Regensburgs Grünen-Kandidatin fährt mit dem CSU-Fraktionschef Stoßauto

Im politischen Regensburg gab es am vergangenen Wochenende ein Beben, aber keines, das mich überrascht hat. Die Regensburger SPD hat deutlich gemacht, dass nicht der Parteivorstand näher an den Regensburgern ist, sondern die Delegierten. Mit klarem Votum wurde Dr. Thomas Burger zum OB-Kandidaten gewählt. Damit hat er die Partei, die ja immerhin seit 2014 das Stadtoberhaupt stellt, wieder ins Spiel gebracht.
Am Ende werden die Regensburger sicherlich mindestens sechs Kandidaten auf dem Wahlzettel stehen haben. So sieht Demokratie aus. Mit einer Stichwahl ist zu rechnen, auch wenn Dr. Astrid Freudenstein sicherlich als Favoritin ins Rennen gehen wird. Doch genau hier ist auch der Fallstrick für die CSU verborgen: Wenn die eigene Kernwählerschaft glaubt, die Messe sei eh gelesen. Wir erinnern uns an die Binsenweisheit beim Konklave: Wer als Papst in die Sixtina geht, der kommt als Kardinal wieder heraus.
Spannend wird auch sein, wie die Grünen-Kandidatin Helene Sigloch abschneidet. Auf ihrem Instagram-Profil entwickelt die Mathematikerin mit Doktor-Titel derzeit erstaunliche Aktivitäten. Ein Posting zeigt die Grüne zusammen mit CSU-Fraktionschef Michael Lehner. Der hatte zwar zunächst das Steuer in der Hand, Sigloch nahm es ihm aber rasch ab. Grünen-Wähler sind treu. SPD-Wähler nicht mehr so ganz. Insofern bleibt spannend, wer am Ende in der Stichwahl landet, sollte eine notwendig sein.


Ähnliche Probleme hat sicherlich im kommenden Jahr auch Tanja Schweiger von den Freien Wählern im Landkreis. Die Politikerin besticht zwischenzeitlich durch Auftritte auf nationalem Parkett, ist eine beliebte Kommentatorin bei Markus Lanz und den Springer-TV-Formaten wie Welt TV, wenn es um die Asylkrise geht. Dabei bringt sie es durchaus fertig, ihre Erfahrungen als Kommunalpolitikerin mit durchaus telegener Ausstrahlung anzubringen.
Doch auch Schweiger wird ein Problem haben: Denken sich ihre Wähler, ob sie nun mit 50 oder mit 60 Prozent wiedergewählt wird, sei egal, und gehen einfach nicht hin? Denn diesmal tritt mit Patrick Grossmann von der CSU ein Kandidat an, den sich so manche Landkreis-Bürgerin auch als Schwiegersohn vorstellen könnte.
Ob er aber Schweiger in eine Stichwahl zwingt, hängt auch von einem ganz anderen Faktor ab. Nicht nur die Grünen-Wähler sind treu, sondern auch die von der AfD. Die gehen dann zur Wahl, wenn ein Kandidat aufgestellt wird und vieles deutet darauf hin, dass der Landtagsabgeordnete Dieter Arnold in die Bütt steigen wird. Alles also offen?
Völlig offen ist für die Regensburger Polizei offensichtlich die Frage, ob ein rotes Verbot-der-Einfahrt-Schild auch für die blauen Dienstfahrzeuge gelten. Der Baustellenwahnsinn geht ja unvermindert weiter und die Gesandtenstraße ist ja gesperrt. Kürzlich kam mir bereits ein Fahrzeug der Polizei vor die Linse. Jetzt erneut: Während ein Auto eines Kollegen von TVA die Straße in richtiger Richtung befährt, kommt ihm ein Polizeiauto entgegen. Von Denunziantentum halte ich nicht fiel. Aber ich finde, auch die Gesetzeshüter sollten sich an die Vorschriften halten.
Streng an die Vorschrift hält sich auch Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer in Sachen Ex-Kaufhof am Neupfarrplatz. Das Gebäude verfällt, der Betonbunker ist längst zum Schandfleck geworden. Nach meinem jüngsten Bericht, wonach die Stadt lediglich einräumt, dass der Kaufvertrag zwischen alten und neuen, mysteriösen Eigentümern nach wie vor nicht vollzogen wurde, bekomme ich Bilder von Geschäftsleuten, wie es vor der Alten Wache aussieht. Es ist verschüttete Milch, aber ich hätte als Stadt einfach einen sehr niedrigen Kaufpreis angesetzt und das Vorkaufsrecht gezogen. Beispielsweise die elf Millionen Euro, die in den öffentlich einsehbaren Bilanzen stehen. Aber Mut und Tatendrang waren wohl nicht die prägendste Dynamik in der Wahlperiode 2020 bis 2026.
Christian Eckl ist Mitglied der Chefredaktion. Anmerkungen zu seiner Kolumne gerne an christian.eckl@mittelbayerische.de.