US-Zölle: Neumarkter Wirtschaft wappnet sich mit Tochter-Firmen und neuer Technologie

US-Präsident Donald Trump hat Strafzölle auf Stahl- und Aluminiumimporte verhängt sowie auf Autoimporte. Jeden Tag können weitere folgen. Das trifft auch Unternehmen wie Dehn in Neumarkt und Huber in Berching. So reagieren sie darauf.
Die PCM Railone AG Neumarkt habe keine Befürchtungen, von US-Zöllen betroffen zu sein, lässt Saurav Mittal, Director of Sales & Projects, wissen. Denn Railone verfüge in Clinton im US-Bundesstaat Iowa über ein Werk für Betonschwellen in den Bereichen Hochgeschwindigkeit, Güterverkehr und Nahverkehr. Es gebe eine eigene Vertriebsabteilung für den US-Markt, die von der Firmenzentrale in Neumarkt unterstützt wird.
Dadurch, dass Railone die Betonschwellen vor Ort in Iowa produziere, sei die Firma nicht von geänderten Zollvorschriften betroffen. Die Produkte hätten ein so hohes Gewicht, dass es keinen Sinn machen würde, sie in die USA zu exportieren, erläutert Saurav Mittal.
Handelskrieg durch neue Zollvorschriften?
Durch die neuen zollrechtlichen Vorschriften befürchtet Railone laut Mittal einen Handelskrieg. Mit Blick darauf, dass das Unternehmen in den USA auch Betonschwellen für Projekte in Kanada produziert, mutmaßt man bei Railone, es könnte zu Steuer- und Abrechnungsproblemen kommen, da nicht klar sei, wem diese zusätzlichen Kosten in Rechnung gestellt würden.
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„Wir haben bereits seit mehreren Jahren eine eigene Tochtergesellschaft in USA“, informiert Simon Thaler, Unternehmenssprecher der Dehn SE. Anfang März hat der Neumarkter Blitzschutz-Experte nun auch seine Produktion am Standort Mooresville im Bundesstaat North Carolina in den USA gestartet.
US-Markt immer wichtiger
Ein Schritt genau zum richtigen Zeitpunkt, sagt der Unternehmenssprecher: Dadurch beträfen die handelspolitischen Maßnahmen der neuen US-Regierung Dehn nur marginal. Für die Produktion vor Ort müsse nur ein Bruchteil an Komponenten eingeführt werden − kein Vergleich zu den Kosten, die anfielen, wenn alle Produkte aus der Oberpfalz in die USA importiert werden müssten.
Die USA seien einer der wesentlichen Wachstumsmärkte für die kommenden Jahre, meint Dehn-CEO Dr. Philipp Dehn. Mit ihrer eigenen Wertschöpfung vor Ort könne die Dehn SE den amerikanischen Markt noch besser bedienen und flexibel auf etwaige neue wirtschaftliche und politische Rahmenbedingungen reagieren.
Mit Zuversicht in die Zukunft
Mit speziell für den nordamerikanischen Markt entwickelten Produkten stärke der Spezialist für Blitz-, Überspannungs- und Arbeitsschutz seine Präsenz in den Vereinigten Staaten. Dehn sehe gerade im äußeren Blitzschutz für Gebäude und Industriegebäude ein großes Potenzial. Die USA seien für Dehn zwar noch ein relativ kleiner Markt, aber perspektivisch ein immer wichtigerer, resümiert Sprecher Thaler.
In Mooresville seien mittlerweile rund 30 Mitarbeitende bei Dehn tätig. Als „zwischenzeitlichen Höhepunkt“ bezeichnet Thaler die Akquisition von Teilen des Überspannungsschutzgeschäfts von ABB in den USA im vergangenen Sommer. Dadurch habe Dehn sein Produktangebot vor Ort deutlich erweitern können. Die Summe all dieser Initiativen lasse das Unternehmen zuversichtlich nach vorne blicken.
Huber Technology Waste Water Solutions in Berching setzt ebenfalls auf Produktion in den USA: Mit dem Aufbau einer 100-prozentigen Tochtergesellschaft (Huber Technology Inc) in Denver (North Carolina) seit 2019 habe das Unternehmen die richtige Entscheidung getroffen und sehe seiner weiteren Entwicklung positiv entgegen, unterstreicht Sprecher Manuel Schusterbauer.
Seit über 25 Jahren in den Vereinigten Staaten aktiv
Durch die Tochterfirma in den USA und die Produktion vor Ort beträfen Zölle und Handelsbeschränkungen Huber nicht. Das Unternehmen habe vielmehr einen verbesserten Zugang zum US-Markt, mehr Kundennähe und rechtliche Vorteile. Die Erweiterung verschlang 40 Millionen US-Dollar und sei damit die größte Einzelinvestition in der Firmengeschichte gewesen, aber „aus heutiger Sicht der absolut richtige Schritt“, bilanziert der Unternehmenssprecher.
Huber sei bereits seit über 25 Jahren in den Vereinigten Staaten aktiv, weil dort für das Unternehmen einer der umsatzstärksten Märkte sei. Seit Anfang 2024 laufe die Produktion am neuen Standort in Denver zu 100 Prozent eigenständig auf voller Fertigungstiefe. Inzwischen produziert das Unternehmen dort auf etwa 17 000 Quadratmetern.
„Nicht abwegig, dass uns Zölle direkt betreffen,“ findet es Maximilian Siebenwurst, Geschäftsführer SCM des Modell- und Formenbauers Siebenwurst GmbH in Dietfurt. Mit Sicherheit sei die Firma aber indirekt betroffen. Das Unternehmen habe in den vergangenen Jahren einige Projekte in den USA und Mexiko beliefert und unterhalte rege Beziehungen zu verschiedenen (E-)Autoherstellern sowie einigen Systemlieferanten.
Zölle als Wachstumsbremse
„Zölle bedeuten eine Entkoppelung von Wirtschaftsräumen und hinterlassen langfristig ein reduziertes Handelsvolumen“, so Siebenwurst. „Wenn es zwischen Europa und USA über längere Zeiträume zu Zöllen auf Stahlprodukte oder Systemkomponenten in Fahrzeugen kommt, wird Europa weniger an den Wachstumschancen auf dem US-amerikanischen Markt profitieren können.“
Die Auswirkungen hingen davon ab, wie sich andere Wirtschaftsmächte, beispielsweise Asien, verhielten. Zölle seien grundsätzlich für die Wirtschaft in Summe eine Bremse, meint Siebenwurst. In der Konsequenz suche das Unternehmen Kunden in verschiedenen Länder und versuche, größere Abhängigkeiten zu vermeiden. Um am Markt nicht einfach austauschbar zu sein, stelle Siebenwurst Technologie in den Vordergrund, so der Geschäftsführer.
Aktuelle Zahlen der Industrie- und Handelskammer (IHK)
USA-Beziehungen: Laut Industrie- und Handelskammer (IHK) Regensburg für die Oberpfalz/Kelheim unterhalten derzeit rund 400 Unternehmen aus der Oberpfalz und dem Landkreis Kelheim aktive Geschäftsbeziehungen in die USA. Über 70 davon sind mit eigener Niederlassung oder Produktion vor Ort, beispielsweise Zulieferer in der Automobilindustrie oder Maschinenbauer.
Konjunkturumfrage: Der IHK Regensburg zufolge geht eine Mehrheit der Exporteure von Gütern zur Weiterverarbeitung trotz der politischen Unwägbarkeiten in den nächsten Monaten von einem Anstieg der Aufträge aus Nord- und Mittelamerika aus. 36 Prozent nennen aber neben Nachbestellungen Kapazitätserweiterungen in anderen Ländern als Ziel.
Stimmung: 56 Prozent der rund 1000 von den von Bayerns Industrie- und Handelskammern in einer Blitzumfrage befragten Unternehmen erwarten eine Verschlechterung der Geschäftsbeziehungen mit den USA in den nächsten vier Jahren unter Präsident Trump.