Johannes Herrmann hat auf Gut Hötzing viel vor – Zum 75. von Frau Marianne soll das Schloss saniert sein

Von Tanja Fenzl · 17. Juni 2025 um 11:00

Wer Johannes Herrmann über seine Pläne sprechen hört, weiß schnell: Der macht keine halben Sachen. „Der“ ist der neue Gutsherr auf Gut Hötzing, 76 Jahre alt, Unternehmer aus Pösing – und er hat sich ein klares Ziel gesetzt: Bis zum 75. Geburtstag seiner Frau in drei Jahren soll das Schlossgebäude bezogen werden, Denkmalschutz-Auflagen hin oder her. Von Herausforderungen wie speziellen Auflagen lässt Herrmann sich nicht den Wind aus den Segeln nehmen. Er packt an – und orchestriert derweil die vielen anderen Dinge, die er mit dem Gut vorhat.

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Ein Familienmensch durch und durch, hat er dafür seine Kinder und Schwiegerkinder mit ins Boot geholt. Und während Tochter Lisa Röhrl und Schwiegertochter Carmen Herrmann es sich seit dem Kauf des Guts Ende vergangenen Jahres zur Aufgabe machen, die alten Mauern weiter und wieder mit Leben zu füllen, sammelt der gebürtige Franke, der schon in frühen Jahren nach Niederbayern und dann in die Oberpfalz kam, Experten um sich, die ihm dabei helfen sollen, dem Gut wieder zu früherem Glanz zu verhelfen.

Herrmanns plant schon seit 25 Jahren

In stetem Austausch mit Denkmalamt, Architekten und Handwerkern will Herrmann das Gut wieder aufbauen – und folgt damit dem Vorbild seines Vorgängers Hans Stangl, der bis zu seinem Tod wie auch später seine Töchter alles daran gesetzt hatte, Gut Hötzing zu sanieren. Stangls Krankheit und Tod und familiäre Gründe führten dazu, dass Herrmann am Ende doch noch seinen Traum vom perfekten Alterssitz wahr machen kann. Denn: Herrmann hatte sich schon vor 25 Jahren in das Gut verliebt.

Sie wollen auf Gut Hötzting ihren Alters(un)ruhesitz einrichten: Marianne und Johannes Herrmann. - Foto: Tanja Fenzl

Als es dann zum Verkauf stand, habe die Zeit einfach nicht gepasst, zuckt er heute mit den Schultern. Als es dann wieder zum Verkauf stand, habe er schnell zugeschlagen. Er deutet auf die Allee, die zum Gut hinunterführt: „Allein diese Bäume, die Stimmung hier, das ist es wert. Das gibt es sonst nirgends.“ Zudem habe seine große Familie – von fünf Kindern leben noch vier und helfen mit ihren Familien beim Aufbau des Guts mit – hier genügend Platz, sodass jeder sich entfalten könne. „Hier kann man miteinander leben, aber sich in der Weitläufigkeit auch einmal aus dem Weg gehen“, grinst Herrmann. Und auch für die kleinen Enkel gebe es genügend Platz: „Das ist doch der Traum aller Kinder hier“, sagt der stolze sechsfache Opa, und deutet auf den Fischweiher hinter sich, wo seine Enkel mit Freunden keschern. Eine ältere Enkelin arbeitet inzwischen bereits in einer seiner Firmen mit – drei Generationen arbeiten zusammen.

Sogar ein Firmenumzug ist geplant

Das Entwicklungsunternehmen soll auch, sobald es geht, nach Hötzing umziehen. „Der Hauptbetrieb Fahrzeughebetechnik wird aber in Pösing bleiben“, sagt Herrmann, der auch beruflich umtriebig ist. So gehören zum Herrmann-Portfolio inzwischen auch Firmen im Osten Deutschlands und im Ausland – unter anderem eine traditionelle Lackfabrik in Sachsen. „Der älteste Farbenhersteller“, erzählt Herrmann stolz. Das Know-how von dort komme jetzt auch wieder den Sanierungsarbeiten auf Gut Hötzing zugute. Wie auch die Tatsache, dass in der Familie Handwerker sind, die alle mithelfen.

„Als Papa gesagt hat, er kauft das Gut, haben wir schon erst geschluckt“, sagt Tochter Lisa. „Inzwischen sind wir aber froh, dass er so die treibende Kraft ist. Wir hätten uns das nicht getraut, aber er macht das halt“, sagt sie.

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Die gelernte Restaurantfachfrau ist es auch zusammen mit ihrer Schwägerin, die Gut Hötzing auch weiterhin für Hochzeitspaare offenhält. Was unter den Vorbesitzern angefangen hatte, wolle man in diesem Punkt weiterführen. „Gut Hötzing hat für Hochzeiten einfach so viel zu bieten, es soll ja mit Leben gefüllt werden“, sagt Röhrl. Mit einem erfahrenen Caterer an ihrer Seite gestalten sie für Brautpaare den schönste Tag in deren Leben.

Tag der offenen Tür für Paare

So konnten sich interessierte Paare auch vor zwei Wochen bei einem Tag der offenen Tür vor Ort anschauen, wie eine Hochzeit auf Gut Hötzing gefeiert wird. „Das kam gut an“, sagt Lisa Röhrl. Inzwischen ist das Gut mit Hochzeiten bis in den Spätherbst ausgebucht, und auch fürs kommende Jahr stehen schon viele Termine fest, wann auf Hötzing geheiratet wird. Denn auch das ist möglich: Direkt heiraten auf dem Gut, dafür gibt es eine Sondergenehmigung.

Sie kümmern sich um Hochzeitsfeiern und Veranstaltungen wie das Garten Café: Carmen Herrmann (links) und Lisa Röhrl. - Foto: Tanja Fenzl

Um das Gut auch weiterhin für die Allgemeinheit zu öffnen, haben sich die zwei Frauen ebenfalls etwas einfallen lassen: Jeden Freitag, sowie das Wetter passt, kann jeder, der mag, ins Garten Café kommen. Auf kleinen Tischen und Bänken inmitten der grünen Wiese vor den mit Lichterketten nd Lampen dekorierten Schlossmauern bieten Lisa und Carmen Kaffee und selbst gebackenen Kuchen und weitere Getränke an. Bunte Kissen laden zum Verweilen ein – die stammen aus dem Textildruckunternehmen eines weiteren Herrmann-Sprösslings. „Jeder in der Familie bringt sich irgendwie ein“, sagt Lisa Röhrl. Wie früher einen Biergarten aufzuziehen, dafür fehle die Zeit, das sei noch einmal ein ganz anderer Aufwand. „Aber mit dem Café wollen wir es allen ermöglich, die Gut Hötzing kennen und lieben, hier Zeit zu verbringen.“

Gäste freuen sich über Café

So wie das ältere Ehepaar aus Schorndorf, das gerade mit seinen Walking-Stöcken aus dem Auto steigt und vor dem Spaziergang den Kreuzweg hinauf zur Kapelle im Wald über dem Gut noch kurz eine Rast in dem Café einlegen möchte. „Wir sind so froh, dass Sie das Gut übernommen haben und weitermachen wollen“, sagt die Frau. Und auch wenn an diesem Tag das Café leider geschlossen bleibt, weil es kurz zuvor noch geregnet hatte, bietet die Familie Herrmann kühle Getränke an einem der Tische an. „Das ist doch schön, wenn die Leute so begeistert sind“, freut sich Lisa Röhrl, während ihr Vater und ihre Mutter Marianne sich mit den Gästen aus Schorndorf unterhalten.

Wildromantisch: Vor den Schlossmauern können die Gäste sich beim freitäglichen Garten Café bewirten lassen. - Foto: Lisa Röhrl

Wer mag, kann bei einem mediterranen Abend die Stimmung auf dem Gut bei feinem Essen und ausgewählten Getränken genießen: Am 21. Juni veranstalten Lisa Röhrl und Carmen Herrmann einen Genussabend zum Sommeranfang. „Das war das einzige Wochenende ohne Hochzeit, da wollten wir etwas Spezielles anbieten“, sagen sie.

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„Mein Traum ist es, dass die nächsten zwei, drei, vier Generationen hier ihren Familiensitz haben“, sagt Herrmann. Er scheint auf dem besten Weg dazu.

Hier können Sie Gut Hötzing erleben

• Garten Café: Immer freitags bei schönem Wetter von 13 bis 17 Uhr

• Genussabend: Start in den Sommer mit mediterranen Speisen an langen Tafeln in Freien, bei schlechtem Wetter in der Scheune. Tickets unter www.okticket.de oder über die Webseite www.gut-hoetzing.de/Termine

• Info Hochzeiten: www.gut-hoetzing.de

In manchen Zimmern sind Tapeten und Malereien erhalten. - Foto:
Im Schlossinneren kann man den Carme der Räume mit den Gewölbedecken erahnen. - Foto:
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