Geht die Schranke auf oder nicht? Glücksspiel am Bahnübergang in der Gemeinde Pösing

Altbürgermeister Edmund Roider ist geduldig – das hat der bekennende Bahnfahrer mit der Deutschen Bahn über die Jahre gelernt. Doch nach zehn Wochen Dauerstörung am Pösinger Bahnübergang Mühlauweg im Landkreis Cham ist ihm die Hutschnur geplatzt – und er hat einen offenen Brief an die hiesige Staatssekretärin MdB Martina Englhardt-Kopf verfasst und um Hilfe gebeten.
Es sei ein „Hirschauer Stückl“ mit dem Bahnübergang in Pösing am Mühlauweg, schreibt Roider zum Brief. Und der startet gleich mit dem Pösinger Manko: „Wir haben in Pösing seit ca. 10 Wochen ein großes Problem mit einem unserer drei Bahnübergänge.“ Gemeint sei der auf Bahn-Kilometer 39,3 am Mühlauweg. Der Bahnübergang führe zu ca. 200 Hektar landwirtschaftlich genutzter Wiesen, außerdem zur gemeindlichen Sammelstelle für Grüngut und Holzabfälle und zu einem Wohnhaus, dem früheren Bahnwärterhäuschen.
Uralte Anruftechnik
„Der Bahnübergang (BÜ) ist noch mit einer Anrufschranke (Technik aus vor mehr als 50 Jahren) ausgestattet“, beschreibt Roider. Zahlreiche Bemühungen der Gemeinde , hier etwas zu ändern, führten immer ins Leere, weil die Bahn kein Interesse an einer Umrüstung zur Halbautomatik hatte, wie bei den anderen beiden Bahnübergängen in Pösing.
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Doch nun habe sich das Problem verschärft: Vom 1. April bis 13. April sei der Bahnübergang wegen technischer Störung komplett gesperrt gewesen. Dann, vom 14. bis etwa 20. April, funktionierte der Bahnübergang wieder nicht. Seitdem gehe die Anrufschranke mal für ein oder zwei Stunden, dann zwei bis vier Stunden nicht, danach wieder zwei Stunden. „Und das Trauerspiel müssen wir Pösinger Bürger uns schon über acht Wochen gefallen lassen.“
Man müsse sich vorstellen, man woll holzige Abfälle wegfahren oder mit dem Schlepper zur Grasmad, komme zum Bahnübergang, drücke den Knopf „und, wenn man Glück hat, hört mich der Fahrdienstleiter in Cham und öffnet mir die Schränke – und wenn ich zehn Minuten später auf dem Rückweg wieder den Knopf zum Öffnen drücke und ich Pech habe, dass mich der Fahrdienstleiter nicht hört, dann bleibst entweder so lange stehen, bis die Technik wieder zufällig funktioniert oder zu rufst den Bürgermeister oder Altbürgermeister an.“
Was passiert bei Notfall?
Die hätten die Handynummer vom Fahrdienstleiter, würden ihn anrufen, um Schrankenöffnung bitten und nach Durchfahrt um Schließung. „Was macht der Landwirt, wenn er das Heu oder die Silage einbringen will und muss zehnmal am Tag den Bahnübergang passieren? Was macht der Rettungsdienst, wenn es einen Notfall in dem einen Wohnhaus gibt?“, fragt sich Roider. Es könne doch im Jahr 2025 nicht sein, dass die zuständige DB InfraGO in Weiden solche Fehler nicht innerhalb von zwei Monaten beheben könne. „Früher, unter der Regie von DB Netz AG, gab es auch Störungen, aber diese wurden immer in wenigen Tagen repariert“, erinnert sich Roider.
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Da er Anwohner des Bahnübergangs sei, bekomme er oft mit, wenn es Störungen gebe, „so dass ich vielen Bürger helfen kann, wenn sie den Anrufknopf drücken und auf der anderen Seite meldet sich nach 20 Minuten immer noch niemand.“ Schließlich sei die DB InfraGO auch nicht in der Lage, ein Schild anzubringen mit der Aufschrift, so Roiders ironischer Vorschlag: „Sollte sich der Fahrdienstleiter innerhalb 15 Minuten nicht melden, ist die Schranke leider wieder gesperrt – wir bitten um Ihr Verständnis!“
Er habe somit oft Kontakt sowohl mit den Fahrdienstleitern oder auch mit Mitarbeitern der Instandhaltung. „Dort wurde mir mitgeteilt, dass es sich um zwei verschiedene Fehler handelt, welche von zwei verschiedenen Techniksparten bearbeitet werden müssen.“ Einmal funktioniere die „Drahtleitung“ von der Pösinger Anrufschranke nach Cham zum Fahrdienstleister nicht, ein anderes Mal bekomme der Fahrdienstleiter kein Farbsignal auf seinem Tischbord für den Zustand der Schranke, ob sie offen stehe oder geschlossen sei.
Bitte um Hilfe
„Trotz der Bemühungen der Mitarbeiter vor Ort, gelingt es scheinbar nicht, die Fehlersuche erfolgreich abzuschließen“, stellt Roider fest. Möglicherweise habe sich auch hier die Bahn kaputt gespart, so dass es wahrscheinlich auch an ausreichendem qualifiziertem Fachpersonal fehle, mutmaßt der ehemalige Bürgermeister. „Früher wurden solche Schäden von einem Trupp aus Cham, maximal aus Schwandorf repariert, heute kommen die Monteure aus Weiden und noch weiter weg.“
Eine Bereitschaft fürs Wochenende gebe es auch nicht mehr. „Gott sei Dank sind die meisten Fahrdienstleiter kooperativ und lassen im Notfall auch die oben angesprochene Lösung mit dem Handy-Anruf zu.“ Doch so könne es nicht weitergehen. Daher schreibe er ihr, mit der Bitte, sich für Pösing einzusetzen und das Problem schnellstmöglich zu lösen.