Nach OB-Rückzug in Regensburg: Steht der SPD-Kandidat schon fest?

Von Philip Hell · 8. April 2025 um 19:01

Rund elf Monate vor der Kommunalwahl 2026 ist klar: Regensburg bekommt im kommenden Jahr ein neues Stadtoberhaupt. Die bisherige Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) steht für eine Kandidatur nicht zur Verfügung.

Das bestätigte die 64-Jährige der MZ am Dienstagnachmittag. Sie habe ihrer Partei diese Entscheidung am Montag im geschäftsführenden Vorstand mitgeteilt. „Es hat rein private Gründe“, betonte Maltz-Schwarzfischer. „Ich werde meiner Partei weiterhin den Rücken stärken und mich mit voller Kraft für die Stadt Regensburg einsetzen.“ Alles im Leben habe seine Zeit, sagte die Oberbürgermeisterin. „Ab dem kommenden Jahr ist Zeit für meine Familie.“ Ihr Amt sei sehr herausfordernd.

Zuvor hatte schon Claudia Neumaier, gemeinsam mit Raphael Birnstiel Vorsitzende des SPD-Stadtverbands, die Entscheidung Maltz-Schwarzfischers bestätigt. Der Rückzug der Oberbürgermeisterin sei „sehr schade“. Neumaier weiter: „Sie hat die letzten Jahre gute Arbeit geleistet. Ich habe ihre Entscheidung mit Bedauern zur Kenntnis genommen.“

„Ich habe ihre Entscheidung mit Bedauern zur Kenntnis genommen.“

Claudia Neumaier, Vorsitzende der Stadt-SPD

Am Montag hat sich der geschäftsführende Vorstand der Stadt-SPD auch mit dem OB-Kandidaten der Sozialdemokraten befasst. Dem Vernehmen nach sind zwei Namen in der engeren Auswahl: Thomas Rudner und Thomas Burger. Ersterer saß zwischen 2023 und 2024 im Europaparlament. Letzterer ist derzeit Fraktionsvorsitzender der SPD im Regensburger Stadtrat. Neumaier betont, dass die Entscheidung über einen Kandidaten beim Vorstand des sozialdemokratischen Stadtverbands liegt. Dieser werde am kommenden Montag entscheiden.

Entscheidung der Regensburger SPD: Burger zieht sich zurück

Oberbürgermeisterin Maltz-Schwarzfischer will dieser Entscheidung nicht vorgreifen, fügte allerdings an: „Ich spreche mich sehr für Thomas Burger aus.“ Der SPD-Fraktionschef wiederum hat sein Angebot für eine OB-Kandidatur zurückgezogen, bestätigte er der MZ am Dienstagabend. „Die SPD kann nur geschlossen einen erfolgreichen Wahlkampf führen.“ Die Führungsriege der Sozialdemokraten habe sein Angebot abgelehnt. „Gegen eine Parteispitze geht kein geschlossener Wahlkampf.“ Burger betonte darüber hinaus, an einem persönlichen Scheideweg gestanden zu haben – der SPD-Fraktionschef arbeitet in einem großen Regensburger Unternehmen. Er brenne für seinen Job, sagte er – das gelte aber auch für die Stadt. Beides könne er allerdings nicht mehr parallel betreiben. Nun steht seine Entscheidung fest. Burger betont: „Das hat nichts mit Groll gegenüber irgendjemandem zu tun.“ Bis zum Ende der Stadtratsperiode wolle er aber Fraktionsvorsitzender bleiben und sein Amt „wie gehabt mit voller Energie ausfüllen“. Darüber hinaus lobt Burger die OB: „Die SPD und die Stadt Regensburg haben ihr viel zu verdanken.“

SPD-Fraktionschef Thomas Burger hat sich mit der Entscheidung scheinbar schon abgefunden: „Da ist kein Groll, es ist einfach ein Scheideweg.“ - Foto: Petra Homeier

Es scheint als bliebe nur Thomas Rudner. Der saß rund ein Jahr im Europarlament, ehe er nach einem desaströsen Ergebnis der SPD bei den Wahlen im Mai seinen Stuhl in Brüssel respektive Straßburg räumen musste. Rudner selbst wollte eine mögliche OB-Kandidatur am Montag auf MZ-Anfrage nicht weiter kommentieren: „Das sind ungelegte Eier.“ Der Vorstand der Partei werde sich damit befassen und eine Entscheidung treffen. In Bezug auf Maltz-Schwarzfischers Rückzug betonte Rudner: „Mir wäre es am allerliebsten gewesen, wenn sie weitergemacht hätte.“ Die Oberbürgermeisterin habe Regensburg in einer schwierigen Situation übernommen. „Ich kann nicht erkennen, dass sie Fehler gemacht hat.“

Maltz-Schwarzfischer regierte Regensburg seit 2017: Es waren turbulente Jahre

In der Tat war Maltz-Schwarzfischers Amtszeit etwas turbulent. Sie übernahm die Führung der Stadtspitze im Januar 2017 von Joachim Wolbergs. Der war im Zuge der Regensburger Parteispendenaffäre vorläufig suspendiert worden. Maltz-Schwarzfischer war zu diesem Zeitpunkt zweite Bürgermeisterin und leitete die Stadtverwaltung kommissarisch, bis sie sich bei den Kommunalwahlen 2020 hauchdünn in einer Stichwahl gegen Astrid Freudenstein (CSU) durchsetzte. Kaum war sie Oberbürgermeisterin, versetzte die Corona-Pandemie Regensburg in einen Ausnahmezustand. Maltz-Schwarzfischer war als Krisen-Managerin gefragt.

Maltz-Schwarzfischer selbst wollte ihre Amtszeit am Dienstag im MZ-Gespräch noch nicht weiter kommentieren. „Es liegt noch ein Jahr vor mir. Das wird sicher bewegt.“ Immerhin beginne bald der Kommunalwahlkampf.

Der Kommunalwahlkampf hat in Regensburg längst begonnen

Man könnte freilich auch sagen: Regensburg steckt schon mitten im Wahlkampf. Die Brücke hat Thomas Thurow bereits im Januar als OB-Kandidat präsentiert. Die CSU zog vor wenigen Wochen nach und schickte wenig überraschend Astrid Freudenstein erneut ins Rennen um die Stadtspitze. Erst vergangenen Freitag kürten die Grünen Helene Sigloch zu ihrer Kandidatin. Wer am Ende das Rennen macht, wird sich schlussendlich in elf Monaten zeigen.