Landwirt und Minister Aiwanger in Regensburg: „Die BayWa ist systemrelevant“

Bei einem Ortstermin bei der BayWa in Regensburg hat Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger eine Botschaft dabei gehabt: „Die Landwirte können der BayWa wieder trauen“, sagte der Freie-Wähler-Politiker. Das Unternehmen war vergangenes Jahr mit spekulativen Geschäften auf dem Weltmarkt in Schieflage geraten und hatte einen Schuldenberg von elf Milliarden Euro angehäuft.
Aiwanger war merklich in seinem Element. Lange hielt man dem Freie-Wähler-Politiker vor, die Karriere als Schweinezüchter für die Politik an den Nagel gehängt zu haben. Doch der stellvertretende Ministerpräsident machte vor Ort klar, dass er im Herzen immer auch Landwirt geblieben ist. Aiwanger kennt die Sorgen und Nöte der Landwirte in Bayern. Und die gehören nach wie vor zum Rückgrat der Wählerschaft konservativer Parteien wie der CSU – und eben auch der Freien Wähler. Die für Landwirte wichtige BayWa indes war lange nicht mehr konservativ unterwegs: Vergangenes Jahr geriet das Unternehmen in eine Schieflage, weil es weltweite Investments getätigt hatte.
Wir sind guten Mutes, dass die Sanierung auf einem guten Weg ist.
Hubert Aiwanger, Wirtschaftsminister (FW)
„Wir sind guten Mutes, dass die Sanierung auf einem guten Weg ist“ sagte Aiwanger. „Wir gehen davon aus, dass die nächsten Jahre die Dinge finanziell gut geordnet und der Betrieb weitergeführt werden kann“, so Aiwanger. „Offenbar war es so, dass man das bisherige Kerngeschäft etwas überdehnt und sich in Zeiten des billigen Geldes auf Märkte begeben hat, die dann am Ende so nicht funktioniert haben.“ Aiwanger sagte auch: „Im Nachhinein ist man immer schlauer.“
Aiwanger forderte die BayWa auf, sich auf die eigene Kernkompetenz des Geschäfts zu besinnen. „Agrar, Mobilität, Energie und Technik sowie die Baustoffe: Hier ist die BayWa in hoher Qualität und als Marktführer unterwegs.“ Die BayWa sei für Bayern „systemrelevant“. Wenn nun die Ernte wieder losgehe, dann habe die Kapazitäten für die Abwicklung der eingefahrenen Ernte „nur die BayWa“.
Frank Hiller ist seit 1. März als Vorstandsvorsitzender bei der BayWa. „Das Sanierungskonzept ist ausgearbeitet. Wir werden uns auf unsere Kernkompetenzen konzentrieren: Also auf die Landwirtschaft und auf das Baugeschäft“, sagte Hiller. „Die Stärke, die die BayWa in der Fläche hat, das wollen wir wieder herausarbeiten.“ Laut Hiller habe die BayWa eine „Internationalisierung mit günstigem Geld“ vorgenommen. „Das hätte gut gehen können, doch durch den Zinsanstieg hat das nicht funktioniert.“ Sein Leitspruch bei der Sanierung der in Schieflage geratenen BayWa: „Schuster, bleib bei Deinen Leisten.“ Der Neue an der Spitze der BayWa ist ein alter Hase in der Agrarbranche. Zuletzt war er Vorstandsvorsitzender von Big Dutchman, einem Unternehmen, das Fütterungsanlagen und Stallungen verkauft.
Schuster, bleib bei Deinen Leisten.
Frank Hiller, seit 1. März CEO der BayWa AG
Hiller äußerte sich gegenüber der Mediengruppe Bayern auch darüber, wie er die BayWa in den kommenden Jahren sanieren will. „Man muss im Kerngeschäft effizienter und erfolgreicher werden“, sagte der neue Vorstandschef der BayWa. „Zum anderen geht es darum, die internationalen Akquisitionen, die wir getätigt hatten, zu verkaufen.“ Das gehe aber nicht von heute auf morgen. Hinter der BayWa stehen als Mehrheitseigner vor allem Raiffeisen-Genossenschaftsorganisationen. So hält die Bayerische Raiffeisen-Beteiligungs AG mit Sitz in Beilngries 34 Prozent der Anteile an der BayWa. Aiwangers Besuch soll das Vertrauen der Landwirte in die BayWa retten. Der Konzern hatte unter dem früheren Vorstandsvorsitzenden Klaus Josef Lutz durch eine aggressive Expansionspolitik vor allem im Bereich der Erneuerbaren Energien an den Rand der Insolvenz geführt. Allein 2024 liefen 410 Millionen Euro an Zinsen an.
Wie wichtig die BayWa für die regionale Landwirtschaft ist, machte Jörg-Simon Immerz deutlich. Er ist Chef-Getreidehändler bei dem Unternehmen. „Wir stehen jetzt kurz vor der ganz spannenden Phase, nämlich der Sommerernte.“ Der Standort der BayWa in Regensburg liegt direkt im Donauhafen. „Für uns ist das ein wichtiger logistischer Punkt“, sagte Immerz.
Internationaler Handel
„Wir nehmen hier auch von anderen Standorten Ware auf, um sie dann weiter zu vermarkten.“ Am Standort werden die Ernten aus der „Hochertragszone“ im Umkreis aufgenommen, aber auch internationale Ware wird umgeschlagen.