Verkehr in Regensburger Altstadt: Dackelmuseum und Herrenausstatter sind geteilter Meinung

Am Thema Verkehrsberuhigung scheiden sich in der Regensburger Altstadt seit jeher die Geister. Mitunter gibt es sogar in ein derselben Gasse völlig konträre Ansichten, wie dieses Beispiel zeigt.
Es sind nur zusätzliche fünf Parkplätze weggefallen durch die Aufstellung neuer Sitzmöbel am Alten Kornmarkt. Als Armin Gebhard das zum ersten Mal gesehen hat, ist er trotzdem aus der Haut gefahren. Sein Ärger hält an. „Unverschämt!“, schäumt der Vorsitzende des Vereins Regensburger Kaufleute. „Anscheinend hat es sich in der Stadtverwaltung noch nicht herumgesprochen, dass der Facheinzelhandel in Regensburg auf naheliegende Parkplätze angewiesen ist.“
Das ist alles ein großes Konjunkturprogramm für Amazon. Aber bis diese Erkenntnis bei unseren Sozialisten in Regensburg ankommt, dauert es.
Armin Gebhard, Regensburger Kaufleute e.V
So lautet Gebhards Mantra seit vielen Jahren. Als wesentliche Ursache für die Leerstände in der Altstadt inklusive Kaufhof-Schließung hat er die Verkehrspolitik der Stadt ausgemacht. Die Beruhigung von immer mehr Bereichen und das Streichen von öffentlichen Parkplätzen im Zentrum hält er für „ideologisch durchzogen“ und tödlich für den Einzelhandel. „Das ist alles ein großes Konjunkturprogramm für Amazon. Aber bis diese Erkenntnis bei unseren Sozialisten in Regensburg ankommt, dauert es.“
Die angesprochene Ideologie verortet der Herrenausstatter nicht nur in der Politik, sondern auch in der Verwaltung. Vom demnächst vorgestellt werdenden Verkehrskonzept für die Altstadt erwartet er sich deshalb schon im Vorfeld nichts Gutes – die aus seiner Sicht notwendige Trendwende hält er nur für möglich, wenn ab Mitte 2026 veränderte Mehrheiten im Rathaus bestehen sollten. Gebhard setzt darauf, dass eine CSU-geführte Stadtregierung einige Uhren in seinem Sinne zurückdrehen würde.
978 Fahrzeuge an einem Tag in der Weiße-Hahnen-Gasse
Zu einer derart klaren Parteinahme würde sich Seppi Küblbeck niemals hinreißen lassen. Auch der Macher des Dackelmuseums hat ein Mantra, welches lautet: „Der Dackel ist nicht politisch.“ Eine feste Meinung hat er gleichwohl. Und obwohl das Dackelmuseum nur wenige Meter schräg gegenüber von Gebhards Schaufenstern in der Weiße-Hahnen-Gasse liegt, sind die Auffassungen Lichtjahre voneinander entfernt. Denn Küblbeck sagt zum Verkehr in der Altstadt: „Das geht nicht mehr so weiter, das ist eines Welterbes nicht würdig.“
Dabei hat er besonders die Situation an Wochenenden im Blick, an denen regelmäßig „katastrophale Zustände“ herrschen würden. Am Pfingstsamstag zum Beispiel hat sich der Museumschef einmal den Spaß gemacht, die motorisierten Fahrzeuge in der Weiße-Hahnen-Gasse per Handzähler zu erfassen. Von 10 bis 17 Uhr hat er dabei nicht weniger als 978-mal geklickt.
„Das ist doch Wahnsinn! Und das in dieser schmalen Gasse, die eine der Hauptrouten für die Touristen ist, die alle zu Fuß unterwegs sind“, meint Küblbeck und berichtet von durchaus gefährlichen Situationen: „Wenn hier auch noch Autos parken, kommen größere Fahrzeuge wie Pakettransporter nicht mehr durch. Die weichen dann ein Stück über den Bordstein aus, obwohl sich am Bürgersteig die Fußgänger sowieso schon stauen.“
Ist Regensburg nun eine große Stadt oder doch nur ein Dorf?
Der „Dackel-Seppi“ hat zwei Quellen für dieses enorme Verkehrsaufkommen ausgemacht. Zum einen das „Parkhaus“-Schild, das Autofahrer beim Haus der Bayerischen Geschichte in die Straße Unter den Schwibbögen lotst. Weil die dortige Tiefgarage vom Bischofshof nach seiner Beobachtung aber oft übersehen wird, drehen die Fahrzeuge unnütze Kreise. Das Gros der Autos komme jedoch aus Richtung Domplatz. Der ist zwar eigentlich verkehrsberuhigt – „aber es wird ja so gut wie nie kontrolliert“, kritisiert Küblbeck.

Dabei legt er Wert auf die Feststellung, dass ein international bekanntes Museum genauso auf Laufkundschaft angewiesen sei wie ein Herrenausstatter. Prinzipiell sitze man also im selben Boot. „Wir zählen uns natürlich auch zum Einzelhandel. Es war allerdings noch nie jemand bei uns, der gesagt hätte, dass er sein Auto direkt vor dem Museum abstellen will.“
Wir befinden uns mitten im Klimawandel, wir müssen umdenken. Wir brauchen Grün und Aufenthaltsqualität in den Innenstädten.
Seppi Küblbeck, Dackelmuseum
Vorab nach Parkmöglichkeiten fragenden Besuchern würden stets das Parkhaus am Dachauplatz, der Untere Wöhrd oder der Dultplatz genannt. „Das läuft total problemlos“, sagt Küblbeck und wird grundsätzlich: „Wir befinden uns mitten im Klimawandel, wir müssen umdenken. Wir brauchen Grün und Aufenthaltsqualität in den Innenstädten. Lärm und Abgase tun uns allen nicht gut.“
Abschließend verweist er auf das Einzelhandel-Dorado Münchner Innenstadt, wo niemand auf die Idee käme, mit dem Auto bis vor die Eingangstür eines Geschäfts zu fahren. Doch während Küblbeck diesen Vergleich mit der großen Metropole im Süden für angemessen hält, winkt Gebhard nur ab: „Park and Ride? Das funktioniert nicht in unserem Dorf.“