Regensburger Römerturm ist nach vier Jahren endlich wieder oben ohne

Von Rainer Wendl · 2. Mai 2025 um 05:00

Seit wenigen Tagen ist das massive Bauwerk im Herzen der Altstadt wieder in voller Pracht zu bewundern, bald wird es an seinem Fuß sogar Bäume und konsumfreie Sitzgelegenheiten geben.

Ein vertrauter Anblick ist zurück: Der Römerturm am Alten Kornmarkt, seit fast vier Jahren bis zur Dachkante von einem Gerüst umgeben, steht seit wenigen Tagen wieder frei da. Die 3,5 Millionen teure Generalsanierung des romanischen Bauwerks wird jedoch noch einige Monate mehr in Anspruch nehmen.

„Die Optik ist wieder da, aber wir sind noch nicht fertig“, betont Karl Stock, der Leiter des Staatlichen Bauamts Regensburg. Diese Behörde ist für den Römerturm zuständig, der genau wie die direkt angrenzenden Wahrzeichen Dom und Ulrichskirche dem Freistaat gehört. Im Zuge der Fassadensanierung der Ulrichskirche war vor Jahren aufgefallen, dass auch der Koloss vom Kornmarkt dringend eine Kur braucht.

Unten bleibt das Gerüst noch einige Monate

Denn so unerschütterlich der Turm mit seinen 14 mal 14 Metern Grundfläche und 28 Metern Höhe auch wirken mag: An seiner Außenmauer lösten sich immer wieder Steinfragmente und Mörtelteile, zudem ließen Abplatzungen, Risse sowie offene und abgewitterte Fugen Feuchtigkeit ins Innere eindringen. Weil das auf Dauer Gift für die Bausubstanz ist, musste gehandelt werden.

Im August 2021 begann die Errichtung des massiven Gerüsts, dahinter wurde seitdem das Bruchsteinmauerwerk quasi Stein für Stein instandgesetzt. Die oberste Prämisse war dabei, möglichst viel von der Originalsubstanz zu erhalten. Diese Arbeit ist nun für die oberen zwei Drittel der Fassade erledigt. Im unteren Bereich, wo sich die deutlich gröberen Quadersteine befinden, ist man noch nicht so weit. Deshalb muss hier auch das Gerüst stehen bleiben, voraussichtlich bis zum Herbst.

„Das ist ein anderes Material, das auch einer anderen Bearbeitung bedarf“, erklärt Stock. Was von außen nicht gesehen werden könne, sei zudem der Sanierungsbedarf im Inneren des siebengeschossigen Turms. „Da muss noch rausgekehrt werden, im wahrsten Sinne des Wortes.“ Immerhin weiß Stock schon jetzt, dass das Projekt den anfangs aufgestellten Kosten-und Zeitrahmen einhalten wird. „Das ist ja auch immer ein super spannendes Thema.“

Nach dem endgültigen Abschluss der Sanierung kann die Dombauhütte wieder in vollem Umfang den Römerturm nutzen. Sie hat in dem Gebäude, in das im Lauf des 20. Jahrhunderts einige Zwischendecken aus Beton eingezogen wurden, einen Teil ihres Lapidariums, also ihres Steinlagers.

Parkplätze fallen weg, FDP spricht von Stückwerk

Bereits im Mai wird sich im Vorfeld des Römerturms aber auch etwas tun: Die neun Parkplätze, die es aktuell gegenüber den Freisitzen der Gastronomie am Alten Kornmarkt gibt, fallen weg. Sie werden ersetzt durch drei mobile Pflanztröge mit Bäumen und zwei „City-Decks“, das sind konsumfreie Sitzgelegenheiten. Die Stadt will mit diesen Maßnahmen für mehr Aufenthaltsqualität sorgen.

Das ist immer nur Stückwerk. Was fehlt, ist ein Gesamtkonzept.

Stadtrat Horst Meierhofer

Aus Reihen der Politik hatte zuletzt die FDP für eine umfassende Neugestaltung des Platzes ohne ruhenden Verkehr plädiert. Über die nun anstehende Veränderung ist Stadtrat Horst Meierhofer dennoch nicht froh. „Das ist immer nur Stückwerk. Was fehlt, ist ein Gesamtkonzept“, sagt er und erinnert daran, dass die FDP die wegfallenden Parkplätze am Kornmarkt durch die Mobilitätsdrehscheibe am Unteren Wöhrd ersetzt haben wollte.

Die Stadt stellt derweil das angemahnte Gesamtkonzept für Juni oder Juli in Aussicht. Dann soll es im Stadtrat präsentiert werden.

Historische Informationen zum Römerturm

• Bauzeit: Der Denkmal-Atlas des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege datiert den Bau auf das Jahr 1210. Der hölzerne Innenausbau stammt aus dem 15. Jahrhundert, das zeltförmige Dach wurde um 1573 errichtet.

• Ursprung: Der Unterbau des Römerturms ist deutlich älter, laut Denkmalatlas stammt er aus der zweiten Hälfte des neunten Jahrhunderts. Einige der großen Quadersteine stammen vermutlich vom römischen Legionslager, daher der Name des Turms.

• Sonderfunktion: Im Zweiten Weltkrieg wurden Glasfenster des Doms zum Schutz vor Bombenangriffen im Römerturm gelagert.