Die Kelten erobern Regensburg: Celtic Folk Verein will Musik und Sprache verbreiten

Zwei Mal im Monat klingen Fiddle und Mandoline, Bodhrán und Whistle aus dem Regensburger Wirtshaus Goldene Ente. Die Irish Sessions sind Gemeinschaftsmusik, das Schätzen die Teilnehmer. Die Musikanten haben Pläne, die über das Wirtshaus hinaus gehen – unter anderem haben sie Schulen im Blick.
Aus den Irish Sessions ist vor fast zehn Jahren die Idee für ein jährlich stattfindendes Workshop-Wochenende hervorgegangen. „Irische Musik ist vielen Leuten ja nur als Pub-Gegröle präsent. Aber das ist geniale Musik, da hast du Jazz-Niveau“, sagt Kutzer. Wie bei Jazz-Musik gibt es in traditionell keltischer Musik viele Standards – tunes –, die ein ordentlicher Musiker kennt. „Ich könnte nach Tokio fahren und da vier Stunden in einer Irish Session mitspielen, obwohl ich die Sprache nicht kann.“
Musik wurde mündlich überliefert
Keltische Musik als fester Begriff oder gar kultureller Monolith sei aber in Anführungszeichen zu setzen. „Das wurde ja alles nur mündlich überliefert“, erzählt Kutzer. „Die hatten ja keinen Mozart, der das alles aufgeschrieben hat.“
• Irish Sessions: Jeden ersten Freitag im Monat findet in der Goldenen Ente eine fast session für Fortgeschrittene statt. Einsteiger können bei slow sessions an jedem dritten Sonntag im Monat irische tunes üben.
• Workshops: Das Celtic Folk Weekend bietet jedes Jahr zahlreiche Workshops rund um irische und schottische Musik von hochrangigen Kursleitern. Das Wochenende in Waldmünchen geht dieses Jahr von 19. bis 22. Juni.
• Verein: Aus dem Umfeld der Session-Teilnehmer und Workshop-Organisatoren ist der Celtic Folk e. V. entstanden. Dadurch sollen Jugendförderung, Öffentlichkeitsarbeit und Vielfalt des Angebots vorangetrieben werden.
Entsprechend stolz ist Kutzer auf die Qualität der Lehrer, die beim Celtic Folk Weekend jedes Jahr wechselnde Kurse anbietet. Viele von ihnen haben in Limerick, dem Mekka des irischen Folk, an der einzigen Hochschule für traditionelle irische Musik studiert. Bei dem Workshop-Wochenende unterrichten auch regelmäßige Musikanten der Regensburger Irish Sessions - und aus diesem Kreis stammt auch die Führungsriege des Celtic-Folk-Vereins.
Im Januar 2024 wurde er gegründet mit dem vordergründigen Ziel der Jugendförderung. „Das ist das Problem unserer Szene“, sagt Kutzer, der 2. Vorsitzender des Vereins ist. In Regensburg kämen vergleichsweise junge Musiker zu den Sessions, aber die Folk-Szene insgesamt arbeitet laut Kutzer aktiv an einer Verjüngung. Dazu tragen auch die Workshop-Wochenenden bei: junge, interessierte Musiker sollen herangeführt werden an die keltischen Klänge. „Mein persönlicher Traum ist, irgendwann durch Schulen zu gehen, Projektnachmittag zu machen“, sagt Kutzer.
Ohne Scheu mitmachen
Desweiteren gehe es darum, nach außen zu tragen, was sich in den Irish Sessions und dem Celtic Folk Weekend tut. „Wir wollen wieder Konzerte veranstalten“, nennt er ein Beispiel. Ein weiteres: Im Herbst wird im Spitalkeller zur langen Nacht der Museen ein Ceílí stattfinden. Im alten Keltenreich war das im Grunde eine Party, heute beschreibt es einen Abend mit Paar- und Gruppentänzen. Nach einer Besichtigung des Whisky-Museums kann das Tanzbein geschwungen werden. „Da gibt's einen Caller, der anleitet“, sagt Kutzer. „Da braucht man also keine Angst haben, dass man das nicht kann.“