Im Verkehrschaos: Wenn sich der Altstadt-Bus durch Regensburgs Gassen zwängt

Von Christian Eckl · 14. Juni 2025 um 17:00

Die Anhänger der gescheiterten Stadtbahn trauern nach wie vor um ihr Prestige-Projekt. Dabei hätten die Schienen die Altstadt nur tangiert. Derweil schlängelt sich der Altstadt-Bus wegen veränderter Verkehrsführung durch die engen Gassen. Vielleicht sollten sich die Verkehrsplaner der Stadt Regensburg mal eine Auszeit in Südfrankreich gönnen.

Video ansehen

Wenn einer eine Reise tut, dann hat er bekanntlich viel zu erzählen. Vergangene Woche begleitete ich Vertreter der bayerischen Wirtschaft nach Brüssel. Dort hat sich – noch unter Edmund Stoiber – der Freistaat ein luxuriöses Gebäude gekauft. 30 Millionen kostete das damals, bezogen wurde das Gebäude 2004 und es steht direkt im Schatten zum Parlament.

„Haus Neuwahnstein“, so spöttelten wir damals, ich auch. Denn 2004 besuchte ich einen damals noch recht unbekannten EU-Politiker namens Manfred Weber. Jahre später wäre der fast Kommissionspräsident geworden. Heute hat das Gebäude, so verrät mir der Leiter der Landesvertretung, einen geschätzten Wert von 400 Millionen Euro. Da muss man Stoiber auch mal loben. Ich treffe in Brüssel mehrere Leute aus Regensburg: Zum einen den früheren Pressesprecher des Regensburger BMW-Werks. Der macht heute Pressearbeit für den Autobauer, von dem viele Menschen in Regensburg und Umgebung gut leben. Dann spricht mich noch eine junge Frau an.

Sie sagt: „Sie waren mal mein Chef“. Im Gespräch kommt raus, dass sie mit 17 bei mir Praktikum gemacht hat, dann ist sie nach Berlin gegangen und ist jetzt in Brüssel Referentin für einen großen deutschen Wirtschaftsverband. Ich freue mich sehr über die Begegnung, sie sagt, sie vermisse Regensburg, obwohl Brüssel ja auch schön ist. Da kann ich ihr nur Recht geben.

Mein Erlebnis mit der Deutschen Bahn wiegt die Freude über den spannenden Termin in Brüssel dann aber wieder auf. Regensburg-Obertraubling ist zum Nadelöhr geworden. Während das Flugzeug zu früh in München ankommt und wir auf ein Gate warten müssen – wir steigen also exakt zu der Uhrzeit aus dem Flugzeug aus –, beginnen die Probleme, sobald ich in die Bahn einsteige. Irgendwelche Irren haben Gegenstände auf die Gleise geworfen. Weil es aber bei Obertraubling immer noch keinen Ausbau der Schienen gibt, stehen wir im Flughafen-Express, der eigentlich eine super Sache ist, eine volle Stunde. Die ICEs haben alle Vorfahrt und wir müssen auf den Gleisen warten.

Bei der Rückfahrt ist es ja egal. Aber wem kann man denn empfehlen, die Bahn zu nehmen zum Flughafen, wenn man sich nicht auf die Bahn verlassen kann. Der Ausbau ist längst überfällig. Regensburg erstickt im Verkehr und sowohl die Gleise, als auch der Pfaffensteiner Tunnel werden zunehmend zum Problem. Dass einige gerade in der Stadtpolitik noch der Stadtbahn nachtrauern, kann ich ja verstehen. Die Befürworter träumten immer davon, dass Regensburg mit den Gleisen endlich auch so großstädtisch aussieht, wie es in den letzten Jahren auch geworden ist.

Ich weiß auch, dass die Stadtbahn nicht durch die Altstadt geführt hätte. Aber viele fragten sich ja bekanntlich, was eine Stadtbahn denn bringt, die gerade einmal am Dachauplatz die Altstadt tangiert. Das zunehmende Verkehrschaos in der Altstadt, das nach meiner Ansicht auch von der Ahnungslosigkeit der Verkehrsplaner verantwortet wird, dokumentiert eine Szene, die ich diese Woche erlebe. Ein Altstadtbus, elektrifiziert, eigentlich klein und wendig, versucht, sich zwischen Freisitzen durchzudrücken. Schön ist das für niemanden: Weder für den Busfahrer, noch für die Gäste im Restaurant.

Ein Blick in andere Länder wäre da wieder mal angebracht. In Aix-en-Provence habe ich mal ein Bussystem gesehen, bei dem kleine Sechssitzer im Fünf-Minuten-Takt wie ein kleiner Shuttle-Service eine feste Strecke abgefahren sind. Man konnte einfach zusteigen – das war kostenlos. Vielleicht sollten wir mal unsere Verkehrsplaner alle in den Urlaub nach Frankreich schicken.

Christian Eckl ist Mitglied der Chefredaktion. Anmerkungen zu seiner Kolumne gerne an christian.eckl@mittelbayerische.de.