Fragenflut zur geplanten Stadtbahn in Regensburg: Wir beantworten die wichtigsten Fragen

Wie soll die Stadtbahn in Regensburg durch das ohnehin schon überlastete Verkehrssystem kommen? Übernimmt sich die Stadt mit der Finanzierung des Projekts? Und was ist mit den Bäumen? Was ist wenn Radler auf die Schienen geraten?
Wir beantworten die wichtigsten Fragen:
Wie soll die Stadtbahn über die DEZ-Kreuzung?
Eine Leserin fragt nach einer Überführung für die Stadtbahn bei der Kreuzung an der Nordgaustraße und wie das an der ohnehin viel befahrenen Kreuzung funktionieren soll. „Eine Überführung über die Walhalla-Allee wurde geprüft und wäre grundsätzlich machbar“, antwortet Juliane von Roenne-Styra, Pressesprecherin der Stadt. Eine verkehrstechnische Analyse während der Vorplanungen habe aber ergeben, dass keine Überführung notwendig sei. „Die Stadtbahn wird die Kreuzung in Nord-Süd-Richtung befahren und kann die Grünzeiten des Kfz-Verkehrs problemlos mitnutzen“, erklärt die Pressesprecherin.
Ist die Altstadt für die Stadtbahn nicht zu eng?
Auf diese Frage einer Leserin antwortet von Roenne-Styra, dass die Stadtbahn nicht durch die engen Altstadtgassen fahren soll. „Der einzige Abschnitt, in dem sie die Altstadt berührt, ist der Bereich zwischen Hauptbahnhof und Wöhrdstraße“, verdeutlicht sie. In einem großen Teil dieses Straßenzugs sei die Situation für Radfahrer, Busse und Kfz-Verkehr im Moment nicht zufriedenstellend. Die Neuaufteilung des Straßenraums im Zuge des Stadtbahnprojekts aber biete aus Sicht der Stadt eine Chance zu Verbesserungen, insbesondere für die Radfahrer.
Radler und Schienen: Ist das nicht gefährlich?
„Wenn Räder in die Schienen kommen, ist ein Sturz meistens unumgänglich“, sorgt sich allerdings eine Leserin. Grundsätzlich sollen die Fahrwege so angelegt werden, dass Radfahrer getrennt von der Stadtbahn unterwegs sind, erklärt die Pressesprecherin. Dies sei gut geübte Praxis in vielen Städten. „Wenn Radfahrer die Gleise queren müssen, werden sie so geführt, dass dies mindestens im 45-Grad-, besser sogar im 90-Grad-Winkel erfolgt, um die Sturzgefahr zu minimieren“, verdeutlicht sie.
Braucht es mehr Park-and-Ride-Parkplätze?
Von Roenne-Styra zählt auf, was geplant ist: An den Bahnhaltepunkten Burgweinting und Walhallastraße werde die Bahn Park-and-Ride-Plätze errichten. Mit dem Jahnstadion sei zudem ein großer Parkplatz in das Netz eingebunden, die sie als optimal erreichbar bezeichnet. Weiter verweist sie auf das Parkhaus TechBase und die geplante Mobilitätsdrehscheibe Unterer Wöhrd im Umfeld des Netzes.
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Wie soll der Verkehr am Bayernmuseum fließen?
Hier staut sich der Verkehr ohnehin schon oft von der Einfahrt ins Parkhaus am Dachauplatz bis in die Thundorferstraße, beschreibt ein Leser seine Beobachtungen. In dem Bereich soll es mit Einführung der Stadtbahn in Nord-Süd-Richtung kaum mehr Durchgangsverkehr geben, kündigt die Pressesprecherin an: Busse sollen durch die Stadtbahn ersetzt werden, Autos sollen stattdessen über die Nibelungenbrücke und die Landshuter Straße geführt werden. „So kann in der Altstadtachse das Kfz-Verkehrsaufkommen auf ein verträgliches Maß reduziert werden, während das Parkhaus am Dachauplatz aber weiterhin aus allen Fahrtrichtungen erreichbar bleibt“, erklärt von Roenne-Styra.
Lärm und Beben: Wie wird das für Anwohner?
„Beim Neubau einer modernen Stadtbahn gibt es viele Möglichkeiten, Erschütterungen und Lärm von vorneherein zu vermeiden“, sagt die Pressesprecherin. Etwa eine elastische Gleislagerung oder Unterschottermatten sollen ihr zufolge dazu führen, dass eine Bahn kaum noch Erschütterungen verursacht. Diese dämpfenden Maßnahmen sollen an allen relevanten Abschnitten mitgeplant werden. Andere Maßnahmen sollen für einen möglichst leisen Betrieb sorgen: etwa schallgedämmte, schwingungsfreie Gleise, das Abschirmen schallerzeugender Teile an den Fahrzeugen oder die Pflege der Schienen und Radsätze. „Wo immer es möglich ist – nach aktuellem Stand auf mehr als die Hälfte der Strecke –, wird die Stadtbahn auf Rasengleisen geplant. Hier ist sie noch einmal leiser unterwegs“, erklärt von Roenne-Styra weiter. Und sollten an manchen Stellen Lärmemissionen bleiben, die Grenzwerte übersteigen, würden in den anliegenden Häusern schallschützende Fenster eingebaut werden, kündigt sie an.
Wie stark würde die Tram den Haushalt belasten?
Ein Leser fragt sich, ob das Infrastrukturprojekt so teuer werden könnte, dass der Haushalt der Stadt dadurch genehmigungspflichtig werden würde. „Die Haushalte der Stadt unterliegen seit vielen Jahren einer Genehmigungspflicht, da sie Kredit- und Verpflichtungsermächtigungen enthalten“, sagt die Pressesprecherin. Maßstab für die Genehmigungsfähigkeit eines städtischen Haushalts – auch unter Berücksichtigung der Finanzierung von Großprojekten wie einer Stadtbahn – sei die dauernde finanzielle Leistungsfähigkeit einer Stadt.
Könnten andere Projekte ins Hintertreffen geraten?
Mehrere Leser fragen, welcher finanzielle Spielraum für Neubauten von Schulen oder Kindergärten sowie Ersatzbauten mit der Stadtbahn noch bleibt. Sie sorgen sich, dass Projekte wie diese verschoben oder gar gestrichen werden könnten. Der finanzielle Spielraum für kommunale Investitionen hänge von vielfältigen Faktoren ab, antwortet die Pressesprecherin. „Der notwendige Umbau des ÖPNV durch ein Stadtbahn- und/oder Bussystem, die Anforderungen an den Klimaschutz ebenso wie diverse Pflichtaufgaben der Stadt – zu denen auch Schulen oder Kindergärten gehören – sind in den Haushalt einzustellen“, verdeutlicht sie. Die Stadtbahn stehe unter Finanzierungsvorbehalt und die Umsetzung werde nur erfolgen, wenn die Stadt diese sowie alle weiteren wichtigen Aufgaben erfüllen kann. „Derzeit geht die Stadt davon aus, dass eine Finanzierung möglich sein wird“, sagt von Roenne-Styra.
Wie hoch will sich die Stadt verschulden?
Mit Verweis darauf, dass mögliche Finanzierungskonzepte derzeit erarbeitet werden, sagt von Roenne-Styra: „Zum aktuellen Zeitpunkt können keine seriösen Angaben zur Verschuldung gemacht werden, die unter Berücksichtigung der Finanzierung einer Stadtbahn zusätzlich anfallen würde.“
Wann könnte der Etat für die Stadtbahn vorliegen?
Laut Projektablaufplan könnte der – vorbehaltlich eines positiven Votums des Bürgerentscheids, die Planungen weiterführen zu können – Mitte 2025 vorliegen.
Wie wurden die Kosten für die Stadtbahn berechnet?
Die Kosten für das Stadtbahnprojekt wurden in der Machbarkeitsstudie „Höherwertiges ÖPNV-System für Regensburg“ in den Jahren 2017/18 erstmals ermittelt. Da diese Studie noch keine detaillierten Planungen der Verkehrsanlagen beinhaltete, konnten sie damals nur anhand von Vergleichsprojekten geschätzt werden. Im Zuge der zwischenzeitlich erfolgten Planung und Weiterentwicklung des Projektes sei nun eine konkretere Kostenschätzung möglich, schreibt die Stadt auf ihrer Homepage. Im aktuellen Plan sind neben dem Bau der Trasse auch bereits Kosten für Umbauten im Straßenraum und die Ertüchtigung von Brücken berücksichtigt. Die Stadt gibt die Kosten zum momentanen Preisstand mit folgenden Summen an: Insgesamt könnte die Stadtbahn mit 878 Millionen Euro zu Buche schlagen. Davon sollen 527 Millionen Euro auf den Bau der Trasse entfallen, etwa 101 Millionen Euro auf den Bau des Betriebshofs und 156 Millionen Euro auf die Beschaffung der Fahrzeuge. Dazu kommen 95 Millionen Euro für die Planungskosten.
Wie viele Bäume werden für die Stadtbahn gefällt?
„Das lässt sich in der derzeitigen Planungsphase noch nicht sagen. Jede Zahl, die dazu veröffentlicht wird, ist aus der Luft gegriffen“, stellt die Stadt auf ihrer Homepage klar. Dies werde sich mit weiterem Fortschritt der Planungen konkretisieren. Derzeit seien Fachplaner damit beschäftigt, den Baumbestand entlang der Trasse aufzunehmen und zu begutachten. Dabei werde darauf geachtet, dass – wo immer möglich – Grüngleise zum Einsatz kommen, um Flächen zu entsiegeln. Alle Eingriffe sollen abgewogen und nach Möglichkeit vermieden werden. „Umweltplaner hinterfragen deshalb die Linienführung der Stadtbahn Regensburg kritisch und optimieren diese unter Berücksichtigung aller Umweltaspekte“, heißt es auf der Website.
Warum können nicht einfach mehr Busse fahren?
„In eine Stadtbahn passen dreimal soviel Fahrgäste wie in einen Gelenkbus“ schreibt die Stadt auf ihrer Homepage. Ein ÖPNV mit Stadtbahn und Bussen könne deshalb viel schneller und stärker sein als einer, der lediglich mit Bussen unterwegs ist. Die Stadtbahn soll laut den Plänen der Stadt das Rückgrat des ÖPNV werden.
Warum wurde die Tram 1964 abgeschafft?
Von 1903 bis 1964 existierte in Regensburg eine Straßenbahn. Ihre Einstellung hatte laut Homepage der Stadt mehrere Gründe. Ein wesentlicher Grund sei der in den 1950er und 1960er Jahren aufkommende Motorisierungsgrad der Gesellschaft gewesen, dem viele Städte – so auch Regensburg – gemäß dem damals vorherrschenden Leitbild der autogerechten Stadt mit einem Ausbau des Straßensystems entsprachen. Die Straßenbahn sei hingegen nach 1945 – auch mangels finanzieller Mittel der Stadt – nicht wesentlich weiterentwickelt worden. Das bis zuletzt überwiegend eingleisige Streckennetz mit seinen Engstellen in der Altstadt kam an seine Leistungsgrenze.