Versiegelt, ohne Grün, zu heiß: Verkehrsberuhigung für Landshuter Straße in Regensburg gefordert

Die Verhinderung der Sallerner Regenbrücke ist zur Zeit das verkehrliche Thema Nummer eins in Regensburg. Doch der Blick richtet sich auch auf Trassen, die dazu in Zusammenhang stehen.
Beim Bürgerfest wartet Arbeit auf der Nachhaltigkeitsmeile, am Rennplatz ist eine 100 Jahre alte Eiche vor der Fällung zu retten und als große Aufgabe über allem schwebt das Bürgerbegehren gegen die Sallerner Regenbrücke: Die ehrenamtliche Tätigkeit beim Bund Naturschutz ist für Astrid Schnell und ihre Mitstreiter derzeit besonders fordernd, Bedarf nach weiteren Themen gibt es eigentlich nicht. Doch weil alles irgendwie zusammenhängt, lenkt sie die Aufmerksamkeit gleich auch noch auf die Landshuter Straße.
Denn diese wäre im Fall des Baus der Sallerner Regenbrücke Bestandteil einer neuen, durchgehend vierspurigen Wegeverbindung zwischen den Autobahn-Anschlussstellen Regensburg-Nord (A93) und Burgweinting (A3). „Da würde eine neue Stadtautobahn entstehen“, warnt Schnell. Dabei müsste ihrer Meinung nach mit der Landshuter Straße das genaue Gegenteil geschehen – ein Rückbau inklusive Begrünung.
Lufttemperatur bis zu 56 Grad
Bereits jetzt sei diese vielbefahrene Trasse nämlich ein Ort extremer Schadstoff-, Feinstaub- und Hitzebelastung, an der schmalsten Stelle zwischen der Shell-Tankstelle und der Einmündung der Furtmayrstraße heize sich die Luft im Sommer auf bis zu 56 Grad auf. Dem sei nur durch eine konsequente Entsiegelung und dem Pflanzen von Stadtbäumen beizukommen. Der dafür nötige Platz soll durch die Opferung einer Spur pro Richtungsfahrbahn geschaffen werden.
Der Umbau unserer Städte für das Auto war groß – nun braucht es den Umbau für Mensch und Natur.
Astrid Schnell, Bund Naturschutz
„Der Umbau unserer Städte für das Auto war groß – nun braucht es den Umbau für Mensch und Natur“, bringt Schnell diese Forderung auf den Punkt und verdeutlicht zugleich, dass dies nur eine Rückbesinnung auf den ursprünglichen Charakter dieses Bereichs wäre: „Die Landshuter Straße war bis in die 1950er-Jahre eine Allee, eine wahre Prachtstraße. Anhand der Fassaden in ihrem westlichen Abschnitt kann man das heute noch erahnen.“
Geteilt wird der Vorstoß von Frank Gesche, dem stellvertretenden Gruppen-Koordinator von Greenpeace Regensburg. „Die Landshuter Straße muss einspurig gemacht werden“, sagt auch er und erinnert daran, dass dieser Gedanke ein wesentlicher Bestandteil der Planungen für die Stadtbahn war. Die hätte mittig auf Rasengleisen geführt zwischen Furtmayrstraße und Burgweinting verkehren sollen, für Autos wäre jeweils nur noch eine Spur übrig geblieben. Gesche hat die Stadtbahn abgelehnt, weil ihm der Preis der vielen zu fällenden Bäume zu hoch war – die Idee einer verschmälerten Landshuter Straße aber findet er bis heute gut.
Thema soll im Kommunalwahlkampf präsent bleiben
Auf politischer Ebene war dieser Gedanke zuletzt vor einem Jahr präsent. Unmittelbar nach dem negativen Stadtbahn-Bürgerentscheid plädierte etwa der Stadtrat und Landtagsabgeordnete Jürgen Mistol von den Grünen dafür, separate Busspuren auf der Landshuter Straße einzurichten. CSU-Fraktionschef Michael Lehner äußerte sich umgehend skeptisch dazu, seither ploppte das Thema nicht mehr auf.
Immer nur den Autofahrer zu schädigen, kann nicht der Ansatz der CSU sein.
Michael Lehner, CSU-Fraktionsvorsitzender
Zwölf Monate später bezeichnet Lehner solche Busspuren grundsätzlich als „charmant, weil man sie wieder wegmachen kann, wenn man feststellt, dass es nicht funktioniert“. Im Fall der Landshuter Straße glaubt er schon vorher zu wissen, dass es nicht funktionieren kann. „Das ist der Hauptzubringer von und nach Burgweinting, den größten Stadtteil. Wenn man den einspurig macht, staut sich der Verkehr den ganzen Tag.“ Für ihn und seine Partei komme diese Maßnahme daher nicht in Frage: „Immer nur den Autofahrer zu schädigen, kann nicht der Ansatz der CSU sein.“
Von dieser Abfuhr wollen sich die Aktivisten von Bund Naturschutz und Greenpeace jedoch nicht aus der Bahn werfen lassen. „Eine Busspur wäre ein Anfang, ebenso die Einrichtung von Tempo 30 wie in der Weißenburgstraße. Es geht ja um Evolution und nicht um Revolution“, meint Schnell. Sie will an dem Thema genauso dranbleiben wie Gesche, der im Hinblick auf den nahenden Kommunalwahlkampf ankündigt: „Wir werden alle Parteien und Listen dazu befragen, wie sie zu einer Verkehrsberuhigung in der Landshuter Straße stehen.“