Familienunternehmen aus Neumarkt wird Global Player: Dehn investiert zehn Millionen

„Wir haben Glück, in der richtigen Branche zu arbeiten“, sagt Dr. Philipp Dehn, Vorstandsvorsitzender der Dehn SE. „Ohne Strom geht nichts – unser Geschäft wächst.“ Um die Fertigungskapazitäten für Kunden in Europa zu erweitern, baut der Blitzschutz-Spezialist eine neue Produktionsstätte in Rumänien auf. Dehn erklärt, warum diese die Standorte Neumarkt und Mühlhausen sichert.
Der offizielle Spatenstich für das Werk in Pitesti erfolgte am Mittwoch. Er markiert den Beginn einer etwa zehnmonatigen Bauphase. Der Start der Produktion mit zunächst etwa 80 Mitarbeitenden sei für die Jahresmitte 2026 geplant, kündigt Dehn an. „Perspektivisch“ gehe man von bis zu 150 Mitarbeitenden aus.
Von Mühlhausen in die Welt
Der Vorstandsvorsitzende stellt gleichzeitig klar, dass keine Arbeitsplätze aus der Region nach Osteuropa verlagert, sondern dort zusätzlich neue aufgebaut würden. Das wiederum trage zum Schutz der Stammmannschaft in der Region Neumarkt und der Sicherung von Arbeitsplätzen hier bei: „Bei Dehn ist der Begriff Internationalisierung positiv belegt. Wenn wir nicht investieren, können wir die Nachfrage nicht bedienen. Dann haben wir das Problem, dass wir zu wenig Umsatz haben.“ Deswegen diene das internationale Engagement der Arbeitsplatzsicherung.
Während die Produktionsstandorte in Neumarkt und Mühlhausen künftig primär auf Produkte mit hohen Stückzahlen und stark automatisierte Verfahren ausgelegt seien, werde der Schwerpunkt in Rumänien auf kundenspezifischen, einfachen Produkten für den Überspannungsschutz in kleineren Stückzahlen liegen, die einen hohen manuellen Produktionsaufwand erfordern. Diese sollen in Pitesti hergestellt, nach Mühlhausen ins Zentrallager transportiert und von dort aus an die Kunden geliefert werden.
Kapazitätten in Deutschland stoßen an ihre Grenzen
Dass das Neumarkter Familienunternehmen den Bau einer zusätzlichen Produktion für die europäischen Märkte forciert, begründet Philipp Dehn damit, dass „die bisherigen Kapazitäten in Deutschland perspektivisch an ihre Grenzen stoßen“.
Zum einen werde sich der Fachkräftemangel in der Region mittelfristig verstärken und in Rumänien gebe es gut ausgebildetes Personal. Zum anderen erwarte man in Osteuropa in Zukunft großes Nachfragepotenzial und zum Dritten sei es unabdingbar, durch einen weiteren Standort etwaige Produktionsausfälle kurzfristig aufzufangen.

Nach einer intensiven Standortsuche, bei der mehrere Städte und Regionen in ganz Europa evaluiert worden seien, sei die Entscheidung auf den CTPark Pitesti gefallen. Die Stadt liegt nord-westlich der rumänischen Hauptstadt Bukarest – und da Rumänien in der EU liege, erspare man sich viele bürokratische Hürden nicht zuletzt in puncto Zölle.
Gute ausgebildete Fachkräfte und gute Verkehrsanbindung
Die zentralen Argumente für sie seien die Kombination aus verfügbaren gut ausgebildeten Arbeitskräften, sehr guter Verkehrsanbindung und einer ausreichend großen Fläche für das Bauvorhaben (rund 10 000 Quadratmeter) gewesen.
Das Neumarkter Familienunternehmen plant, in den kommenden Jahren rund zehn Millionen Euro in das Werk in Osteuropa zu investieren, wenngleich Dehn einräumt: „Wir müssten jetzt eigentlich gerade nicht bauen, aber wir wissen, dass die Nachfrage weiter steigen wird.“
„Wir gehen davon aus, dass wir in den nächsten Jahren in Europa um sieben bis zehn Prozent wachsen.“
Dr. Philipp Dehn, Vorstandsvorsitzender
„Wir gehen davon aus, dass wir in den nächsten Jahren in Europa um sieben bis zehn Prozent wachsen“ – allein durch den Nachholbedarf. Die weltweite Elektrifizierung sei der wesentliche Treiber des Geschäfts. Der Ausbau erneuerbarer Energien, der wachsende Anteil an E-Fahrzeugen, dafür benötigte Infrastruktur, Rechenzentren und vieles mehr benötigten die Produkte und Lösungen des Spezialisten für Blitz-, Überspannungs- und Arbeitsschutz.
Die Italiener rüsteten ihre Autobahnen für Elektro-Mobilität, Wallboxen würden in-stalliert, alle Länder Europas bauten Windräder: Würde Dehn seine Produktionskapazitäten jetzt nicht erweitern, wäre es irgendwann zu spät, meint der CEO. Durch eine breite Aufstellung weltweit könnten etwaige Einbrüche leichter kompensiert werden. Das sichere Umsatz und damit Arbeitsplätze – und dafür sehe er sich als Familienunternehmer in vierter Generation verantwortlich.
Das sei auch einer der Gründe für die intensive Auslandsstrategie. Um die globale Nachfrage der Märkte zu decken, hat das Unternehmen im vergangenen Jahr Tochtergesellschaften in Norwegen und Japan gegründet sowie in Mühlhausen einen neuen Produktionsstandort mit über 600 Mitarbeitern eröffnet.
Unabhängig von Zöllen
In Asien verfügt das Unternehmen unter anderem über Produktionsstätten in Indien und in China: „Wir wollen in der Nähe der Kunden sein“, erklärt Dr. Dehn. Das wirke sich auch positiv auf den CO2-Fußabdruck aus.
Im März startete der Blitzschutz-Experte seine Produktion in Mooresville (North Carolina, USA). Diese bezeichnet Dehn als „absolut richtig“. Denn jetzt machten die von den USA erhobenen hohen Zölle auf Importe aus der EU einen Export nahezu aussichtslos: Dehn könne jedoch vor Ort produzieren und bleibe wettbewerbsfähig. Bei alledem gerate der Stammsitz keineswegs ins Hintertreffen, stellt der Vorstandsvorsitzende heraus: In den Standort Mühlhausen seien in den vergangenen zehn Jahren rund 100 Millionen Euro geflossen, in den kommenden Jahren wird kräftig in Neumarkt investiert.
Komplettlösungen im Visier
Für die Zukunft sieht der Unternehmer weiteres Wachstumspotenzial – eine Entwicklung vom Familienunternehmen hin zum Global Player. Zugute komme Dehn SE, dass die Länder weltweit unterschiedliche Entwicklungsstadien hätten, wodurch Dehn-Technologien auf verschiedenste Weise gefragt seien.
Zusammen mit den neuen Technologien vergrößere sich somit die Angebotspalette. Der Gedanke gehe dahin, Kunden nicht nur einzelne Teile, sondern Komplettlösungen anzubieten.
Gut zu wissen
• Dehn SE: Dehn ist ein führendes, international tätiges Neumarkter Familienunternehmen der Elektrotechnik. Es bietet Lösungen und Services für die Bereiche Blitz-, Überspannungs-und Arbeitsschutz.
• Globales Mindset: Regional verwurzelt ist Dehns Engagement global. Das Unternehmen ist in mehr 70 Ländern präsent und verfügt über 23 Auslandstochtergesellschaften.
• Umsatz und Investitionen: Weltweit zählt Dehn mehr als 2500 Mitarbeitende, der Umsatz betrug 2023/24 mehr als 470 Mio. Euro. In den kommenden drei Jahren will Dehn jährlich über zehn Millionen Euro in den Standort Neumarkt investieren – zur Ertüchtigung frei gewordenen Flächen.