Wenn in Regensburg die Antifa marschiert, geht mancher Politiker einfach mit

Der 1. Mai ist eigentlich ein Datum, an dem für bessere Arbeitsbedingungen und gerechte Löhne demonstriert wird. Gott sei Dank sind wir weit von den skandalösen Zuständen wie in Berlin entfernt, wo die Polizei sich jedes Jahr gegen massive körperliche Gewalt wehren muss. Dort werden Briefe einer RAF-Terroristin auf offener Bühne verlesen und der Extremismus feiert fröhlich Urstände.
Am 1. Mai war ich am Haidplatz, erfuhr dort auch vom überraschenden und traurigen Tod von Reinhard Kellner. Der Gründer der Sozialen Initiativen hat mehr für Bedürftige in Regensburg getan als viele derjenigen, die zur Demo gegangen sind. Ich hatte immer größten Respekt vor Kellner. Nach Peter Morsbach, der auf dem Feld des Denkmalschutzes eine riesige Lebensleistung hingelegt hat, ist mit Kellner ein Kämpfer für Regensburgs Arme gestorben. Das macht mich traurig.
Empört macht mich, dass durch die Stadt Menschen laufen und für die Abschaffung unserer Demokratie demonstrieren können, ohne dass ein Sturm der Empörung durch die Stadt geht. Im Gegenteil, es scheint schick zu sein, Seit an Seit mit der Antifa zu marschieren und Anarchisten zu hofieren. Für mich gilt klar: Wer unsere Demokratie ablehnt, egal, weil er Islamist ist, Rechtsextremer oder Anarchist, den lehne ich ab. Denn wenn sich diese Leute durchsetzen, dann ist es vorbei mit unserer Freiheit.
Es gehört selbst verständlich zur demokratischen Freiheit, dass der Bund Naturschutz sich für die Natur einsetzt. Auch in einer Großstadt. Zudem schätze ich ihren Vorsitzenden Raimund Schoberer sehr. Die BN-Leute haben schon manchen Baumfrevel in der Stadt verhindert. Aber beim Thema Schlämmteiche im Regensburger Stadtosten fehlt mich das Verständnis.
Dort hat einst die Zuckerfabrik, viele werden sich noch an den markanten Geruch im Herbst erinnern, ihr Abwasser abgeleitet. Dass die Natur von allem Besitz ergreift, was ein bisschen Wasser, Sonne und Luft bietet, kenne ich aus meinem Hinterhof in der Altstadt. Dort findet jeden Abend ein Stelldichein der Fledermäuse statt. Dass auch Stadtbewohner sich Grün wünschen, und zwar deutlich mehr als jetzt schon, finde ich nachvollziehbar und wünschenswert. Aber irgendwo muss eben auch die Industrie hin. Und mal ehrlich: Den Umweltschutz könnten wir uns eher leisten, wenn die Wirtschaft brummt und nicht wie im Moment abschmiert. Dass sich also Kröten und Frösche in den Schlämmteichen gute Nacht sagen, ist mir klar – nur: Ein paar Arbeitsplätze brauchen die Regensburger auch noch, gerade solche wie in den dortigen Standorten. 3700 Menschen hatten trotzdem für den Erhalt des Areals als Ort für Kröten und Frösche unterschrieben. Übrigens waren immerhin 2280 aus Regensburg. Ich frage mich, wer von den Unterzeichnern sich das da draußen mal angesehen hat.
Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer vertröstete die CSU mit ihrer Forderung, den Radverkehr in der Innenstadt einzudämmen. Eine alte Debatte. Meistens sind es nur ein paar wenige, die wie Gesenkte durch die Gesandtenstraße bei Foto Zacharias schießen, und das an einem Samstagvormittag, wenn die Stadt knallvoll ist. Bei der Drohung der Oberbürgermeisterin, man werde ja ohnehin bald über eine Verkehrsberuhigung debattieren, werde ich hellhörig. Als Anwohner kommt man aufgrund zahlreicher Parallel-Baustellen nicht mehr zu seiner Wohnung, viele Parkplätze fielen weg. Gleichzeitig fährt Krethi und Plethi mit allerlei Kennzeichen aus ganz Deutschland lustig in die engen Gassen. Wie wäre es mit Pollern wie etwa in Salzburg oder Florenz mit Schlüssel für Anwohner?