Springen, hangeln, klettern: Längster Gladiatoren Parcours Europas zieht hunderte Sportler an

Es ein besonderer Anblick vor dem K+B Elektrofachhandel in Cham: Auf dem Parkplatz wurde zum Sonntag ein mehr als 100 Meter langer Hinderniskurs aufgebaut. Bei dem stehen nicht nur Kraft und Schnelligkeit im Mittelpunkt sondern auch eine echte Mutprobe.
Es ist ein besonderer Anblick auf dem Parkplatz vor dem Elektronikfachmarkt K+B Expert im Chamer Süden am verkaufsoffenen Sonntag: Ein aufblasbarer, rot-schwarzer Koloss türmt sich dort auf, wo normalerweise die Autos stehen. Den Eingang markiert ein überdimensionierter, an das antike Rom angelehnter Stahlhelm. Schilder weisen den Weg zum „Gladiator Run“.
Das System ist einfach: Auf einer Strecke von etwa 120 Metern sind zahlreiche unterschiedliche Hindernisse aufgebaut. Die gilt es so schnell wie möglich zu überwinden. Die Anlage ist die größte ihrer Art in Deutschland, erklärt Josef-Thomas Kappenberger. Um sie nach Cham zu holen, war frühes Planen notwendig: „Wir haben den Parcours letztes Jahr im August gebucht, also knapp ein Jahr Vorlauf. Sonst ist das Teil jedes Wochenende ausgebucht.“
Eine zusätzliche Attraktion
„Wir dachten, wir holen zusätzlich zum Angebot in der Innenstadt noch eine Attraktion auch Richtung Janahof raus“, sagt Kappenberger, der sich nach dem Aufbau am Vortag auch selbst an den Hindernissen versuchte. Sein Fazit: „Anstrengender als gedacht.“
Pünktlich zum Start um 10 Uhr warten bereits die ersten Teilnehmer geduldig vor dem Eingang. Von Jugendlichen in Freizeitkleidung bis zu Erwachsenen im Sportoutfit sind alle Altersgruppen vertreten. „Schlag den Gladiator“ steht auf den Fahnen neben der Anmeldung. Neben dem Spaß an der Bewegung ist auch eine sportliche Wertung ein Teil des Programms. Für die Schnellsten in drei Altersklassen winken jeweils Gutscheine im Wert von 200 Euro.
Trotz der frühen Uhrzeit ist es bereits sehr warm. Im Parcours selbst sorgen Netze an der Decke und den Seiten für etwas Schatten. Für den Fall der Fälle ist das Rote Kreuz vor Ort. „Wir sind gerüstet, wobei es sehr, sehr sicher ist“, so Kappenberger. Rund um den Kurs sind eine Reihe von Ständen aufgebaut: Pizza, Getränke, zwei Hüpfburgen, Hau den Lukas, E-Scooter-Teststrecke, Kaffee – es hat etwas von einem kleinen Volksfest.

Wenige Minuten später sind die ersten Teilnehmer unterwegs. Was am Anfang noch ganz leicht wirkt, stellt sich binnen kürzester Zeit als erstaunlich anstrengend heraus. Zum Einstieg wartet direkt eine steile, etwa zwei Meter hohe Rampe, die mittels Sprossen erklommen werden muss. Der Untergrund ist vergleichbar mit dem von Hüpfburgen, entsprechend ist das Vorankommen eine kleine Herausforderung. Die Luft dazu kommt aus insgesamt 25 Kompressoren.
Nach einer Reihe von weiteren Aufgaben folgt am Ende einer weiteren Rampe eine Mutprobe: Zweieinhalb Meter Höhenunterschied gilt es mit einem Sprung zu überwinden. Hier zeigen sich deutliche Unterschiede bei den Teilnehmern. Die alternative Rutsche nimmt praktisch keiner.

So mancher stoppt aber einen Augenblick oder setzt sich auf die Absprungkante, um weniger hart aufzukommen. Den Gegenpol bilden einige Kinder und Jugendliche, die sich ohne zu zögern auf den Weg nach unten machen.
Ist der gemeistert, bedarf es erst einmal einiger Anstrengung, sich aus dem weichen Landebereich zu befreien. Abseits davon werden auch Kraft und Geschick abgefragt, etwa wenn es darum geht, so schnell wie möglich über drei bewegliche übergroße Bälle zu balancieren. An einer anderen Stelle müssen grob fünf Meter hangelnd überwunden werden. Als großes Finale wartet eine gebogene Steilwand, über die eine hoch gelegene Plattform erklommen werden muss. Die Schnellsten brauchen für die komplette Runde keine 90 Sekunden.
„Sehr gute Organisation“
Als eine der ersten kommt Andrea Ring auf der finalen Plattform an und rutscht ins Ziel. „Es hat Spaß gemacht“, sagt die 36-Jährige. Generell sei der Kurs „auf jeden Fall interessant“ gewesen. Sportlich kommt sie eigentlich vom Laufsport, eine Gemeinsamkeit mit ihrem Mann Roland. Der bahnt sich wenige Minuten später seinen Weg durch die Hindernisse. „Es war sehr spaßig, coole Aktion“, sagt er im Ziel. Dabei lobt er die „sehr gute“ Organisation der Veranstaltung. Begleitet werden die beiden von ihren Kindern, die allerdings noch zu jung für die Strecke sind – das Mindestalter liegt bei zwölf Jahren.

In auffällig hohem Tempo stürzt der 19-jährige Leo über die Luftpolster. „Das war die zweitbeste Zeit bisher“, sagt ihm ein Helfer beim Ausgang. Er habe über die sozialen Netzwerke von der Aktion erfahren, erzählt er im Ziel. Anfangs sei es von der Schwierigkeit her noch in Ordnung gewesen, aber durch das Einsinken wurde es „auf die Zeit anstrengend“. Gyula ist etwas langsamer unterwegs, meistert dafür aber die Hangelpassage mit Bravour. „Ich bin zufrieden“, so der 46-Jährige.
Die Aktion kommt an: Mit der Zeit wächst auch die Schlange vor dem Eingang weiter an. Gegen 11 Uhr warten rund 25 Sportler auf ihren Lauf. Immer wieder kommen neugierige Besucher vorbei und verfolgen die Versuche an der Steilwand. Bis in den späten Nachmittag kämpfen sich immer wieder neue Gladiatoren durch die aufblasbaren Hindernisse – und liefern sich dabei einen besonderen Wettbewerb.
