50 Millionen investiert: Dehn SE eröffnet hochmodernes Stammwerk mit 600 Mitarbeitern in Mühlhausen

Von Petra Schlierf · 4. Februar 2024 um 11:00

50 Millionen Euro hat die Neumarkter Dehn SE in ihr neues Stammwerk in Mühlhausen investiert. Es entstand eine der modernsten mittelständischen Produktionsstätten Süddeutschlands. Bei der Eröffnung gab es spannende Einblicke in die Industrie 4.0. Menschen und Roboter arbeiten zusammen. Und sogar Inklusion funktioniert.

Millioneninvestitionen, Niederlassungen auf der ganzen Welt, Rekordumsätze, Weltmarktführer – die Neumarkter Dehn SE strotzt nur so vor Superlativen. Dennoch gibt sich die Chefetage bescheiden, allen voran Vorstandsvorsitzender Philipp Dehn. An ihm war es am Freitag, das neue Stammwerk in Mühlhausen offiziell zu eröffnen. Doch der Erfolg, das betonte der Konzernlenker immer wieder, sei gar nicht in erster Linie sein eigener, sondern der seines riesigen Teams.

In zwei Jahren Bauzeit entstand auf dem Areal im Gewerbegebiet Mühlhausen-Nord an der B299 eine gigantische Produktionshalle, direkt neben dem Logistikzentrum, von dem aus schon seit rund zehn Jahren Dehn-Produkte in alle Welt verschickt werden.

Zukunftsweisende Planung in wirtschaftlichen schwierigen Zeiten

In einer schwierigen Phase, ausgerechnet zu Beginn der Corona-Krise, entschied sich Dehn für die 50-Millionen-Investition. Kein leichter Schritt, erinnert sich Philipp Dehn, aber: „Wir wussten, dass wir die Kapazitäten in zweieinhalb Jahren brauchen.“ Und so kam es, denn das Geschäft brummt weiter. Großen Aufwind beschert dem Oberpfälzer Unternehmer unter anderem der starke Ausbau erneuerbarer Energien, aber auch der E-Mobilität. „Überall, wo Strom fließt, muss der auch abgesichert werden“, erklärt Philipp Dehn. Und nicht selten kommen dann Dehn-Produkte zum Einsatz – von Mexiko bis Singapur. Und mit dem Bau der hochmodernen Produktion beweist das Unternehmen laut Philipp Dehn: „Hightech gibt es nicht nur im Silicon Valley, sondern auch in der Oberpfalz.“

„Dehn schützt“ ist der Slogan des Unternehmens. Den möchte Philipp Dehn, übrigens der Urenkel des Gründers, ausdrücklich nicht nur im Hinblick auf seine Produkte verstanden wissen. Er will, dass sich seine Leute im Betrieb wohlfühlen. Von den insgesamt rund 2400 Dehn-Mitarbeitern weltweit sind etwa 600 am neuen Standort in Mühlhausen im Einsatz. Und die dürfen in einer der modernsten mittelständischen Produktionsstätten Süddeutschlands arbeiten, erklärt Produktionsvorstand Christian Köstler: „Wir wollten bewusst weg von den alten, grünen Eisenwerkbänken. Hier haben wir moderne Arbeitsplätze in der Produktion, die es ermöglichen sollen, dass die Menschen ein Leben lang gesund und mit Freude arbeiten können.“ Wer die Produktionsbereiche betritt, findet sich zunächst einmal in einer recht entspannten Atmosphäre wieder. Zwar herrscht ein moderater Lärmpegel, sonst aber vermittelt die Halle nicht die kalte Tristesse, den Industriehallen häufig an sich haben.

Industrie 4.0: Menschen und Roboter arbeiten zusammen

Alle Arbeitsplätze sind ergonomisch auf die Größe der Mitarbeiter anpassbar und höhenverstellbar. Man kann also im Stehen oder im Sitzen arbeiten. Es gibt Tageslicht und niemand muss schwere Kisten mit Material oder fertigen Teilen durch die Halle tragen oder schieben.

Dafür gibt es Sissy, Bernhard und Co. Diese autonomen Gabelstapler flitzen unablässig durch die Gänge und transportieren Kisten, die sie anhand von Strichcodes erkennen. Und die Roboter fahren sogar Aufzug.

Zum Beispiel zu den Arbeitsplätzen für Menschen mit Behinderung, die seit dem Umzug direkt bei Dehn arbeiten können. Die Zusammenarbeit mit der Lebenshilfe Neumarkt gibt es zwar schon länger, erklärt Köstler, nun war es aber möglich, diese Mitarbeiter direkt in den Betrieb zu holen – ein Gewinn für alle, wie er feststellt.

Rund 46000 Quadratmeter Fläche wurden für das neue Werk versiegelt, doch Dehn hat sich auch um die Umwelt Gedanken gemacht: Das Dach wurde großflächig begrünt und das Gebäude wird per Betonkernaktivierung beheizt und gekühlt. „Unsere PV-Anlage deckt in etwa 60 Prozent des Energiebedarf“, erklärt Köstler zudem.

Vor so viel unternehmerischem Mut und Weitblick konnten die Redner bei der offiziellen Eröffnung am Freitag nur ihren Hut ziehen. Finanzminister Albert Füracker („Die Welt wird schon fast zu klein für Dehn“), Landrat Willibald Gailler und Mühlhausens Bürgermeister Martin Hundsdorfer waren tief beeindruckt – und freuen sich vielleicht insgeheim schon auf die nächste Eröffnung. Der tief bewegte Vorstandschef Philipp Dehn ließ nur anklingen, dass man insgesamt 18 Hektar am Standort gekauft habe – viel Platz für weitere mögliche Werke. Der Blick von Dehn richte sich momentan in Richtung Amerika, deutete er an.

Und was wird aus Neumarkt? Der Standort bleibt definitiv erhalten, betonte Philipp Dehn, soll aber nach und nach von der Produktion entzerrt werden. Dafür solle dort mehr Platz für die Bereiche Verwaltung, Sales und Marketing entstehen.

Vom Elektromeister zum Weltmarktführer: Die Geschichte der Firma Dehn

Gründung: Der Geburtstag der Firma Dehn lässt sich auf den 21. Januar 1910 datieren – der Tag, an dem Gründer Hans Dehn beim Magistrat der Stadt Nürnberg ein Gewerbe zur „Installation elektrischer Anlagen“ anmeldet.

Erstes Patent: Dehn – er war gelernter Feinmechaniker und Elektroinstallateur – befasst sich intensiv mit dem, was das Familienunternehmen groß machte: Blitzschutz. 1918 meldet er das erste Patent an. Er hatte ein Bauteil entwickelt, das als „umwälzende Neuheit auf dem Gebiet des Blitzableiterbaus“ beworben wird: den so genannten Ziegelnasen-Firsthalter für Blitzschutz-Drähte.

Neumarkt: 1921 expandiert Dehn nach Neumarkt, zunächst mit dem Ladenlokal „Dehn & Haussner – Elektrische Anlagen jeder Art“. Ab 1923 steigt Dehn in die Produktion in den Bereichen Blitzschutz und Erdung ein. Zehn Jahre später überträgt der Gründer einen Teil der Firma auf seine Kinder – Dehn & Söhne entsteht.

Zweiter Weltkrieg: Die Produktionsanlagen in Neumarkt und Nürnberg werden stark zerstört. Man improvisiert. Der Wiederaufbau des Unternehmens startet aus einer Lagerhalle auf dem Gelände in Neumarkt.

Neue Generationen: 1952 stirbt Blitzschutz-Pionier Hans Dehn. Seine Söhne Walter, Willy und Richard Dehn führen das Unternehmen weiter. Es folgen auch unter ihrer Führung zahllose technische Innovationen. Heute sind es mehr als 1000 Patente. 1981 ziehen auch sie sich aus dem Unternehmen zurück. Sie übergeben an Hans-Joachim und Thomas Dehn.

Neubauten: 2003 wird das neue Verwaltungsgebäude an der Hans-Dehn-Straße fertig, 2007 das neue, dreistöckige Produktionsgebäude. 2014 ist die neue Logistik- und Produktionshalle in Mühlhausen fertig.

Dehn SE: 2019 wird Dehn + Söhne zur Dehn SE + Co. KG. Längst ist mit Philipp Dehn die vierte Generation an Bord.

Das neue Stammwerk der Dehn SE im Gewerbegebiet Mühlhausen-Nord ist ein echter Hingucker. 50 Millionen Euro hat das Unternehmen investiert. Fotos: Petra Schlierf
Tageslicht, ergonomisch, höhenverstellbar: die hochmodernen Arbeitsplätze in der Produktion
Bevor an einem Arbeitsplatz das Material ausgeht, flitzen diese autonomen Gabelstapler los und holen Nachschub.
Die Fertigung ist in Linien aufgebaut: Vorne lagert das Rohmaterial, am Ende der Straßen steht das fertige Produkt.
Sichtlich stolz führte Produktionsvorstand Christian Köstler durch die moderne Produktion und erläuterte die Industrie 4.0-Elemente.
Blick in eine der Produktionshallen: am Anfang warten die Kisten mit Material, hier am Ende die fertigen Produkte
Rennstrecke für Roboter: Autonome, fahrerlose Gabelstapler transportieren Material und Produkte weiter.
Spannende Einblicke in die Produktionsablaufe gab es bei Führungen durch den Betrieb, bei dem die Gäste der Einweihung viele Fragen stellen konnten.
Mehrwert auf dem Dach: Das neue Stammwerk kann 60 Prozent seines Energiebedarf aus der eigenen PV-anlage decken. Der Rest des Dachs ist begrünt.
Sie schilderten die Details und die Entstehung des neuen Stammwerks: (von links) Produktionsvorstand Christian Köstler, Vorstandsvorsitzender Philipp Dehn und Simon Thaler, Leiter der Unternehmenskommunikation.
Auf eine Reise durch die Unternehmsgeschichte nahm CEO Philipp Dehn die Gäste der Eröffnungsfeier mit.
Finanzminister Albert Füracker war bei der Eröffnungsfeier einer der Redner. Er stellte fest: „Die Welt wird schon fast zu klein für Dehn.“