Raphael Rack präsentiert in Regensburg seine abstrakte „Farbenlehre“ – und wird ziemlich konkret

Von Peter Geiger · 18. November 2024 um 15:45

Raphael Rack trägt mit Pinsel und Rakel bis zu 100 Farbschichten auf, um Erinnerungen zu verdichten. In Regensburg zeigt er nun eine Auswahl seiner Gemälde.

„Farbe bekennen“, so heißt seit mehr als 30 Jahren ein Format aus dem ARD-Hauptstadtstudio, bei dem Politikprominenz über den Schleifstein gezogen wird. Zweck des Unterfangens ist, dass sich die Befragten nicht hinter propagandistischen Floskeln verschanzen, sondern so aus der Deckung gelockt werden, dass sie schließlich die Dinge beim Namen nennen. Damit der am TV zuschauende Souverän hinterher Bescheid weiß, welcher oder welche der Kandidierenden Vertrauen und Kreuzchen verdient haben.

Auch wenn die Redensart eigentlich dem Kartenspiel entstammt: Am Samstagabend herrschte bei Art Affair, bei der Eröffnung der Ausstellung „Farbenlehre“, eine ähnliche Stimmung. Denn Galerist Karl-Friedrich Krause unterzog seinen Gast, den Maler Raphael Rack, zunächst einer intensiven Befragung.

Erst zwei Mal, so Karl-Friedrich Krause, sei es vorgekommen, dass er in seiner Galerie abstrakte Künstler ausstellte. Er räumt im selben Atemzug freimütig ein, dass sein Herz der gegenständlichen Malerei gehört, weil ihm für die Entschlüsselung von Abstraktionen jegliche „Fantasie fehlt“. Deshalb habe er auch Schwierigkeiten, so etwas wie Qualitätskriterien für abstrakte Kunst zu benennen. Raphael Rack aber lässt sich nicht ins Bockshorn jagen. Der Maler, der aus Friedberg im hessischen Wetteraukreis stammt und ein Klassenkamerad des renommierten Schriftstellers Andreas Maier ist, antwortet ganz souverän: „Wann ein Bild gut ist, das beantworten mir meine Sammler. Denn die Frage, um die bei meiner Kunst im Kern alles kreist, ist schlicht und einfach: Kann man als Betrachter immer wieder was Neues darin entdecken?“

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Genau dieses Kriterium aber erfüllen die weitgehend titellosen Arbeiten von Raphael Rack ziemlich präzise: Denn als Karl-Friedrich Krause zu Gast war im Atelier des Künstlers, da sei dessen Lager praktisch leergeräumt gewesen. „Was immer ein gutes Zeichen ist!“

Es wäre ein bisschen feige, würde man sich als Rezensent hinter solchen Kennziffern verschanzen und dabei nur Raphael Racks Erfolg am Markt benennen. Schürft man also ein bisschen tiefer, dann wird deutlich, dass hinter Racks begeisterndem Bekenntnis zur Farbe (das auch die Gäste an diesem Vernissagen-Abend erkennbar in Schwingung versetzt) mehr steckt als bloßer Farbrausch. Es handelt sich auch keineswegs um Göttergeschenke, die etwaigen dionysischen Erfahrungen abgerungen sind. Nein, Raphael Rack hat immer einen Plan – und wenn er den ausführt, arbeitet er hoch konzentriert.

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Er hört – als ehemaliger A&R-Manager und DJ kennt er Hip-Hop und House in all seinen Facetten – keine Musik beim Arbeiten, sondern trägt mittels Rakel und Pinsel bis zu 100 Schichten seiner Ölfarben auf, um so mittels der Mischungsverhältnisse seine Farben in Dialog treten zu lassen. Sein Ziel ist ein ganz Konkretes: Nämlich Erinnerungen zu verdichten.

Im Begleitkatalog kann man lesen, dass dieser Malvorgang für Raphael Rack vergleichbar ist mit Reflexionen, wie er sie etwa über eine Zugfahrt anstellen würde. Dabei vermengt sich für ihn die Summe des Geschehenen und des Gesehenen zu so komplexen Eindrücken, dass diese schließlich umgewandelt werden, in Ideen, aus denen kompositorische Strukturen erwachsen: „Wellen an unterschiedlichem Grün bilden mit gelben Farbinseln den Rapport einer Landschaft in sich dehnender Fläche.“ Aus diesen geronnenen Erinnerungen werden schließlich Farben. Was für ein Bekenntnis!

„Farbenlehre“ ist bis 7. Dezember der Regensburger Galerie Art Affair zu sehen.