Verkehrschaos vorprogrammiert: Bahn-Sperrung verstopft A93 und B16

Von Christian Eckl · 13. Juni 2025 um 14:57

Wenn die Bahnstrecke Ingolstadt-Regensburg saniert wird, drohen massive Staus auf der A93 und der B16. Die sind jetzt schon überlastet, auf der A93 geht man ins fünfte Jahr der Baustellen kurz nach dem Nadelöhr bei Regensburg. Sogar die Autobahn GmbH rät von Autofahrten während der Bahn-Sperrungen ab und empfiehlt den Schienenersatzverkehr. Doch das Verkehrschaos ist vorprogrammiert.

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Vielen Pendlern graut es schon. Wenn die Deutsche Bahn im Juli damit beginnt, die Strecke Ingolstadt-Regensburg zu ertüchtigen, dann ist das Verkehrschaos vorprogrammiert. Erst kürzlich wurde bekannt, dass zahlreiche sogenannte Gleisanschließer ihre Waren normalerweise über die Bahn transportieren (die Mediengruppe Bayern berichtete). Die Bahn hatte allerdings vergessen, sie zu informieren. Darunter sind Unternehmen wie die Bayernoil, also eine Raffinerie, aber auch die Kelheim Fibres, die Viskose beispielsweise für Tampons herstellt. Bei einer Nachfrage bei der Autobahn GmbH wird aber deutlich: Die Streckensperrung wird noch viel dramatischer Auswirkungen auf den Verkehr in der Region haben.

„Auf nicht notwendige Fahrten verzichten“: Das ist die Kernbotschaft, die Christoph Graebel von der Autobahn GmbH Niederlassung Südbayern übermittelt. Derzeit wird die A93 zwischen Regensburg-Süd und dem Dreieck Saalhaupt noch saniert. Immerhin: Man befindet sich im letzten der fünf Sanierungsjahre. Die 40 Jahre alte Betonfahrbahn ist nicht nur in die Jahre gekommen. Sie ist ein Nadelöhr, auch, weil bei Regensburg der Pfaffensteiner Tunnel die nördliche Oberpfalz mit Niederbayern verbindet.

Nur eine Autobahnspur

„Wie 2023 haben wir hier auch heuer auf rund elf Kilometern Länge baubedingt nur drei Fahrstreifen: zwei in Richtung Holledau und nur einen in Richtung Regensburg“, so der Sprecher. „Verkehrsteilnehmern, die in Richtung Regensburg unterwegs sind, empfehlen wir wegen dieser Einstreifigkeit, verschiebbare Fahrten in die Zeiten außerhalb des Berufsverkehrs zu verlagern“, so Graebel weiter – das gelte natürlich und auch insbesondere für die Zeit der Streckensanierung.

Die Autobahn GmbH rät sogar dazu, den Schienenersatzverkehr der Agilis zu nutzen, statt von der Bahn aufs Auto umzusteigen. „Wenn 40 Menschen in einem solchen Bus sitzen, sind das 40 potenziell zusätzliche Autos weniger im einstreifigen Bereich der A93“, sagt der Sprecher der Autobahn GmbH für Südbayern.

Gerade für Berufspendler wird die Zeit zwischen Juli und September also zum Spießrutenlauf. Exakte Zahlen, wie viele Pendler auf der A93, auf der Bahn oder auf der Bundesstraße B16, die bereits heute massiv von Ausfallverkehr betroffen ist, täglich die Strecke Regensburg-Ingolstadt oder umgekehrt fahren, gibt es zwar nicht. Doch an Werktagen liegt die Belastung allein der A93 auf der Donaubrücke vor dem Pfaffensteiner Tunnel bei 76 000 Fahrzeugen im Schnitt. Bei einer 20 Jahre alten Verkehrszählung an einem Werktag im Juli 2004 kam man allerdings auf 92 000 Fahrzeuge. In einer Analyse des Schienenverkehrs wird die Zahl der Bahnpendler zwischen Regensburg nach Ingolstadt mit 21.000 benannt. Genaue Zahlen gibt es nicht: „Darüber ob und wie viele Fahrgäste auf das Auto umsteigen werden, statt den Schienenersatzverkehr zu nutzen, haben wir leider keine Erkenntnisse“, sagt Thomas Tomaschek von der Agilis. „Erfahrungsgemäß meidet jedoch eine gewisse Anzahl von Fahrgästen den Schienenersatzverkehr.“

Es ist also damit zu rechnen, dass zahlreiche Berufspendler nicht mit dem Bus der Agilis fahren werden, sondern die A93 und die B16 wohl noch viel gravierender überlastet sein werden.

Scharfe Kritik an der Situation, aber auch an der Kommunikation übt Manuel Lorenz von der Industrie- und Handelskammer Oberpfalz-Kelheim. „Die unzureichend angekündigten Baustellen auf der Donautalbahn stellen leider nicht nur einen Tiefpunkt, sondern auch keinen Einzelfall von mangelhafter Kommunikation bei Bahnprojekten dar.“ Wie es besser geht, zeige aus Sicht der IHK die Autobahn GmbH des Bundes: „Auch die Baustellen auf der A3 oder A93 gehen nicht spurlos vorüber, sind jedoch durch frühzeitige und zielgruppenorientierte Informationen planbar und vorhersehbar.“

Kaum Transparenz

Dass im Juli und August nun Baustellen auf der Donautalbahn und der A93 zeitgleich stattfinden, „ist nicht nur auf mangelnde Abstimmung zwischen den zuständigen Stellen zurückzuführen, sondern auch auf den dringend notwendigen Sanierungsbedarf der Verkehrsinfrastruktur“, räumt der Referent für Verkehrspolitik bei der IHK ein. „Mehr öffentliche Transparenz und frühzeitigere Informationen könnten jedoch dazu beitragen, solche Überschneidungen künftig zu vermeiden.“ Bereits seit Langem kritisiere die IHK beispielsweise, „dass die Stadt Regensburg ihre Baustellen nur sehr unzuverlässig im Baustellenkalender einträgt – im Gegensatz zu allen umliegenden Bauämtern“, so Lorenz. Dabei wirkt sich die Verkehrssituation in Regensburg zusätzlich negativ auf die Autobahn und die Bundesstraße aus, etwa durch Rückstaus. Die Seite des bayerischen Verkehrsministeriums bayerninfo.de würde einen guten Überblick über die Baustellen-Situation bieten.

So oder so: Es wird ein heißer Sommer auf den Straßen, wenn die Bahn ausfällt.