„Unendliche Reichweiten“ für Elektro-Autos: Teststrecke für kabelloses Laden

Von Christian Eckl · 6. Juni 2025 um 17:05

Voraussichtlich im Juli startet das Pilot-Projekt, schon jetzt wurde es eingeweiht: „Unendliche Reichweiten“ versprach Professor Jörg Franke von der Friedrich-Alexander-Universität (FAU) Nürnberg-Erlangen. Wer dann mit seinem Elektro-Auto die genau ein Kilometer lange Strecke fährt, läuft Energie für zwei Kilometer Fahrt auf.

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Allerdings werden vorerst nicht alle Besitzer von Elektro-Autos in den Genuss kommen: „Man braucht in den Fahrzeugen eine Sekundärspule, die am Unterboden des Fahrzeuges angebracht wird“, sagte der Wissenschaftler zur Mediengruppe Bayern. Das Prinzip kennt jeder, der an seinem Handy einen Zusatz für induktives Laden hat. „Das funktioniert genau so“, so Funke.

Großer Bahnhof dann auch am Freitag auf der Baustelle der Autobahn A6 bei Amberg. Hier, an der Autobahnraststätte Oberpfalz-Alb Nord kam die Karawane an Münchner Dienstagwagen-BMWs an. Während allerdings Wissenschaftsminister Blume ebenso wie sein Innenressort-Kollege Joachim Herrmann mit dem Verbrenner vorfuhren, sprang Wirtschaftsstaatssekretär Tobias Gotthardt aus dem großen Elektro-BMW.

Nur 3,2 Prozent E-Autos

Bisher ist das Thema Elektro-Auto in Bayern ja noch weitgehend eine Elite-Erscheinung. Nur etwas mehr als drei Prozent – rund 318 000 zugelassene Fahrzeuge – werden elektrisch betrieben.

Die Vorzüge der Elektro-Mobilität sind dabei auch vielen Autokäufern bewusst: Strom ist günstiger als Benzin. Es stinkt weniger. Ohne Verbrennermotoren-Lärm wird es wieder ruhiger, auch in unseren Städten. Doch fragt man jene, die noch mit dem Verbrenner durch die Gegend fahren, warum sie nicht wechseln, ist ein Argument neben den nach wie vor hohen Preisen für Elektro-Autos das: „Das Tanken.“

Wer möchte schon eine halbe Stunde lang an der Raststätte verbringen, wenn es an den Gardasee geht? Von mangelnden Reichweiten gerade vieler Mittelklasse-Modellen ganz zu schweigen. Die erste bayerische Teststrecke – laut Michael Güntner, Vorsitzender der Geschäftsführung der Autobahn GmbH des Bundes eine der längsten in Europa – soll den Durchbruch bringen.

So funktioniert es: Mit dem kabellosen sogenannten Electrid Road System (ERS). Dabei handelt es sich nach Angaben der Forscher um „eine induktive Ladetechnologie, die direkt in die Fahrbahn integriert ist und eine kontaktlose Energieübertragung auf fahrende Fahrzeuge ermöglicht“. Die Teststrecke befindet sich zwischen der Anschlussstelle Amberg-West und Sulzbach-Rosenberg auf der A6 Richtung Nürnberg.

Doch derzeit laufen noch die Bauarbeiten: Seit April 2025 wird die Teststrecke vorbereitet und die Induktionsspulen verlegt. Die Kosten für die Maßnahme sind mit 6,5 Millionen Euro relativ moderat. Der Ingolstädter Maximilian Kneidl ist einer der Gründer des Start-ups Seamless Energy, einem Spin-off der FAU. „Wir entwickeln im wesentlichen die Ladeinfrastruktur zum Integrieren in die Straßenfahrbahn“, sagte Kneidl, „mit der großen Vision, die großen Fernstraßen dieser Welt elektrifizieren zu können“.

Auch sein früherer Professor Franke sagt, was das für die Elektro-Autos einerseits, aber auch für unsere Wettbewerbsfähigkeit bedeuten könnte. „Das ist ein Gamechanger bei den Problemen der Elektro-Mobilität“, so Franke. Das Laden sei auf diese Weise nicht nur komfortabel, sondern die Batterien würden dadurch deutlich kleiner, die Autos also leichter und damit auch günstiger. „Und was ganz wichtig ist: Die Abhängigkeit von chinesischen Batterie-Lieferern wird maximal reduziert“, so Franke.

„Benzin billiger als Bier“

Kein Wunder also, dass mit Johann Bögl auch ein Vertreter des Unternehmens Max Bögl aus Sengenthal bei Neumarkt dabei war, der beispielsweise auch eine Magnetschwebebahn entwickelte, die nun in China fährt. Die beiden Minister jedenfalls zeigten sich beeindruckt.

„Die Zulassungszahlen zeigen steil nach oben“, meinte Minister Blume, auch wenn der Liter Bier derzeit noch teurer sei als der Liter Benzin. „Laden während der Fahrt macht Elektro-Autos attraktiver“, sagte sein Kollege Herrmann. Und rauschte wie Blume mit dem Verbrenner ab.