Die Tour der Tapferen durch den Landkreis Cham führt 600 Kilometer bis nach Berlin

Was ist das Karfreitagsgefecht? Und was hat es mit den Radfahrern zu tun, die mit dem Emblem „Battlefield Cyclsts“ auf der Brust derzeit durch den Landkreis Cham und in sieben Etappen nach Berlin fahren wollen? Dass sich möglichst viele Menschen mit diesen Fragen beschäftigen, ist das eigentliche Ziel der ungewöhnlichen Aktion von Naef Adebahr und Stefan Nuss.
Die beiden Hauptfeldwebel sind selbst im Einsatz verwundet worden. Adebahr erhielt drei Beinschüsse im Karfreitagsgefecht am 2. A
pril 2010 nahe des afghanischen Dorfes Isa Kehl im Bereich des Feldlagers Kundus (siehe Info). Drei deutsche Fallschirmjäger des Bataillons 373 aus Seedorf sind damals gefallen. Huss erlitt nach einem Auslandseinsatz eine posttraumatische Belastungsstörung.
600 Kilometer nach Berlin
600 Kilometer und 5500 Höhenmeter wollen die beiden mit ihren Begleitern überwinden und am 15. Juni rechtzeitig zur Hauptveranstaltung des ersten Veteranentags in der Hauptstadt Berlin einradeln. „Tour of Valor“ haben sie ihre Radstrecke getauft. Frei übersetzt: Tour der Tapferkeit.

Adebahr und Huss wissen aus eigener harter Erfahrung, wie wichtig es ist, sich nach derart traumatischen Erfahrungen im Krieg, neuen Herausforderungen zu stellen. Jeder muss seinen eigenen Weg finden, mit Verwundungen umzugehen, seien sie körperlich oder seelisch. Die Soldaten- und Veteranenstiftung des deutschen Bundeswehrverbandes unterstützt die Aktion. An ausgewählten Stationen werden Orte zum Austausch und der Erinnerung aufgesucht. Im Landkreis Cham machten die Veteranen mit ihrem Radtross in Willmering Station. Vorher hatten die Organisatoren den Chamer Anwalt Dr. Andreas Stangl angerufen: „Falls du mitfahren willst – wir sind in deinem Gäu!“ Das war natürlich etwas zu kurzfristig. Aber für ein Treffen an der Verpflegungsstation gemeinsam mit dem Chamer Landtagsabgeordneten Dr. Gerhard Hopp hat sich Stangl natürlich Zeit genommen. Immerhin verfolgt er mit seinen Wirtschaftsjunioren dieselben Ziele.
Märsche, Banner, Ortsschild
Die „Gelben Schleifen“, die als Zeichen der Erinnerung an den verschiedenen Tour-Orten überreicht werden, kennt er nur zu gut. Stangl ist einer der Hauptinitiatoren der „Aktion Brückenschlag“, die sich nicht nur die Erinnerung zum Ziel gesetzt hat, sondern auch die Betreuung und Wertschätzung der eingesetzten Soldaten und deren Familien in der Heimat.
Wertschätzung für die Soldaten und das Wachhalten der Erinnerung in der Bevölkerung, dass Soldaten im Einsatz sind, oder bereit, ihr Leben zu riskieren – das ist immer wieder Ziel von gemeinsamen Aktionen wie dem alljährlichen „Marsch der Verbundenheit“. Die Chamer Soldaten bekommen inzwischen traditionell ein Ortsschild ihrer Kreisstadt mit in den Einsatz und werden bei ihrer Rückkehr mit Bannern empfangen: „Willkommen daheim“.
Karfreitagsgefecht und Aktion Brückenschlag
• Am Karfreitag 2010 hatten 43 Soldaten des Fallschirmjägerbataillons 373 aus Seedorf den Auftrag, Sprengfallen beim Dorf Isa Khel zu suchen und zu beseitigen.
• Gegen 13 Uhr Ortszeit wurden die Fallschirmjäger von etwa 80 Aufständischen aus dem Hinterhalt unter massiven Beschuss genommen. Dabei wurden frühzeitig drei Soldaten verwundet, zwei davon schwer. Im Verlauf des Gefechtes wurden weitere acht Soldaten verwundet. Erst nach neun Stunden Gefecht konnte die Reservekompanie die Fallschirmjäger ablösen, die daraufhin ins Feldlager Kundus zurückkehrten.
• Im Lauf dieses Gefechts wurden durch die Bundeswehrsoldaten mehr als 25 000 Schuss abgegeben. Das Gefecht dauerte insgesamt neun Stunden. Hauptfeldwebel Nils Bruns (35 Jahre), Stabsgefreiter Robert Hartert (25) und Hauptgefreiter Martin Augustyniak (28) sind im Karfreitagsgefecht gefallen.
• Es finden seitdem alljährlich Gedenkmärsche statt oder eben die „Tour of Valor“, die an Soldaten im Einsatz erinnern sollen, nicht nur an die Gefallenen.
• Die „Aktion Brückenschlag“ im Landkreis Cham - eine Aktion von Dr. Andreas Stangl und den Wirtschaftsjunioren – hat sich nicht nur die Erinnerung zum Ziel gesetzt, sondern auch die Betreuung und Wertschätzung der eingesetzten Soldaten und deren Familien in der Heimat.