OB-Wahl: Regensburger SPD schwenkt nun wohl doch auf Kandidat Burger um

Kommendes Wochenende stellt die Regensburger SPD als eine der letzten Parteien ihren Kandidaten für die Oberbürgermeisterwahl auf. Im Rennen sind Thomas Rudner, den die Parteispitze bereits als Kandidaten der Öffentlichkeit vorstellte, und Thomas Burger, dem viele Regensburger Chancen zumindest auf die Stichwahl zusprechen. Jetzt sagen auch Burgers Gegner, dass die Mehrheit bei den Delegierten wohl für ihn votieren wird. Zum Innenleben einer Partei, die derzeit noch die Stadtspitze stellt.
Überraschende Entwicklung in der Regensburger SPD: Derzeit zeichnet sich nach Angaben von Mandatsträgern eine Mehrheit für den Fraktionschef der Sozialdemokraten im Stadtrat, Dr. Thomas Burger, ab. Damit würde Burger doch noch zum Zug kommen, wenn seine Partei den Versuch unternimmt, das Rathaus auch über 2026 hinaus zu verteidigen. Sowohl Burgers Gegner als auch seine Befürworter räumen ein, dass das Verhältnis der Delegierten für ihn so eingeschätzt wird, dass sieben von zehn eher für den promovierten Physiker wählen würden. Dabei hatte sich der erweiterte Stadtverbandsvorstand zuvor für Thomas Rudner ausgesprochen. Der langjährige Gewerkschaftsfunktionär und zeitweilige Europaabgeordnete wurde auch schon der Öffentlichkeit präsentiert. „Ich freue mich auf diesen Wahlkampf“, sagte Rudner Mitte April. „Ich will ihn gewinnen und werde ihn gewinnen.“
Mit Klarnamen sprechen will in der SPD derzeit allerdings niemand. Selbst jene, die sich so manche Schlacht mit Burger geliefert haben wie die frühere Landtagsabgeordnete Margit Wild. Im Kampf um ihr Mandat war Wild gegen Burger und den Bezirksvorsitzenden Sebastian Koch angetreten – und hatte verloren. Auf die Frage hin, ob es stimmt, was in der SPD geraunt wird und sie Burger unterstützt, sagt sie trocken: „Ich habe meine Präferenz, aber die will ich nicht in der MZ lesen.“
Selbst seine Gegner tippen auf Burger
Burger hat nicht nur Freunde in der Partei. Im Gegenteil. Ein führender SPDler sagt, dass Burger durch die parteiinternen Niederlagen durchaus auch beleidigt gewesen sei. „Als es darum ging, festzulegen, welche Agentur den Wahlkampf macht, war er nicht da“, sagt beispielsweise ein Gegenspieler. Doch auch der räumt ein: „Wenn man sich ansieht, wer als Delegierter von den Ortsvereinen aufgestellt wird, dann gehe ich von einer Mehrheit für ihn aus.“
Ein anderer sagt, es gehe 2026 nicht nur darum, den Oberbürgermeister zu stellen, sondern auch darum, „die SPD-Stadtratsfraktion endlich wieder zu stärken“. Kritik gibt es auch für die Doppelspitze der Stadt-SPD. Raphael Birnstiel und Claudia Neumaier werden parteiintern dafür verantwortlich gemacht, dass man dieses Bild des Streits abgegeben hat. „Dabei war das ein klarer Anfängerfehler“, sagt ein Gegner Burgers. Es habe zwar im April Zeitdruck gegeben, auch weil Amtsinhaberin Gertrud Maltz-Schwarzfischer – wohl auch, weil die Medien ständig nachfragten – ihren Rückzug ins Privatleben erklären wollte. „Aber wenn ich einen Kandidaten wie Rudner bringe, dann mache ich das mit einem Stadtverbandsbeschluss doch am Abend vor der Delegiertenversammlung.“ Dann sei das andere Lager überrumpelt. An der Partei-Arithmetik gescheitert ist Burger indes schon häufiger. Der Mann, der auch für viele aus dem bürgerlichen Lager als wählbar gilt, fiel beispielsweise 2014 der Frauenquote zum Opfer. „Wolli hatte ihm versprochen, dass er Bürgermeister wird“, sagt ein Mandatsträger über die Genese.
Doch damals hatten die Grünen einen Anspruch auf einen der beiden Bürgermeister-Posten erhoben – mit Jürgen Huber überraschend ein Mann. So kam es also, dass Joachim Wolbergs Gertrud Maltz-Schwarzfischer, damals völlig unbekannt, als Bürgermeisterin installierte. Dass die nach seiner Verhaftung einmal an die Stadtspitze aufrücken würde, dachte damals niemand. Seither aber ist das Tischtuch zwischen Burger und Wolbergs zerrissen.
Annäherung an die Brücke?
„Irgendwann werden wir den Graben wieder zuschütten müssen“, sagt ein Partei-Funktionär. Immerhin ist die Brücke auch als Abspaltung von der SPD entstanden im Streit um Wolbergs. Auch eine starke Grünen-Affinität machen manche bei der Brücke aus. „Ich sehe derzeit weder eine linke, noch eine konservative Mehrheit im neuen Stadtrat“, sagt ein SPDler. „Mit der CSU haben wir schlechte Erfahrungen gemacht.“
Egal, wen die SPD nun ins Rennen schickt: Die Verhältnisse über 2026 hinaus dürften erneut schwierig werden. So manch einer sagt auch eine Stichwahl zwischen der Grünen-Kandidatin Helene Sigloch und der CSU-Bürgermeisterin Astrid Freudenstein voraus. Und seit Sonntag gibt es in der ersten bayerischen Großstadt sogar einen Grünen-OB. Es bleibt also spannend – ob mit Rudner oder Burger.