Wo man in Regensburg ein Fass aufmacht, da sitzt man Frankreich schon am Blumentrog

Wenn einer eine Reise tut und der ist Oberbürgermeister einer Stadt in Regensburg, dann merkt man das als Bürger manchmal jahrelang. So besagt eine Stadtlegende, die Einbahnstraßenregelung in der Thundorfer Straße hat der damalige OB Hans Schaidinger aus Frankreich mitgebracht. Der Autor dieser Kolumne hätte jetzt ein paar Vorschläge aus dem Nachbarland mitgebracht, die zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Das Beleuchtungs- und das Grünproblem.
Reisen ist wie Bücher lesen, es bildet und erweitert den Horizont. Manchmal bestätigt es leider auch Vorurteile, wenn man auf Touristengruppen trifft – vor allem auf deutsche. Kommunalpolitisch sind die Reisen von Hans Schaidinger nach Frankreich legendär. Als amtierender Oberbürgermeister brachte er immer wieder Ideen vor allem in Sachen Verkehrspolitik nach Regensburg, die uns bis heute begleiten. Angeblich stammt die formidable Idee einer Einbahnstraße mit Ausnahme für Busse in der Thundorferstraße aus Dijon. Doch nicht alles lässt sich durchsetzen: So schwärmten die Stadtbahn-Befürworter über französische Städte wie Bordeaux, Lyon oder Straßburg. Vergangene Woche bereiste ich Lothringen und machte noch einen Abstecher nach Paris. Verkehrsmäßig sind mir dabei Busse aufgefallen, die wie Stadtbahnen schmal sind und in eigenen Spuren, aber nicht auf Schienen fahren. Sie haben drei Gelenke und sind ziemlich wendig.
Denn auch wenn etwa Brücke- OB-Kandidat Thomas Thurow noch daran glaubt, eine Stadtbahn trotz ablehnendem Bürgerentscheid auf die Gleise setzen zu können: Durch Regensburg wird so schnell keiner Schienen verlegen. Vielleicht ist es an der Zeit, sich Alternativen anzusehen? Frankreich wäre hier ein gutes Reiseziel.
Übrigens auch in Sachen Begrünung. Während wir in Regensburg sogar Probleme damit haben – siehe Schwanenplatz – dauerhaft Bänke zu installieren, prägen hier elegante Konstruktionen das Stadtbild. Egal, ob in Metz, Paris oder Challes-les-Eaux: Hier lässt es sich gut rasten. Das Unternehmen „Urban Canopee“ hat eine Kombination aus Beleuchtung, Bepflanzung und Bestuhlung erfunden. Wäre das nicht was?
Wer indes Regensburger Verkehrsplanung live erleben möchte, dem sei ein Ausflug in die Waffnergasse, Eck zum Vaulschink empfohlen. Durch die Baustelle kann man nicht mehr von der Helenenstraße in Richtung Emmeramsplatz und Petersweg abbiegen. Dumm nur, dass die Durchfahrt ja auch beim Bahnhof nicht erlaubt ist, sprich: Die Leute wissen nicht mehr, wie sie dort hinkommen sollen. Jeden Morgen gehe ich da vorbei und es geschieht folgendes: Gerade Anwohner fahren einfach weiter in der falschen Richtung in die Einbahnstraße. Da ich weiß, dass diese Strecke auch führende Mitarbeiter in der Stadtverwaltung jeden Tag diese Strecke zum Alten Rathaus laufen, hier mein Tipp: Klopft doch mal bei den Kollegen der Verkehrsplanung an und sagt denen, dass sich jetzt endgültig kein Mensch mehr auskennt in der Altstadt.
Spannend wie ein Krimi ist ja übrigens der Kommunalwahlkampf schon jetzt. Bei der CSU, bei den Grünen und der Brücke war es ja bisher ziemlich vorhersehbar. Auf die Folter spannen jetzt ausgerechnet die Sozis uns Journalisten und die Bürger. Einige Dinge hat die SPD ja schon immer exklusiv: Wer schonmal eine Wahl verloren hat, der empfiehlt sich meist für höhere Weihen. Ich persönlich kann die fachliche Qualifikation von Thomas Rudner nicht einschätzen, allein: Ich kenne ihn nicht. Und wenn ich ihn nicht kenne, kennen ihn vielleicht ein paar Regensburger auch nicht. Er war ein Jahr im Europaparlament, bis die SPD so einsackte, dass er dieses Mandat wieder verlor. Nun hat man mit Thomas Burger einen promovierten Physiker, der eine lange kommunalpolitische Erfahrung hat und sich ziemlich die Hacken abläuft. Wie würden Sie sich entscheiden, wenn Sie in der SPD wären und das OB-Amt behalten wollen? Nun: Alles ist ja wieder offen. Spannend macht`s die SPD trotzdem.
