Stühlerücken in Regensburgs Sparkasse: Vorstandsvorsitzende geht

„Persönliche Gründe“: Der Verwaltungsrat der Regensburger Sparkasse verlängert den Vertrag mit der Vorstandsvorsitzenden Irene Dullinger nicht. Nach einer Anfrage der Mediengruppe Bayern in dem Kreditinstitut informierte Dullinger zunächst die Mitarbeiter. So geht es weiter mit der Sparkasse.
Es ist ein Paukenschlag für die mehr als 650 Mitarbeiter der Regensburger Sparkasse. Am Dienstag informierte die Vorstandsvorsitzende Irene Dullinger, dass sie in diesem Jahr am 31. Dezember aus ihrem Amt ausscheiden wird und in den Ruhestand geht. Dullinger wird diese Woche 59 Jahre alt. „Der Verwaltungsrat hat entschieden, den zum Jahresende auslaufenden Vertrag nicht zu verlängern“, heißt es von der Sparkasse auf Anfrage der Mediengruppe Bayern. Und weiter: „Dabei wurden insbesondere die von Frau Dullinger mitgeteilten privaten Gründe in die Entscheidung einbezogen, die eine weitere Fünf-Jahresperiode in Frage gestellt haben.“ Derzeit noch offen ist, wie es nach dem Ausscheiden der Vorstandsvorsitzenden weitergeht.
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Schon seit mehreren Wochen gibt es das Gerücht, dass der Vertrag Dullingers nicht verlängert wird. Bis zum 31. März musste sich der Verwaltungsrat der Sparkasse dazu äußern. Schon bei dieser Sitzung wurde klar, dass Dullinger nicht verlängert werden soll. Am 5. Mai fiel dann die Entscheidung: Der Verwaltungsrat der Sparkasse entschied, den Vertrag mit Dullinger nicht zu verlängern. Am Dienstag wurde eine Erklärung der Entscheidung des Verwaltungsrats und eine Erklärung Dullingers ins Intranet des Kreditinstituts gestellt. Die Mitarbeiter sollten es nicht aus der Zeitung erfahren.
Als Frau angreifbarer?
„Der Verwaltungsrat dankt Frau Dullinger ausdrücklich für die geleistete Arbeit und ihren engagierten Einsatz für die Sparkasse Regensburg. Sie hat das Haus mit hohem persönlichen Engagement geführt und wichtige Fortschritte angestoßen“, erklärten die Vorsitzende des Verwaltungsrats, Gertrud Maltz-Schwarzfischer, und ihre Stellvertreterin im Verwaltungsrat. Landrätin Tanja Schweiger. „Die Entscheidung, den Vertrag nicht zu verlängern, ist uns nicht leichtgefallen. Wir respektieren zugleich die von Frau Dullinger geäußerten privaten Beweggründe, die bei unserer Entscheidung ebenfalls Berücksichtigung gefunden haben“, so die beiden.
Auch die scheidende Vorstandsvorsitzende Dullinger äußerte sich: „Ich blicke auf erfolgreiche und bereichernde Jahre bei der Sparkasse Regensburg zurück.“ Ihr sei es eine große Ehre, gewesen, das Haus und seine Mitarbeiten auf dem Weg in die Zukunft begleiten zu dürfen. Auch eine Botschaft für die Mitarbeiter hatte Dullinger: „Für die kommenden Jahre wünsche ich der Sparkasse weiterhin viel Erfolg und alles Gute.“
Hausintern war die Vorstandsvorsitzende nicht unumstritten. Vor allem, so hört man aus der Sparkasse, habe sie versucht, für Frauen in der Belegschaft benachteiligende Regelungen zu ändern. Das sei auf Widerstand gestoßen. Als Beispiel nennt eine Quelle aus der Sparkasse, dass die Regelung bisher vorsah, dass Beraterinnen nach dem Mutterschaftsurlaub nicht mehr in der Kundenberatung eingesetzt wurden. Zudem gebe es eine alte Seilschaft unter den Sparkasslern, die „Fußballer-Lobby“. „Da sind viele was geworden, weil sie bei einem bestimmten Verein gespielt haben“, heißt es. Von den Kritikern wird ins Feld geführt, dass es Dullinger nicht gelungen ist, Ruhe in die Sparkasse zu bringen. Prozesse hätten viel zu lange gedauert. Welche Lesart am Ende richtig ist, bleibt offen.
Klar ist, die Sparkasse ist eine wichtige Institution für die Region und die Kommunalfinanzen. Wie also geht es weiter? Bisher hat die Sparkasse drei Vorstandsmitglieder, eines davon steht an der Spitze. Es ist unwahrscheinlich, dass ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin bis zum 31. Dezember gefunden wird. Laut Geschäftsbericht für das Jahr 2022 betrugen die Vorstandsgehälter 1,5 Millionen Euro im Jahr. Die beiden Vorstandsmitglieder verdienen stets weniger als die Vorstandsvorsitzende.
Wenn die Verwaltungsratsvorsitzende und ihre Stellvertreterin – das sind abwechselnd Regensburgs Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer und Landrätin Tanja Schweiger – nicht bis zum 31. Dezember eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger für den Vorstandsvorsitz der Sparkasse gefunden haben, tritt die Vertreterregelung in Kraft.
Bayer übernimmt zunächst
Dann würde Vorstand Markus Bayer, der seit 1. Januar 2023 bei der Regensburger Sparkasse ist, interimsweise den Posten Dullingers übernehmen. Offen ist derzeit, ob die Sparkasse künftig mit zwei oder weiterhin mit drei Vorständen geführt wird. Das Regensburger Haus gehört der Größe nach zum Mittelfeld der bayerischen Sparkassen. Beides wäre denkbar und ist bei dieser Größe durchaus üblich.
Turbulente – und erfolgreiche – Zeiten bei der Sparkasse
Bilanz: Ungewöhnlich ist es durchaus, dass eine Sparkassen-Vorstandsvorsitzende nach nur fünf Jahren im Amt nicht verlängert wird – zumal die Zahlen der Regensburger Sparkasse derzeit sehr gut sind. Das liegt aber auch daran, dass die Banken generell durch die Zinswende wieder Geld verdienen. Die Sparkasse ist einer der wichtigsten der Kreditfinanzierer der Region.
Turbulenzen: Nicht immer kam es zu einem mehr oder weniger turbulenzfreien Stabwechsel bei der Sparkasse. 1999 lieferten sich der damalige Regensburger Oberbürgermeister Hans Schaidinger und Landrat Rupert Schmid regelrecht einen Machtkampf. Umstritten war der Sparkassen-Vorstandsvorsitzende Wolfgang Zantopp, der schließlich seinen Hut nahm.
Ruhiger: Vorgänger von Irene Dullinger war Franz Xaver Lindl, der nach 44 Jahren bei der Sparkasse 2020 abtrat. Ungewöhnlich war dabei der Zeitpunkt, denn die Sparkasse stand kurz vor ihrer 200-Jahr-Feier, die Lindl sicher gerne noch als Vorstandschef gefeiert hätte. Doch der Sparkassler machte aus der Not eine Tugend und sitzt heute dem Verein Strohhalm vor.