Bahn-Sperrung erwischt Industrie im Raum Kelheim eiskalt

Von Christian Eckl · 26. Mai 2025 um 06:25

Die DB informierte zwar den Konkurrenten Agilis, aber nicht die anliegenden Firmen über Sanierungsarbeiten auf der Strecke Regensburg-Ingolstadt. Jetzt ist eine Krisensitzung anberaumt.

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Krisensitzung am Dienstag im Landratsamt Kelheim: Zwei Ministerien sitzen am Tisch, Vertreter der Wirtschaft und Unternehmen aus dem Energiesektor. Grund für das hochkarätig besetzte Treffen ist ein Kommunikations-Debakel der Deutschen Bahn. Die zuständige DB InfraGP AG handelt, das schreibt das zuständige Bundesverkehrsministerium in Berlin, „in eigener unternehmerischer Verantwortung“. Informiert hat man zwar das betroffene Eisenbahnunternehmen fristgerecht, dass die Donautalbahn zwischen Regensburg und Ingolstadt von 4. Juli bis zum 2. September gesperrt ist. Nicht aber die Firmen, die dort ansässig sind und als sogenannte Gleisanschließer Güter auf die Schiene bringen.

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Dabei sind es durchaus Unternehmen von Bedeutung. Laut einer Datenbank der DB sind Unternehmen wie Kelheim Fibres, die Viskosefaser etwa für Tampons herstellt, aber auch die Raffinerie von BayernOil an das Schienennetz angeschlossen. Auch ein großes Auto-Terminal im Hafen hängt zum Teil am Schienennetz. Ein Kalkhersteller, der auch für die chemische Industrie liefert und seine Güter vorwiegend über die Schiene transportiert, hat mitten im Sommer ein Problem. Erfahren haben die Unternehmen das aber erst vor wenigen Tagen.

„Klappt eben nicht immer“

Was war los? „Unser Schienennetz ist zu alt, zu voll und zu störanfällig“, teilt eine Sprecherin der Deutschen Bahn auf Anfrage mit. Der damit einhergehende hohe Modernisierungsbedarf führe zu vielen Baumaßnahmen. „Dabei ist es uns wichtig, bei Streckensperrungen oder anderen baubedingten Einschränkungen rechtzeitig mit den betroffenen Eisenbahnverkehrsunternehmen, Gleisanschließern und Unternehmen ins Gespräch zu kommen, um die bestmögliche Lösung für beide Seiten zu finden“, heißt es weiter. Das sei „unser Anspruch beim Baustellenmanagement. Wir tun alles dafür, diesem Anspruch gerecht zu werden“. Gleichsam bitte man aber um Verständnis, „wenn dies angesichts der Vielzahl der Baumaßnahmen und bei Verzögerungen nicht immer gelingen kann“ – die Bahn räumt die Versäumnisse also ein. Zumindest jetzt sei man aber mit den Gleisanschließern und Unternehmen der Donautalbahn „im Austausch“.

Eingeschaltet hat sich auch der Regensburger Bundestagsabgeordnete Stefan Schmidt (Grüne). Er wandte sich an das Bundesverkehrsministerium. Schmidt versteht: „Die Bahn hat einen immensen Sanierungsbedarf.“ Aber: „Die Arbeit an der Infrastruktur darf aber nicht unsere Wirtschaft komplett abwürgen.“ Der Abgeordnete habe „zunehmend den Eindruck, dass die Bahn mit den vielen Großprojekten vielleicht organisatorisch überlastet ist. Auch deswegen begleite ich die geplanten Generalsanierungen in der Oberpfalz von Anfang an kritisch“.

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Da ist Schmidt nicht der Einzige. Auch die Industrie- und Handelskammer Oberpfalz-Kelheim ist alarmiert. Manuel Lorenz ist Referent für Verkehrspolitik bei der IHK. Er sagt: „Nach unserem aktuellen Kenntnisstand wird dadurch beispielsweise Saal an der Donau für fast drei Wochen überhaupt nicht mit der Schiene erreichbar sein, schienenintensive Betriebe entlang der gesamten Strecke werden für zwei Monate nicht über Regensburg transportieren können“, sagt Lorenz. Und weiter: „Wir bemängeln dabei nicht die sicherlich notwendigen Baustellen, sondern eine mangelhafte Kommunikation: Agilis wurden diese Baustellen als betroffenem Unternehmen für den Personenverkehr frühzeitig mitgeteilt.“ Alle Betriebe, die Güterverkehr über die Strecke betreiben, wurden nicht informiert. Seit Wochen klaube man sich die „Informationsfetzen mühsam zu einem Gesamtbild zusammen“. Seitens der Deutschen Bahn gebe es bis heute keine offizielle Bestätigung der Bautermine „oder einen Vorschlag, wie die Versorgung sichergestellt werden kann“, so Lorenz weiter.

Lösung in der Nacht?

Zumindest ist jetzt Bewegung in die Sache gekommen. Am Dienstag soll es das Spitzentreffen geben. Das Landratsamt Kelheim will sich im Vorfeld nicht äußern. Teilnehmen sollen Vertreter von gleich zwei bayerischen Ministerien, die offenbar auch Druck auf die Bahn ausgeübt haben. Denn es soll bereits ein Lösungsvorschlag auf dem Tisch liegen. Demnach sollen nachts nach Dienstschluss auf den Baustellen Slots freigehalten werden, damit zumindest ein Teil der ansonsten über die Schiene abgewickelten Güter von den Unternehmen im Landkreis Kelheim abtransportiert oder Produktionsstoffe dorthin geliefert werden können. Dazu ist wohl angedacht, etwa von Ingolstadt aus die Strecke zu befahren und den Anschluss Saal anzusteuern, zu ent- und wieder zu beladen, um anschließend wieder über Ingolstadt die Ladung weitertransportieren zu können. Ob das klappt, hängt natürlich von der Bahn ab. Aber die Wahrscheinlichkeit ist hoch: Vertreter von Ministerien treffen sich nicht vor Ort mit betroffenen Firmen, wenn sie mit leeren Händen kämen.