werden im Jahr 480 000 Füchse in Deutschland geschossen“, sagt er. „450 000 Felle werden aber entsorgt.“ Das Material für die klimafreundliche und natürliche Mode, die er herstellt, bezieht er aus Ressourcen, die sonst übriggeblieben wären. Viele Kunden würden außerdem alte Pelze mitbringen, die sie geerbt haben. „Die meisten haben noch den einen oder anderen Pelz zu Hause liegen, den sie von der Oma oder der Tante geerbt haben.“ Neu verarbeitet habe man dann ein ökologisch nachhaltiges Kleidungsstück.
Die weit getragenen Jeansjacken der Designer-Marke Balenciaga haben Samabor bei der Fashion Week in Paris beeindruckt. Er hat die Idee mit in seinen Laden genommen und verkauft nun Jeansjacken mit Pelzfutter. Die haben zwei verschiedene Preise: komplett kostet die Jacke etwa 1300 Euro, wer den eigenen Pelz mitbringt und einarbeiten lässt, zahlt etwa 750 Euro. „Das ist ein sehr wichtiges Thema für mich. Weil das einfach gut für unseren Planeten ist.“ Mittlerweile kommt die Mehrheit seiner Kunden mit alten Pelzen zu ihm.
„Die Natur schenkt uns nur die Felle.“
Vor etwa zehn Jahren hat er gemeinsam mit dem Zentralverband des deutschen Kürschnerhandwerks, bei dem er selbst Präsident ist, das Ökolabel „WePrefur“ gegründet. Trägt ein Kleidungsstück einen solchen Aufnäher, ist der verarbeitete Pelz ein Nebenprodukt der Jagd oder der Landwirtschaft.
„Die Natur schenkt uns nur die Felle.“ Und die zu tragen sei nachhaltiger als Kunstpelz herzustellen – solange keine Zucht dafür stattfindet. „So denkt aber nicht die Mehrheit der Kürschner“, sagt Samabor. „Mit meiner Meinung gehöre ich zu einer Minderheit. Man macht sich damit keine Freunde bei den Händlern.“ Seine erste Amtshandlung als Präsident des Zentralverbandes war, chinesisches Material beim Wettbewerb zu verbieten. „Wenn in Europa gezüchtet wird, dann gibt es dafür strenge Vorgaben. In China gibt es so gut wie keinen Tierschutz.“ Es lasse sich zumindest nicht kontrollieren, unter welchen Bedingungen die Pelze entstanden sind.
Verbot von Pelzzucht?
„Aber wir haben uns damit natürlich keine Freunde gemacht.“ Die Stimmung in der Branche sei nach wie vor nicht gut. „Und als wir das Label ,WePrefur‘ gegründet haben, ist es noch mehr losgegangen“, erzählt Samabor. „In Europa wird mit Sicherheit die Pelzzucht früher oder später verboten werden“, sagt der Kürschner. „Das dauert natürlich noch eine Weile, weil dann die ganzen Betriebe entschädigt werden müssen. Aber es wird kommen und ich bin schon jetzt dagegen.“
Vor zwei Jahren kam ein neuer Kunde in Samabors Laden. Der Mann, weit über 70, hatte eine Steppjacke an. „Er sagte mir, dass er jetzt endlich was Ökologisches haben will.“ Der Kunde entschied sich letztendlich für eine Jacke aus Samabors Kollektion und behielt diese gleich an. „Dann sagte er mir, ich soll seine Plastikjacke wegschmeißen. Aber das mache ich nicht, das ist nämlich auch nicht ökologisch.“

