Aus Freude an der Bewegung: 45 Motivierte trainieren in der Chamer Lauf10!-Gruppe

Es ist Sommer und die Laufbegeisterten strömen die Gehsteige und Feldwege Chams. Einige von ihnen mit der Ambition, auch bei einem richtigen Wettkampf die Ziellinie zu überqueren. Dazu zählen auch die Teilnehmer der Lauf10!-Laufgruppe von Christian Früchtl – wer meint bei ihnen würde nur entspannt gejoggt werden, sieht sich jedoch schnell getäuscht.
Der Sommer ist da. Die Tage sind nach dem hartnäckigen Winter wieder länger, die Freibäder haben geöffnet und die Biergärten der Stadt füllen sich. Ein weiteres Anzeichen: In der Stadt und gerade im Umfeld des Regens sind wieder die Läufer unterwegs. Aus gutem Grund: In den kommenden Monaten sind wieder nahezu im Wochenrhythmus Laufveranstaltungen im Landkreis oder der unmittelbaren Nachbarschaft angesetzt. Einmal durchlaufen und unter dem Jubel der Zuschauer eine Ziellinie überqueren – für viele Hobbysportler ist das ein lohnenswertes Ziel.
An dem Punkt setzt das Projekt „Lauf10!“ des Bayerischen Rundfunks an. Innerhalb von zehn Wochen sollen die Teilnehmer so trainieren, dass sie eine Laufstrecke von zehn Kilometern meistern können. In welcher Zeit, das ist erst einmal zweitrangig. Das Projekt gibt es seit 18 Jahren. Phasenweise gab es landesweit 250 Gruppen. Mittlerweile sind es noch etwa 150. Den Abschluss bildet für alle ein großer Lauftag in Wolnzach (Landkreis Pfaffenhofen).
Christian Früchtl organisiert seit acht Jahren eine der beiden Trainingsgruppen in Cham. Eine weitere gibt es beim ASV. Im vergangenen Jahr waren es zu dieser Zeit etwa 60 Teilnehmer, erinnert sich Früchtl. „Gut zehn bis zwölf“ kommen jedes Jahr neu dazu, die anderen kehren nach den Vorjahren immer wieder zurück.
Die Leute kommen, weil es halt Spaß macht.
Christian Früchtl – Organisator
„Es ist der Vorteil, dass du an keinen Verein gebunden bist, dass es nichts kostet“, erklärt Früchtl und führt aus: „Die Leute kommen, weil es halt Spaß macht.“ Die Neuzugänge kommen dabei „nur durch Mundpropaganda“ zur Gruppe. Generell sei es jedoch eine „rein private Freizeitveranstaltung“. Haftung und Versicherung fallen daher weg.
45 Motivierte stehen am Montag pünktlich um 18 Uhr beim Parkplatz an der Quadfeldmühle. Das Alter: gemischt. Von Jugendlichen bis zu Senioren sind alle Gruppen vertreten. Seine älteste Teilnehmerin war 70 Jahre alt, so Früchtl. Aus einem Lautsprecher im Kofferraum seines Autos schallt Musik entgegen. Wenig später geht es los. Wer denkt, mit ein paar lockeren Laufrunden sei das Training erledigt, der sieht sich schnell getäuscht: Die erste Station ist der Fußballplatz auf dem Freizeitgelände. Die Hälfte des Trainings besteht aus Eigengewichtsübungen.
Moby-Song gibt den Rhythmus vor
Sit-ups, Liegestützen, Kniebeugen: Alle Teilnehmer haben Trainingsmatten dabei. Wer Begriffe wie „Tabata“ oder „Bring Sally up“ noch nicht gehört hat, lernt sie spätestens hier kennen. Beim einen gilt: 20 Sekunden Übung, zehn Sekunden Pause, nächste Runde. Bei „Sally“ gibt das Lied des US-Sängers Moby den Takt vor, in dem Kniebeugen absolviert werden müssen. Alle 45 ziehen mit. Sie haben sich in einem großen Kreis um Früchtl und seinen Lautsprecher versammelt und werden spätestens ab der zweiten Hälfte der dreieinhalb Minuten richtig gefordert.

„Das kommt immer recht gut an. Die Übungen machst du ja sonst nicht. Zuhause schon zweimal nicht“, sagt Früchtl. Das ist auch einer der Gründe, warum längst nicht alle in der Gruppe komplette Einsteiger oder Wiedereinsteiger sind. Vom Ziel, zehn Kilometer zu walken, bis zu dem, einen Halbmarathon zu absolvieren: „Es ist jedes Lauf-Niveau mit dabei“, sagt Christian Früchtl über die Teilnehmer seines Kurses.
Erst danach geht es auf die Laufstrecke. Die Dauer wird von Woche zu Woche um fünf Minuten gesteigert. „Bis wir irgendwann zum Schluss auf eine Stunde ungefähr hinkommen“, so Früchtl weiter.
Je nach persönlicher Fitness gibt es mehrere Gruppen. Die Fittesten laufen die ganze Zeit durch – teils in sehr zügigem Tempo. Andere wechseln Laufen und Gehen in einer bestimmten Frequenz ab. Die Strecke führt in der Abendsonne zwischen Rapsfeldern und Regen entlang. Nach der Hälfte der Zeit heißt es umkehren.
Anreise mit dem Bus
Montags und donnerstags trainiert die Gruppe gemeinsam. Für die übrigen Tage gibt es einen Trainingsplan, der im Internet abrufbar ist. Bis zum großen Ziel in Wolnzach sind es noch einige Wochen. Für die Fahrt zum großen Abschlussevent organisiert Früchtl einen Bus. „Die ganzen Zuschauer, die ganzen Läufer, die schon durch sind, die feuern einen an bis zum Schluss. Das ist die geniale Sache an dieser Geschichte. Da ist es egal, welche Zeit du hast.“
Den Abschluss bildet eine gruppeninterne Feier, ehe es spät abends zurück nach Cham geht. Früchtl will das Training auch künftig anbieten: „So lange ich kann, mache ich das.“