Investor plant Abriss der Chamer Bahnarbeiterhäuser – Antrag auf Denkmalschutz wird gestellt

Von Nils Mayer · 14. Juni 2025 um 19:00

Mehr als 100 Jahre stehen die Chamer Bahnarbeiterhäuser schon am Kalvarienbergweg. Jetzt sorgt ein privater Investor mit Plänen für einen Abriss und Neubau eines Wohnblocks für Sorgen bei den Anwohnern. Unterdessen will der Historische Verein prüfen, ob die Bahnarbeiterhäuser ein Fall für den Denkmalschutz sind. Ein entsprechender Antrag wird in den nächsten Wochen beim Landesamt für Denkmalpflege eingereicht, verrät der Vereinssprecher Florian Gruber im Gespräch vor Ort.

Für Gruber steht fest: „Die Bahnarbeiterhäuser gehören genauso zu Cham wie der Stadtpark oder die Kirchen.“ Die Bahnarbeiterhäuser sind laut Gruber aber nicht nur Teil des Chamer Stadtbildes, sondern „auch ein echter Zeitzeuge“. Früher seien sie das Zuhause der Bahnarbeiter gewesen und heute würden sie die Erinnerungen an früher aufrechterhalten.

Noch immer seien Türen und Treppenaufgänge unverändert vorzufinden. Ein Anwohner habe ihm originale Baupläne zukommen lassen, und die zeigen laut Gruber: „Hier steht noch fast alles genauso wie vor 100 Jahren, sogar die Steine kann man nachzählen.“

Großes Interesse in Cham

Für den Verein sei deshalb schnell festgestanden, dass die Gebäude schützenswert sind. „Wir waren überrascht von dem großen Interesse der Chamer“, so Gruber. Auch die Anwohner würden den Antrag inzwischen tatkräftig unterstützen. Neben den Bauplänen habe er inzwischen Bilder von der noch immer erhaltenen Innenausstattung der Gebäude bekommen.

Auch mit einem Schreiben hätten sie die Bewohner der Häuschen an ihn und den Verein gewandt und um Unterstützung gebeten. „Wo sollen wir dann hin?“, zitiert Gruber den Anwohnerbrief mit Blick auf den womöglich bevorstehenden Abriss. „Wir alle wollen hier bleiben“, schreiben die Anwohner. – „Wir als Verein prüfen den Denkmalschutz zwar unabhängig von den Anwohnern, aber uns freut natürlich die Unterstützung“, so Gruber.

Zurzeit laufen laut Gruber die letzten Vorbereitungen und ein Antrag beim Landesamt für Denkmalpflege sei zeitnah geplant: „Wir hoffen, dass es in ein paar Wochen so weit ist.“ Bis dahin soll sich noch ein Eisenbahnexperte ein Bild vor Ort machen und die Bedeutung der Häuser final klären.

Denkmalschutz überhaupt noch möglich?

Aber ist der Denkmalschutz überhaupt noch möglich, obwohl die Pläne des Investors schon feststehen? „Ja, weil noch kein Bauverfahren läuft“, erklärt Gruber und ergänzt: „Wenn der Denkmalschutz wirklich kommt, sind dem Investor die Hände gebunden.“

Außerdem: Die Stadt Cham legt derzeit aufgrund ihrer Baupläne an der Grundschule einen Bebauungsplan über das gesamte Quartier und hat deshalb eine Veränderungssperre für zwei Jahre erlassen. In dieser Zeit liegen alle Baupläne in diesem Umgriff ohnehin auf Eis. Aufgrund der neuen Überplanungen haben sich Bauausschuss und Stadtrat aktuell weder mit Überlegungen zum Denkmalschutz noch mit anderweitigen Planungen befasst.

Wie wahrscheinlich es ist, dass der Denkmalschutz-Antrag am Ende überhaupt angenommen wird, steht aber laut Gruber „noch in den Sternen“

Ich habe das Wohnrecht, also sehe ich das Ganze sehr entspannt.

Ein Bewohner eines Bahnarbeiterhäuschens am Kalvarienbergweg

Laut Klaus Kloiber, Pressesprecher beim Bayrischen Landesamt für Denkmalpflege, sind zwei Faktoren letztlich entscheidend: Zum einen müsse ein Denkmal im geschichtlichen, städtebaulichen oder volkskundlichen Interesse der Allgemeinheit liegen. Außerdem werde ein Antrag auch noch auf mögliche Erfolgsaussichten geprüft.

Ein Bewohner, der in einem der Bahnarbeiterhäuser wohnt, will sich nach eigenen Worten „nicht verrückt machen lassen“, von der ungewissen Situation. „Ich habe das Wohnrecht, also sehe ich das Ganze sehr entspannt“, so der Anwohner. Zu einem Verkauf sei er nur bereit, wenn auch der Preis stimmen würde. „Das bisherige Angebot des Investors reicht aber noch lange nicht.“

Und als hätte Florian Gruber noch nicht genug Gründe für eine Prüfung des Denkmalschutzes gehabt, fand er nach eigenen Worten vor ein paar Wochen ein altes Bild der Häuserreihe auf dem Flohmarkt.

Der Investor wartet ab

„Das zeigt ja auch, dass die Bahnarbeiterhäuser eine gewisse Bedeutung haben müssen“, meint Gruber und ergänzt: „Meiner persönlichen Motivation hat der Fund noch einen kleinen zusätzlichen Schub gegeben.“

Ein Blick zurück: Die Bahnarbeiterhäuser im Kalvarienbergweg auf einem alten Foto. - Foto: Nils Mayer

Auch Wolfgang Schoyerer, Mitglied beim Historischen Verein, verknüpft persönliche Erinnerungen mit den Bahnarbeiterhäusern: „In den 50er Jahren sind wir im Winter mit den Schlitten zur Schule gefahren, dann ging es natürlich auch immer vorbei an der Häuserreihe.“ Heute setzt er sich nach eigenen Worten mit dem Verein dafür ein, dass der Denkmalschutz „genau solche Erinnerungen am Leben hält“.

Und was sagt der Investor Jakob Paulus zu den Denkmalschutz-Plänen des Vereins? Auf Nachfrage unserer Zeitung wollte er sich noch nicht final äußern: „Ich will erst noch einen Termin nächsten Dienstag abwarten und werde dann Stellung nehmen.“