Kehrtwende bei der Regensburger SPD? Burger bietet doch OB-Kandidatur an

In der Regensburger SPD rumort es: Nachdem am Dienstag bekannt wurde, dass sich sowohl Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer als auch Fraktionschef Thomas Burger 2026 aus der Politik zurückziehen, wird Kritik aus der Basis laut. Burger selbst meldet sich noch einmal zu Wort – und macht seinen Befürwortern Hoffnungen.
Burger hatte am Dienstag gesagt, dass er seiner Parteispitze angeboten habe, als Spitzenkandidat zur Verfügung zu stehen. Dieses Angebot habe der geschäftsführende Vorstand am Montag abgelehnt. Daher habe er sich dazu entschieden, im kommenden Jahr Schluss mit Politik zu machen. Oberbürgermeisterin Maltz-Schwarzfischer, die die Politik aus privaten Gründen verlassen wird, sprang ihm zur Seite. Sie werde ihn schon noch von einer Kandidatur überzeugen.
Nun deutet sich tatsächlich eine Kehrtwende an. Burger meldete sich am Mittwochabend erneut zu Wort. „Meine Nachrichtenkanäle stehen nicht mehr still.“ Er bekomme „unglaublich viel Zuspruch aus ganz verschiedenen Ecken der Stadtgesellschaft.“ Auch aus so einigen, aus denen er das nicht erwartet habe. „Selbst aus der Partei scheinen viele mit der Richtung und der Methodik des kürzlich von der Parteispitze eingeschlagenen Kurses überhaupt nicht einverstanden zu sein.“
Irritation nach Entscheidung der Regensburger SPD
Aus diesem Grund wolle er noch einmal etwas klarstellen: „Der Rückzug meines Angebots war eine Reaktion auf die plötzliche Positionierung der Parteispitze gegen meine Kandidatur.“ Er sei nach wie vor der Ansicht, dass ein erfolgreicher Wahlkampf nur aufgrund aufrichtigen Zusammenhalts und echter Geschlossenheit gelingen kann. „Wenn sich die Parteispitze klar für mich als OB-Kandidaten positioniert, stehe ich natürlich zur Verfügung.“ Das Interesse der Stadt müsse im Vordergrund stehen. „Danach erst das der Partei – und erst ganz zum Schluss persönliche Befindlichkeiten.“
Wer sich am Mittwoch in den Reihen der Regensburger Sozialdemokraten umhört, kann den Eindruck bekommen, dass Burger recht hat. In der SPD rumort es – auch weil die Entscheidung entgegen vorherigen Abmachungen schnell die Runde machte. Das Gros der Genossen erfuhr aus der Zeitung, dass sich der geschäftsführende Vorstand für den ehemaligen Europaabgeordneten Thomas Rudner als Kandidaten ausgesprochen hatte. Dass die Entscheidung so schnell öffentlich wurde, sorgt auch bei Funktionären der Partei für Irritationen.
Bruno Lehmeier, Vorsitzender des Ortsvereins Innerer Westen bezeichnet diesen Umstand zum Beispiel als „bedauerlich“. Der langjährige Genosse macht deutlich: „Da muss es eine klare Aussprache geben.“ In die gleiche Kerbe schlägt Christoph Kittel, Chef des Ortsverbands Reinhausen. „Wenn Parteimitglieder so etwas aus der Presse erfahren, ist das natürlich schwierig.“ Auch SPD-Stadtrat Alexander Irmisch macht seinem Ärger im Gespräch mit der MZ Luft: „Es hätte der OB zugestanden, sich zu erklären. Das hätte sich einfach gehört.“ Dem seien bestimmte Menschen allerdings zuvorkommen. Die Stimmung in der Partei? „Das macht es sicher nicht einfacher.“
Zoff in der Regensburger SPD? Rückenwind für Burger
Das OB-Aus wurde der MZ am Dienstag von Claudia Neumaier, Co-Chefin des Stadtverbands, bestätigt. Die Reaktionen auf die Nachricht seien gemischt, sagt sie am Mittwoch. „Es hätte niemand aus der Zeitung erfahren sollen.“ Sie betonte darüber hinaus, dass Rudner als OB-Kandidat noch nicht feststeht. „Es ist noch keine Entscheidung gefallen. Wir haben in der Regensburger SPD viele herausragende Personen. Als Team sind wir stärker.“ Unklar bleibt indes, was – oder wer – am Montag im geschäftsführenden Vorstand den Ausschlag dafür gab, das Angebot Burgers für eine Kandidatur nicht anzunehmen und Rudner zu favorisieren.
Klar ist: Am kommenden Montag wird sich der Vorstand mit der Frage nach dem möglichen OB-Kandidat befassen und einen Vorschlag machen. Er soll dem Vernehmen nach in der kommenden Woche präsentiert werden. Ungeachtet dessen entscheidet am Ende eine Delegiertenversammlung.
Wer das Rennen macht, scheint derzeit völlig offen – zumal nach Burgers erneutem Vorstoß am Mittwochabend. Schon zuvor waren ihm – neben der OB – zahlreiche Parteifreunde zur Seite gesprungen. Bruno Lehmeier bezeichnete ihn etwa als „nächstliegenden Kandidaten“.
Auch Stadtrat Alexander Irmisch stärkt dem Fraktionsvorsitzenden den Rücken. Er fordert seine Partei zur Geschlossenheit auf. Und: „Ich denke, da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen.“