Alte und neue Meister spüren in Kallmünz dem Winterzauber nach

Von Peter Pavlas · 18. November 2024 um 11:30

Früher war mehr Lametta: Werke von Künstlern wie Willi Ulfig, Georg Miller oder Jörg Schemmann holen die Besucher im Alten Rathaus aus der Wohlfühlwolke ab.

„Winter- und Weihnachtszauber“ ist eine bemerkenswerte Ausstellung des Galeristen und Kunsthändlers Martin Mayer im Alten Rathaus von Kallmünz betitelt. Früher, da war ja unter anderem mehr Lametta und es herrschte grimmigere Kälte, die Naab war zugefroren, Buben bauten Sprungschanzen, über die sie auf vorsintflutlichen Skiern ins Tal bretterten. Die Stille Nacht war noch freier vom Geschenkewahn, die Festtagspost brachte der Briefträger, nicht Social-Media-Betreiber.

Mit Rilke schuf Galerist Mayer bei der Vernissage eine Verbindung zwischen Gegenwart und Vergangenheit: leise sind da die Wege draußen, traut die lauschige Stube, und der weiße Tag draußen wächst zur Ewigkeit. Pianist Hieronymus Karl steuerte Stimmungsvolles bei.

Besondere Grüße von damals präsentiert Martin Mayer heuer: Künstler bedachten Freunde und Sammler mit kleinformatigen Werken von eigener Hand. Viele dieser Blätter stammen vom Dreigestirn Otto Baumann, Kurt von Unruh und Willi Ulfig. Hierzu gesellen sich weitere winterliche Arbeiten regionaler Künstler wie Josef Georg Miller, Richard Triebe oder Walter Zacharias. Vertreter der Donauwaldgruppe ergänzen die Schau, wie Karl Anton Hudetz oder Heinz Theuerjahr. Besonders freut sich Mayer, dass auch noch lebende Künstler in Kallmünz ausstellen, wie Herbert Muckenschnabl und Jörg Schemmann. Erstmals zu sehen: Krippenfiguren, geschaffen von der Keramikerin Erna Miller, Gattin des bekannten Malers.

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Die Vielfalt der Ausdrucksformen und Formate ist bestechend. Harfe zupfende Engel, die Heiligen Drei Könige hängen da, einzelne Kerzen im offenen Fenster, Holzschnitte in markantem Schwarz. Aber der Advent ist ja nicht nur geprägt von Stille und Einsamkeit. Miller widmet sich in einem Bild voller Dynamik dem Eiskunstlauf, Baumann zeigt kantige Figuren beim Eisstockschieben. Zartes Pastell gibt Lichtstimmungen wider, wie sie an nebligen Tagen zu erleben sind.

Dass ein Fundamentaltheologe die Einführung in eine Ausstellung hält, dürfte nicht oft geschehen. Knut Wenzel, Lehrstuhlinhaber an der Goethe-Universität Frankfurt, zog das Interesse der Gäste auf die gelegentliche Parallelität von Glaubensinhalt und ästhetischem Schaffen. Die Menschwerdung des Gottessohnes stehe schließlich im Mittelpunkt, der Konsumwahn gehöre aus der Kernaussage entfernt. Anhand der Exponate lasse sich erkennen, wie Künstler mit dieser Notwendigkeit umgehen.

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„Manche Maler holen uns aus unserer Wohlfühlwolke ab und führen uns aber weiter zum Wesentlichen“, sagt Wenzel. Nicht wenige große Meister hätten nicht gewagt, Gott bildlich darzustellen. Ein alter weißer Mann mit Rauschebart sei er ja nun gewisslich nicht, der über einem verschneiten Oberpfälzer Stall wacht. Aber was tun? Künstler hätten sich der Herausforderung gestellt, indem sie schrittweise den Weg einschlugen, so Wenzel, der balancierend vom Gegenständlichen zum Abstrakten führt.

In Walter Zacharias’ Weihnachtsgaben lässt sich das beispielhaft erkennen. Vom Sag- und Bezeichenbaren weg drängt es Zacharias später zu radikal vereinfachten Strukturen. Senkrechte schwarze Linien, aus denen sich ein sonnengelber Fleck schräg hochstreckt, manchmal mit kalligraphischen Elementen verziert. Oder Otto Baumanns großformatiges Aquarell, in dem sich ein orangefarbener, lebensfroher Strom wie Lava aus der dunkelsten Bildecke den Weg nach oben bahnt, vor dem Hintergrund einer angedeuteten lichtblauen Berglandschaft.

„Winter- und Weihnachtszauber“ ist bis 8. Dezember im Alten Rathaus Kallmünz zu sehen (je Sa./So. 13.30 bis 17 Uhr), auch auf Anfrage: 0176 30 68 37 47 .