Wie gut ist der Landkreis Neumarkt für die Wirtschaftskrise gerüstet?

Von Eva Gaupp · 16. Januar 2025 um 19:00

Wie wird sich die Wirtschaft im Landkreis Neumarkt entwickeln? Die Vorstandsvorsitzenden von Sparkasse und Raiffeisenbank blicken skeptisch ins neue Jahr – genauso wie die Vorsitzende des IHK-Gremiums, Ursula Hammerbacher. Doch Neumarkt habe einen großen Standortvorteil.

„Wir sind sehr zufrieden, was das abgelaufene Jahr betrifft“, sagt Direktor Josef Hofbauer. Die Zinssteigerungen hätten nicht nur den Bürgern mehr Geld für ihre Geldanlagen gebracht, sondern auch der Raiffeisenbank Neumarkt für ihre Rücklagen.

Eine Sparte, die sich aufgrund der gestiegenen Zinsen jedoch nicht mehr so positiv entwickelt hat, seien die Wohnbaukredite: Die Zahl der Bürger im Landkreis Neumarkt, die sich ein Haus baue oder in eine Eigentumswohnung investiere, habe spürbar abgenommen, sagt Hofbauer. Diese Kreditsparte sei um 30 Prozent eingebrochen. „Dafür steht die Modernisierung von Bestand im Mittelpunkt – besonders im energetischen Bereich.“

Häuser in Neumarkt behalten ihren Wert

Vor allem in Neumarkt kennen die Preise nur einen Weg: nach oben. „Wir haben die Schallmauer von 5000 Euro pro Quadratmeter längst durchbrochen“, sagt Hofbauer. Eine Marke, die vor zehn bis 15 Jahren noch weit entfernt schien. Heute koste der Quadratmeter für einen Neubau schon bis zu 5500 und 5800 Euro.

Das beweise jedoch auch, dass es in Neumarkt nie eine Immobilienblase gegeben habe – und dass Immobilien ihren Wert behalten. Das liege vor allem an der Lage zwischen Regensburg und Nürnberg sowie an der hohen Lebensqualität. „Wer in Neumarkt in Grund und Boden investiert, schafft bleibende Werte.“

„Die Schockstarre der Jahre 2022 und 2023 hat sich 2024 wieder aufgelöst.“

Stefan Wittmann, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Neumarkt-Parsberg über den privaten Bausektor.

Trotz der gestiegenen Zinsen sei bisher kein privater Wohnbaukredit seiner Bank geplatzt. „Wir haben unsere Kunden immer serös beraten und die Zinsen so weit als möglich abgesichert.“ Dasselbe gilt für die Sparkasse Neumarkt-Parsberg, wie der Vorstandsvorsitzende Stefan Wittmann versichert.

Er sagt: Nach einer Zeit der extrem niedrigen und dann extrem gestiegenen Zinsen habe sich das Niveau wieder normalisiert. „Die Schockstarre der Jahre 2022 und 2023 hat sich 2024 wieder aufgelöst.“ Damit sei die Nachfrage nach Wohnbaukrediten auch wieder gestiegen. Überhaupt zieht Wittmann für das vergangene Jahr ein sehr gutes Fazit: „Wir sind in allen Geschäftsbereichen gewachsen.“

Die schwache Konjunktur mache sich jedoch auch im Landkreis Neumarkt bemerkbar, die Auftragslage sei rückläufig, wenn auch nicht in jeder Branche. „Dennoch bin ich nicht extrem pessimistisch“, sagt Wittmann. „Wir haben gute Firmen mit guten Produkten“, bestätigt Hofbauer. Durch die erfolgreichen zurückliegenden Jahre sei einige Finanzkraft vorhanden. „Das zeichnet den Standort Neumarkt aus.“ Vor allem der Mittelstand sei gut aufgestellt.

„Unser Vorteil ist, dass wir sehr viele familiengeführte Unternehmen in der Region haben“, sagt Ursula Hammerbacher, Unternehmerin und Vorsitzende des Neumarkter Gremiums der Industrie- und Handelskammer (IHK). „Sie denken nicht in Quartalen, sondern in sehr viel größeren Zeiträumen.“ Beim letzten IHK-Treffen habe sie den Eindruck gehabt, die Firmen versuchten, optimistisch ins neue Jahr zu schauen.

Motto des Neumarkter Mittelstands: Krisen durchstehen

Obwohl Hammerbacher sagt: „Ich glaube nicht, dass das Jahr 2025 besser wird als 2024.“ Angesichts des Ukrainekriegs, der steigenden Lohnnebenkosten und Energiepreise, der Unsicherheit, die der neue US-Präsident mit sich bringe, und all der anderen ungelösten Probleme im Land, könne auch eine neue Bundesregierung nicht zaubern. „Wir haben starke Firmen, die versuchen, eine schlechte Zeit durchzustehen.“

„Die Regierungsbildung wird schwierig. Und was bei Zweckehen rauskommt, haben wir ja gesehen.“ Josef Hofbauer, Direktor Raiffeisenbank Neumarkt

Die Familie Hammerbacher geht selbst diesen Weg: Für und mit der nächsten Generation investiert sie rund 46 Millionen Euro in ihren neuen Firmensitz an der B299 zwischen Neumarkt und Sengenthal.

„Wir versuchen, unsere Mitarbeiter zu halten. Sie sind unser höchstes Gut“, sagt Ursula Hammerbacher. Die Großindustrie und Aktiengesellschaften seien stärker ihren Anlegern und der Rendite verpflichtet und entschieden sich deshalb eher für Entlassungen. Was für kleinere Firmen durchaus Vorteile mit sich bringt: „Wir bekommen wieder Initiativbewerbungen“.

Erwartungen an neue Bundesregierung

Auch Josef Hofbauer erwartet sich von der Bundestagswahl keinen unmittelbaren Wirtschaftsaufschwung: „Die Regierungsbildung wird schwierig. Und was bei Zweckehen rauskommt, haben wir ja gesehen.“ Die künftige Regierung werde weiter sehr viele Kompromisse schließen müssen. Stefan Wittmann von der Sparkasse Neumarkt-Parsberg indessen erwartet durchaus eine gewisse „Aufbruchsstimmung“ durch einen Regierungswechsel in Berlin. „Die Hoffnung ist da.“

Neben der politischen Unsicherheit bremsten aber auch Energiekosten und Bürokratie Investitionen in der Wirtschaft aus, zählt Wittmann auf. „Dadurch wird manche Idee zurückgestellt.“

Ursula Hammerbacher kann ein Lied davon singen und nennt zwei Beispiele an bürokratischen Monstern: Das Lieferkettengesetz und die Entwaldungsrichtlinie. Letztere sei zum Glück vor Weihnachten erst einmal gestoppt worden, sagt die Inhaberin einer Firma, die von dem Umweltsigel FSC zertifizierte Büromöbel herstellt. Es sei ein unfassbarer Aufwand, wenn von einer Firma verlangt werde, bis zur letzten Schraube oder bis zum einzelnen Holzspan eine lückenlose Herkunftsliste zu erstellen. „Das ist ein Irrsinn.“

Eine generelle Unsicherheit sei auch bei den Bürgern zu spüren, sagt der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse: „Die Unsicherheit trägt dazu bei, etwas mehr auf die hohe Kante zu legen.“ Plus fünf Prozent Wachstum verbucht die Raiffeisenbank Neumarkt bei den Spargeldern. Und weil Festgelder in den vergangenen Jahren fast keine Zinsen gebracht haben, vertrauten immer mehr Privatpersonen ihr Geld Aktien sowie Aktienfonds an. „Da hat es ein spürbares Umdenken gegeben.“

„Wenn ein Haus versteigert werden muss, ist das für keinen der Beteiligten lustig“, sagt Josef Hofbauer, der Vorstandsvorsitzende der Raiffeisenbank Neumarkt
„Wirtschaft ist zu 50 Prozent Psychologie. Viele sparen, weil sie verunsichert sind“, sagt Ursula Hammerbacher, Unternehmerin und Vorsitzende des IHK-Gremiums Neumarkt.