In Regensburg glaubt man, Straßen zu sperren führt zu weniger Verkehr

Während eine „abstrakte Gefahrenlage“ dafür verantwortlich ist, dass es heuer keinen Umzug auf dem CSD durch Regensburg geben wird, protestiert eine Anwohnerin an der Landshuter Straße dafür, dass eine Spur gesperrt wird, wenn die Sallerner Regenbrücke kommt. Derweil erhält so manche Organisation sogar Geld aus Brüssel, um gegen deutsche Unternehmen zu klagen. Was ist nur los?
Diese Woche hat mich die Geschichte mit dem Regensburger CSD bewegt. Seit vielen Jahren ziehen Lesben, Schwule und Transpersonen an diesem Tag durch die Stadt. Ich habe schon vieles erlebt: Beispielsweise, als die Polizei vor Jahren den Umzug filmte, weil die Antifa den CSD für ihre Zwecke unterwanderte. Dass ich mich also als freier Bürger dabei filmen lassen muss, weil ich für die Rechte meiner Minderheit demonstriere, habe ich damals als perfide empfunden.
Ebenso perfide fand ich es aber auch, als die Regensburger CSU, die sich unter Hans Schaidinger viele Jahre weigerte, überhaupt nur zu erscheinen beim CSD, vergangenes Jahr ausgeladen wurde. Angeblich, weil man die Sicherheit von CSU-Politikern nicht garantieren kann. Dabei stellten sich mir zwei Fragen: Ist man nur dann ein guter Homosexueller, wenn man links der Mitte wählt und denkt? Bedeutet wirkliche Gleichberechtigung nicht auch, dass man auch als konservativ denkender Mensch einer Minderheit angehören und für ihre Rechte streiten kann?
Verkürzte CSD-Route macht deutlich: Die Zeiten werden rauer
Für mich war die gute Botschaft der letzten Jahre doch die, dass das Thema eigentlich keine Rolle mehr spielt, egal welche Partei. Sogar in der AfD, die in ihren Positionen das Rad zurückdrehen will, spielt es offenbar keine Rolle, dass die Parteivorsitzende mit einer Frau aus einem anderen Land verheiratet ist und zwei Kinder mit ihr hat. Die zweite Frage, die sich allerdings stets für mich stellte: Was ist los in Regensburg, wenn man die Sicherheit von Kommunalpolitikern nicht gewährleisten kann? Heuer kommt die Frage hinzu: In welchem Land sind wir gelandet, in dem man eine CSD-Parade durch die Altstadt absagen muss, weil es eine abstrakte Bedrohung gibt? Dabei verstehe ich den Veranstalter. In Zeiten, in denen Psychopathen mit Messern auf wehrlose Menschen losgehen, wer will da seine Unterschrift unter eine Demonstrationsanmeldung setzen? Wenn wir unsere Freiheit aufgeben, weil sie bedroht ist, ohne sie zu verteidigen – dann haben die Verrückten am Ende gewonnen. Der verkürzte Marsch vom Dom nach Stadtamhof macht deutlich: Die Zeiten werden rauer.
Einen Kommentar dazu lesen Sie hier: CSD-Parade abgesagt: Selbstaufgabe ist keine Option
Zurück zu erfreulicheren Dingen: In meiner Serie „was andere besser machen als wir“ diesmal wieder ein kurzer Ausflug nach Frankreich. Während bei uns die riesigen roten Plastikfolien, in die Bäume eingepflanzt werden, damit es nicht nur Steinwüsten gibt, umstritten sind, haben die Franzosen das ganz pragmatisch gelöst, wie mir eine Leserin schreibt. Mit Netzen verpacken sie Erde und Wurzelwerk. Das sieht dezent aus, scheint mir auch nicht zu teuer zu sein und wäre doch eine Alternative zu den roten Knalltüten, die in Regensburg verwendet werden.
Mehr Grün wollen auch Greenpeace und Bund Naturschutz – allerdings auf der Straße. „Da würde eine neue Stadtautobahn entsteht“, sagt eine Anwohnerin in der Landshuter Straße bei uns in der Zeitung und bezieht sich auf den Bau der Sallerner Regenbrücke. Tatsächlich wäre dann die Durchfahrt von der A93 auf die A3 für manche eine Option. Dabei gibt es ja in Regensburg die krude Vorstellung, wenn man Straßen sperrt oder verengt, dann bekommt man weniger Verkehr statt mehr. Und wenn man Brücken baut, dann fahren da halt auch Autos drüber. Kürzlich bin ich durch München gefahren und traute meinen Augen nicht: Am Mittleren Ring, also einer Stadtautobahn, ist auf 30 reduziert. Eingeklagt von Institutionen wie der Deutschen Umwelthilfe. NGOs wie die bekommen dann noch viel Geld. Kürzlich wurde bekannt, dass so manche NGO deutsche Unternehmen mit EU-Geldern verklagt. Es ist verrückt: Die Städter wollen ländlich leben. Und Schuld sind die Autofahrer.