Bahnausbau zwischen Regensburg und Obertraubling treibt die Bürger um

Der viergleisige Bahnausbau zwischen Regensburg und Obertraubling (Landkreis Regensburg) ist ein Großprojekt. Allein beim Bahnhof Prüfening sind 110 Kleingärten und zwei Wohnhäuser direkt betroffen. Ihre Sorgen und Wünsche konnten Bürger am Donnerstag bei einer Sprechstunde im Regensburger Rathaus vorbringen.
Erst einmal waren die Kleingärtner vom Prüfeninger Schloss dran am Donnerstag bei der Bürgersprechstunde der Bahn zum viergleisigen Ausbau zwischen Regensburg und Obertraubling im Rathaus. So viele waren gekommen, dass die erste Stunde ihnen gehörte. Da musste der Niedertraublinger, der fürchtete, dass sein Haus einem Gleis weichen muss, genauso warten wie Regensburger, die sich für Radwege am Gleis oder neue Bahnhaltepunkte interessierten.
Neun Bürger hatten sich einen Termin mit Projektleiter Thomas Sulzer reserviert, aber mehrere Dutzend erschienen. Darunter war Günter Seidl, der Vorsitzende der Kleingartenanlage Prüfening-Schloss. „Es geht um den Fortbestand der Kleingartenanlage“, sagte er.
110 Pächter am Bahnhof
Viele der 110 Pächter der Parzellen auf Bahngrund seien verunsichert. Die einen bangen um ihren Garten, andere wollen ihn altersbedingt aufgeben, finden aber wegen des Bahn-Plans keinen Nachfolger. Auch nach seinem Termin berichtete Seidl: „Konkret weiß man nichts. Dass was kommt, ist klar, aber der Umfang ist nicht klar.“
Ursprünglich habe es geheißen, die Bahn brauche für zwei zusätzliche Gleise zwischen 15 und 20 Meter von der Kleingartenanlage. „Urplötzlich war das ganz anders.“ Es ging nun um die komplette Anlage, inklusive der zwei Wohnhäuser dort. Und darum gehe es immer noch. „Acht Abstellgleise sollen kommen“, sagt Seidl, allerdings „nicht vor 2032 bis 2035, eher 2035“. Prinzipiell sei aber alles noch sehr vage, die Bahn sei nach wie vor in der Vorplanung, die eigentlich 2024 abgeschlossen sein sollte.
In der Bürgersprechstunde war auch die Rede davon, dass noch Alternativen zu Abstellgleisen beim Bahnhof Prüfening geprüft würden, so erzählten es Besucher des nichtöffentlichen Termins. Für ein Gespräch mit der MZ stand Sulzer nicht zur Verfügung.
Eine Bahnsprecherin sagt bezüglich der Kleingartenanlage, die Bahn müsse beim Ausbau wegfallende Abstellgleise ersetzen und prüfe dazu mehrere Optionen in Regensburg. Für den Zeitplan gelte: „Die DB wird die Vorplanung im Sommer 2025 abschließen. Die darauf folgenden Planungsschritte erfordern den Auftrag und die Finanzierung durch den Bund.“
„Vollkatastrophe, dass die grüne Lunge wegkommt“
Seidl will insbesondere den Zeitplan im Auge behalten, damit es seinen Leuten nicht so geht wie den Kleingärtnern im Gleisdreieck im Osten 1983, die damals auf Wunsch der Zuckerfabrik weichen mussten; die Fläche wird bis heute nicht genutzt. Seidl betont: „Was wir nicht wollen: Dass wir räumen müssen. Und dann passiert 30 Jahre lang nichts.“ Es sei eine „Vollkatastrophe, dass die grüne Lunge wegkommt“, aber wenn die Bahn dort bauen wolle, dann baue sie dort.
Andere sehen den Ausbau deutlich positiver. „Eine tolle Sache“ sei der, sagte Gerlinde Beer (59), die unweit des Bahnhofs Prüfening wohnt. „Da werden offene Türen eingerannt“, das gelte für viele aus dem Viertel, die ebenfalls gern umweltfreundlich unterwegs seien. „Aber natürlich haben wir auch Sorge wegen des Lärms während der Bauarbeiten.“
Zudem wünsche sie sich, dass der Bahnhof ansprechender gestaltet werde. Maksim Kurz (25), der sich im Verein „Mobilität in Regensburg“ engagiert, möchte dagegen gerne einen Haltepunkt bei der Klenzestraße und brachte das an. Der Niedertraublinger Hausbesitzer, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, atmete auf: Er sei wohl nicht betroffen, die Bahn wolle auf der anderen Seite bauen.
IHK: „Eines der wichtigsten Infrastrukturprojekte“
Aus Sicht der Industrie- und Handelskammer Regensburg ist der Ausbau zwischen Regensburg und Obertraubling „eines der wichtigsten Infrastrukturprojekte für unseren Wirtschaftsraum“, so der verkehrspolitische Sprecher Manuel Lorenz. „Die Auflösung dieser Engstelle ist Voraussetzung für jede größere Verbesserung im regionalen Schienenverkehr, egal ob im Personen- oder Güterverkehr. Ohne den Ausbau treten Regensburg und sein Umland bei der Bahnanbindung auf der Stelle.“
Im Juni 2024 hatte DB-Mann Sulzer das Projekt im Planungsausschuss des Regensburger Stadtrats vorgestellt. Dort hieß es, Regensburg sei derzeit aus Sicht der Bahn ein „Flaschenhals“, weil zwei Streckengleise aus mehreren Richtungen genutzt würden. Das führe immer wieder zu Verspätungen und „Zwangspunkten“. Diesen Flaschenhals wolle die Bahn deshalb mit zwei zusätzlichen Gleisen aufweiten, auch um den S-Bahn-ähnlichen Verkehr in der Region zu erleichtern.
Der Ausbau
Die Strecke: Der viergleisige Ausbau zwischen Regensburg und Obertraubling bringt der Region große Veränderungen. Auf der acht Kilometer langen Strecke, die größtenteils durch dicht bebautes Gebiet führt, gibt es vier Bahnhöfe, 20 Bahnbrücken und fünf Straßenbrücken.
Einzelprojekte: Neben den zusätzlichen Gleisen will die Bahn unter anderem auch Lücken im Lärmschutz schließen und alle Bahnhöfe an der Strecke barrierefrei ausbauen.