Wer in Regensburg gräbt, der findet was: Liegt das Römer-Erbe unter der Stadtbahn-Trasse?

Die Stadtbahn-Schienen müssten durch das Welterbe verlegt werden, wenn sie denn kommt – genau dort, wo einst das Römerlager Castra Regina stand. Was passiert, wenn Römerfunde unter der Trasse gemacht werden? Immerhin fand man auch in Köln und in München beim Bau von Schienen Artefakte. Und was sagt eigentlich die Unesco dazu, dass die Stadtbahn durch das Welterbe führen soll?
Wer im Herzen Regensburgs gräbt, findet etwas. Das weiß jeder. Sollten die Bürger am Sonntag für eine Fortsetzung der Planungen für die Stadtbahn stimmen, könnten zumindest Archäologen begeistert sein: Die Trasse führt nämlich entlang der Ostwand des Römerlagers Castra Regina, aus dem heraus die Stadt entstand. Doch wie tief müssen die Bauarbeiter graben, wenn sie Schienen verlegen? Und was sagt eigentlich das Welterbekomitee Icomos zur Stadtbahn-Planung?
„Bevor in Regensburg gebaut wird, sind oft Archäologen vor Ort und werden häufig auch fündig. Denn die Stadt gründet auf geschichtsträchtigem Boden.“ So beschrieb die Stadt vergangenes Jahr noch selbst, was passiert, wenn man in Regensburg den Boden öffnet. Damals ging es um Kumpfmühl.
Archäologen kommen zuerst
„Buchstäblich in letzter Minute – die schweren Baumaschinen waren bereits angerückt – entdeckte man neben Resten einer vorgeschichtlichen Siedlung aus der späten Bronzezeit vier Einzelgräber“ – aus der Römerzeit. Die Archäologen waren begeistert. Ob Ähnliches beim Bau einer Stadtbahn geschieht? In der Tat rechnet auch Planungsreferent Florian Plajer damit, dass Funde gemacht werden: „Östlich der Legionslagermauer, die bis um 1300 auch als östliche Stadtmauer fungierte, unter dem modernen Straßenbelag ist mit archäologischen Befunden der römischen Zivilsiedlung sowie der spätmittelalterlichen Stadterweiterung zu rechnen“, sagt der Referent. Die zu erwartenden Fundorte seien aber bereits allesamt kartiert und für den weiteren Planungsprozess mit Entwurfs- und Genehmigungsplanung von Bedeutung. „Die Fachstellen waren und sind bei den weiteren Planungsschritten hierbei im Austausch“, so der Referent.
Doch wie sieht eigentlich die Unesco die Stadtbahn? Zuständig ist das Icomos-Gremium, zusammen mit dem Landesamts für Denkmalpflege habe man sich bereits mit der Stadtbahn befasst.
Das Welterbekomitee habe diese Stellungnahme abgegeben: „Die Fortschritte bei den Stadtbahn-Planungen werden durch das Steuerungskomitee wohlwollend und begrüßend zur Kenntnis genommen, denn sie werden tatsächlich das Welterbegebiet maßgeblich vom derzeitigen Individualverkehr entlasten, ohne dessen visuelle Ausprägung zu beeinträchtigen.“
Plajer vergleicht die Eingriffe allerdings mit jenen von Kanalbauten oder der Verlegung von Gasleitungen. Zudem gab es früher bereits Grabungen, die Informationen darüber würden auch vorliegen. Plajer sagt aber auch: „Bodeneingriffe in kartierte Bodendenkmalflächen sind immer erlaubnispflichtig.“ Im Rahmen des bodendenkmalpflegerischen Verfahrens werden deshalb auch für den Bau der Stadtbahn archäologische Auflagen zu formulieren sein.
Regensburg wäre nicht die erste Stadt, bei der man Funde aus der Römerzeit machen würde beim Bau einer Stadtbahn. Allerdings sind es meistens Funde beim Bau von U-Bahnen. Beispielsweise fand in München beim Bau der Stammstrecke eine Ausgrabung statt. Das Landesamt für Denkmalpflege hatte diese gefordert, gefunden hat man die stolze Menge von 250000 Einzelstücken – dabei waren die Römer gar nicht in München. Die Stücke, die am heutigen Marienhof gefunden wurden und auf die Stadtgründungszeit Münchens zurückreichen, stammen aus dem 14. Jahrhundert. Anders sah es in Köln aus, einer von den Römern gegründete Stadt. Dort war es nämlich tatsächlich der Ausbau der Nord-Süd-Stadtbahn, allerdings wurden hier auch Tunnel gebaut. Gefunden wurde dabei ein ganzes römisches Hafentor.
Kein Baustopp bei Funden
Allerdings: Selbst wenn etwas gefunden wird, müsste das keinen Baustopp bedeuten, sagt Referent Plajer, denn: „Eine Forderung nach Erhalt besonders wertvoller historischer Bausubstanz durch die Bodendenkmalpflege ist zwar grundsätzlich möglich, im Falle der verhältnismäßig eher geringen Tiefenentwicklung der Stadtbahntrasse allerdings eher unwahrscheinlich.“
Ob es in Regensburg soweit kommt, dass für die Trasse im Welterbe gegraben werden muss, ist offen. Am Sonntag entscheiden die Regensburger in einem Bürgerentscheid. Und selbst, wenn sie dafür sind – das bedeutet bislang lediglich, dass die Stadt weiter planen soll. Wann die erste Stadtbahn fahren würde, ist im Prinzip noch nicht genau abzusehen.
