Ärger in Prüfening: Bahn will beliebten Regensburger Schleichweg kappen

Von Rainer Wendl · 14. Mai 2025 um 15:00

Nach jahrzehntelanger Duldung will die Deutsche Bahn eine viel genutzte Unterführung an der Prüfeninger Schlossstraße in Regensburg mit einem Tor verriegeln – das sorgt schon im Vorfeld für Unmut.

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„Willkür und Schikane der Deutschen Bahn“ – Gerhard Wingerter greift gleich ins oberste Regal der Empörung, wenn es um die Planungen des Unternehmens im Bereich Prüfening geht. Der Grund für den Ärger des bekannten Regensburger Immobilienmaklers ist ein neues Schild am Bahnübergang am Waldvereinsweg. „Privatwegübergang – Nur für Berechtigte“ steht darauf zu lesen. Die Rückfrage bei der Pressestelle der Bahn in München ergibt: Das ist sehr ernst gemeint.

Bereits in der kommenden Woche steht in dem Bereich nämlich eine gravierende bauliche Änderung an: Die Bahn wird am anderen Ende der weitläufigen Gleisanlagen die kleine Unterführung zur Prüfeninger Schlossstraße mit einem Tor versperren. Diese Maßnahme erfolge auch in Absprache mit der Stadt, betont eine Bahn-Sprecherin.

„Nicht öffentlich gewidmet“

Damit wird urplötzlich ein beliebter Schleichweg gekappt, den es gefühlt schon immer gibt. „Diese Verbindung zur Prüfeninger Schlossstraße existiert seit über 80 Jahren als öffentlich nutzbarer Weg für Kirchgänger, Wanderer, Schulkinder ob mit oder ohne Fahrrad. Und dies absolut unfallfrei“, sagt auch Wingerter und fügt hinzu: „Ich persönlich habe vor 75 Jahren den Weg als Schulweg genutzt und möchte ihn als Fuß- oder Wanderweg wie viele andere auch noch gern weiter nutzen.“

Damit ist er nicht allein. Besonders bei schönem Wetter herrscht Hochbetrieb auf den etwa 300 Metern zwischen Schranke und Unterführung. Auch bei der Bahn ist bekannt, dass „viele Menschen, darunter auch Schüler, den Weg über den Bahnübergang weiterhin als Abkürzung zwischen Rennweg und Prüfeninger Schlossstraße nutzen“. Doch die Unternehmenssprecherin stellt nüchtern fest: „Der Bahnübergang zur Kleingartenanlage am Waldvereinsweg ist nicht öffentlich gewidmet. Öffentlicher Verkehr darf nicht über den Bahnübergang abgewickelt werden.“

Diese Unterführung ist künftig zugesperrt. - Foto: Wendl

Doch warum schiebt die Bahn dieser seit vielen Jahrzehnten geduldeten Praxis jetzt aus heiterem Himmel einen Riegel vor? Anwohner in Prüfening vermuten, dass die Antwort im geplanten Ausbau der Gleisanlagen (siehe Info am Ende des Textes) liegt. Im Zuge dieses Projekts müssen dort auch zahlreiche Kleingärten weichen, die Kappung des Wegs wird als erstes „Anziehen der Daumenschrauben“ gewertet. Die Bahn-Sprecherin dementiert dies jedoch: „Die Maßnahme steht nicht im Zusammenhang mit dem Projekt ,Mehrgleisiger Ausbau Regensburg-Obertraubling '.“ Die Nachfrage, was sonst der Grund sei, bleibt unbeantwortet.

Sehr genau erklärt die Bahn hingegen, wer künftig noch den Weg nutzen darf: Kleingärtner und Anwohner, deren Grundstücke auf der Gleisinsel liegen. Für sie wird die bald vergitterte Unterführung nicht zur Endstation. „Diese Vorgehensweise ist sowohl mit der Stadt Regensburg als auch Vertretern der Kleingärtner abgesprochen. Alle Beteiligten erhalten rechtzeitig einen Schlüssel.“

Unattraktive Umwege

Der große Rest muss künftig Umwege in Kauf nehmen. Wingerter bezeichnet diese als „gefährlich“, vor allem sind sie aber weit und unkomfortabel. Noch vor der Schranke am Waldvereinsweg führt beispielsweise rechts am Gleis entlang eine Schottertrasse zum Roter-Brach-Weg, über den dann nach etlichen hundert Metern mehr die Prüfeninger Schlossstraße zu erreichen ist.

Alternativ kann man wie gewohnt die Schranke passieren, links abbiegen und so zum Prüfeninger Bahnhof gelangen. Dieser ist allerdings nicht barrierefrei, weshalb die Ausweichroute für Gehbehinderte, Radfahrer oder auch Spaziergänger mit Kinderwagen keine attraktive Option darstellt.

Diese scheinbar ohne jede Not herbeigeführte Verschlechterung der Situation lässt nachvollziehbar erscheinen, warum Wingerter von „Willkür und Schikane“ spricht. Er deutet an, es nicht widerstandslos geschehen zu lassen: „Inwieweit dies öffentlich-rechtlich zulässig ist, muss gesondert geprüft werden.“

Infomarkt im Kolpinghaus

• Planungen: Die Deutsche Bahn (DB) hat sich für das kommende Jahrzehnt den Ausbau der Schiene für mehr Kapazität und zuverlässigere Verbindungen für Reisende im Bahnknoten Regensburg vorgenommen. Den aktuellen Planungsstand stellt die DB den Bürgern am heutigen Donnerstag zwischen 15.30 und 19 Uhr im Rahmen eines Infomarkts im Festsaal des Kolpinghauses vor.

• Projekte: Im Fokus stehen dabei gleich mehrere Maßnahmen: der mehrgleisige Ausbau Regensburg – Obertraubling, die Elektrifizierung Marktredwitz – Regensburg, die Einrichtung neuer Haltepunkte an der Walhallastraße und in Wutzlhofen oder die Erweiterung des Hauptbahnhofs durch einen zusätzlichen Bahnsteig. Um diesjährige Sanierungsvorhaben geht es indes nicht.