Bub braucht Hilfe, Sanka muss warten: Chamer Autofahrer und Anwohner ärgern sich seit Jahren

Von Tanja Fenzl · 16. Juni 2025 um 11:00

Seit Jahren gibt es auf der Bahnstrecke Cham-Waldmünchen Ärger mit dieser Schranke. Direkt bei der Haltestelle Katzbach bei Geigant (Landkreis Cham) sorgt sie immer wieder für gefährliche Situationen. Entweder bleibt sie geöffnet, obwohl ein Zug die Kreisstraße hinauf in den Ort Obernried quert. Oder sie bleibt noch lange Zeit geschlossen, nachdem der Zug bereits durchgefahren ist.

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In den vergangenen Wochen eskalierte die Situation – ausgerechnet jetzt, wo die Umleitungsstrecke für die Bauarbeiten der Ortsdurchfahrt Geigant über Obernried führt und deshalb viel mehr Autos als sonst auf dieser Strecke unterwegs sind.

Feuerwehr muss immer wieder warten

Auch bei der Feuerwehr sind die Verantwortlichen inzwischen mehr als genervt. „Auch bei einem Einsatz hat der Zug Vorfahrt. Wenn man da lange sinnlos an der Schranke stehen muss, geht wertvolle Zeit verloren“, sagt der Obernrieder Kommandant Josef Maier. Besonders ärgerlich: „Wir beteiligen uns ja auch am Projekt Herzklopfen, wo wir als Feuerwehr bei Herz-Kreislaufnotfällen übergangsweise Maßnahmen ergreifen, bis Rettungsdienst oder Notarzt eintreffen. Da sind fünf Minuten an der Bahnschranke ganz schön lang.“

Wegen der Erneuerung der Ortsdurchfahrt Geigant wird derzeit der Verkehr über Obernried umgeleitet. - Foto: Tanja Fenzl

Monika Irrgang lebt seit 2012 in Obernried. Letzte Woche hat sie auf Video festgehalten, als sich die Schranke trotz heranfahrendem Zug nicht senkte. „Das ist so gefährlich, und das passiert regelmäßig, seit ich hergezogen bin“, sagt sie. Gebürtige Obernrieder meinten, sie kennen es gar nicht anders, als dass die Schranke immer wieder einmal über Wochen nicht funktioniert. „Das ist schon immer so“, sagt eine zweifache Mutter.

Reparatur hilft – aber immer nur kurz

Reparaturmaßnahmen waren bis dato stets temporär. „Das geht eine Weile gut, und dann ist es wieder kaputt“, sagt Maier. Er vermutet, dass bei nassem Wetter in der veralteten Technik Kurzschlüsse ausgelöst würden und dadurch die Schranke wieder funktionsunfähig wird. „Mir ist von Verantwortlichen der Bahn gesagt worden, dass die Technik noch rein analog ist. Das heißt, die bekommen auch keine Meldung, wenn etwas defekt ist. Man muss sich aktiv beschweren. Und dann wissen sie aber immer noch nicht, was genau an welcher Stelle kaputt ist.“

Die Schranke senkt sich nicht, obwohl ein Zug herangefahren kommt. Oder sie bleibt viel zu lange unten, nachdem der Zug bereits durchgefahren ist. - Foto: Tanja Fenzl

Polizei, Landratsamt, Gemeinde haben die geplagten Obernrieder schon angerufen, nachdem bei verschiedenen Notrufnummern der Bahn niemand reagiert hatte. „Das ist nicht so einfach, den richtigen Ansprechpartner zu finden. Jeder sagt, er ist nicht zuständig, heißt es bei der Bahn“, sagen zwei Obernrieder. Auch bei der Gemeinde Waffenbrunn habe man sich erst einmal bei der Bahn durchfragen müssen, ehe man endlich an die richtige Stelle weitergeleitet worden sei, sagt Geschäftsleiter Fabian Fuihl.

Immerhin: Nach vielem Hin und Her in den letzten Tagen habe man nun für künftige Fälle eine Notfalltelefonnummer übermittelt bekommen. Fuihl: „Ich bin jetzt drei Jahre hier, und so lange geht das schon so.“ Auch das Landratsamt war als zuständiger Straßenbaulastträger der Kreisstraße zwischen Katzbach und Obernried in die leidige Schrankengeschichte involviert. „Wir können aber auch nicht mehr machen, als die Beschwerden an die Bahn weiterzugeben“, sagt Sprecher Fabian Koller.

Sogar ein Rettungswagen musste schon an der Schranke warten, während in Obernried ein Junge auf medizinische Versorgung gewartet hat.

Josef Maier, Feuerwehrkommandant

Kommandant Josef Maier weist darauf hin, welch schlimme Folgen eine nicht richtig funktionierende Schranke an dieser Stelle haben kann: „Sogar ein Rettungswagen musste schon lange Minuten an der geschlossenen Schranke warten, während bei uns in Obernried ein kleiner Junge nach einem Trampolinunfall auf medizinische Versorgung gewartet hat. Das hätte auch böse ausgehen können.“ Er wünscht sich eine dauerhafte Lösung. „Da müsste man halt vermutlich einmal kräftiger investieren, um den Bahnübergang auf den neuesten Stand der Technik zu bringen.“ Und Monika Irrgang sagt: „Wenn das in der Großstadt passiert, wäre das schon lange repariert.“

Im Nachbarkreis Schwandorf ermittelt derzeit die Polizei wegen eines Schienenunfalls vor wenigen Wochen, wo zumindest der Verdacht bestehe, dass an der Stelle ebenfalls die Schranke nicht funktioniert hatte.

Anfang der Woche reagierte die Bahn nun endlich auf die aktuellen Beschwerden und reparierte einen Schienenkontakt. „Mal schauen, wie lange es diesmal dauert, bis es wieder losgeht“, sagen Anwohner.

Schienenkontakt vor kurzer Zeit erneuert

Bei der für das Schienennetz zuständigen DB InfraGo, einem Tochterunternehmen der Deutschen Bahn, hält man sich bedeckt. Von seit Jahren andauernden Problemen wisse man nichts, so eine Unternehmenssprecherin. „Nach einer Meldung am 6. Juni haben wir einen Fehler am Schienenkontakt festgestellt. Der Bahnübergang wurde außer Betrieb genommen und der Schienenkontakt erneuert. Am 10. Juni wurde der Bahnübergang wieder in Betrieb genommen. In den folgenden fünf Stunden wurden vier Zugfahrten am Bahnübergang genau beobachtet, sie verliefen fehler- und störungsfrei. Seitdem haben uns keine Meldungen mehr über Unregelmäßigkeiten erreicht.“

„Das wird jetzt wieder eine Weile gutgehen, und dann geht es wieder los“, sagt Maier frustriert. „Wir müssen da jetzt einfach dranbleiben und sofort wieder melden, wenn etwas nicht funktioniert“, appelliert er an alle Autofahrer. „Vielleicht wird dann ja doch einmal eine langfristige Lösung gefunden.“

Eine Bekannte von Maier glaubt nicht mehr daran und verschafft ihrem Frust Luft: „Hätte man aus dem Bahngleis den Radweg gemacht, den sie jetzt bauen (Anm. der Red.: entlang der Kreisstraße zwischen Geigant und Cham wird seit Jahren streckenweise ein Radweg gebaut), hätte man Geld gespart und nur ein paar Busse mehr einsetzen müssen.“

Übrigens: Auch in Pösing ärgern sich die Bürger seit einiger zeit über eine defekte Bahnschranke. Die liegt zwar nicht an einer Kreisstraße, aber am Weg zur Grüngutannahmestelle. Und auch dort kämpfen Bürger und Bürgermeister mit den Windmühlen der Bahn.