A Star is born! – Und nicht nur einer! Ein Pulk Plünderer bewohnt unsere Eiche in Cham

Von Johannes Schiedermeier · 21. Mai 2025 um 05:00

Guter Rat kann wirklich teuer sein. In diesem Fall kam er vom Landesbund für Vogelschutz und traf voll ins Grüne – in unseren heimischen Garten auf dem Buchberg in Cham. Nie hätten wir geahnt, wie sehr wir uns unser Prädikat „Vogelfreundlicher Garten“ verdienen würden. Es begann einige Wochen vor der Invasion mit einem weckerartigen Schrillen in einem Kobel an der Eiche. Da wussten wir: A Star is born!

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Und nicht nur einer! Das wussten wir 14 Tage später, als die Invasion aus allen acht Kobeln quoll. Dick, braun, schrill! Die ganze Eiche: ein riesiger Wecker. Wir haben die große Futterstation des Landesbundes für Vogelschutz (LBV) pflichtbewusst aufgefüllt. Schließlich prangt an unserem Gartentor stolz diese Plakette.

Gerne auch in Kolonien

Klar haben wir uns vorher beim Geschäftsführer des LBV informiert, als die ersten Stare balzten. Ihr müsst mehr Kobel aufhängen, hat Markus Schmidberger gesagt. Stare brüten gerne in Kolonien, hat er gesagt. Aufzuchtfutter ist auch nicht schlecht, hat er gesagt. Das klappt bestimmt, hat er gesagt. – Was soll ich sagen: Hat geklappt!

Ein Fünf-Liter-Kübel Futter passt in die Station locker rein. Vier Stunden später am Küchenfenster entfleucht mir vor Schreck ein Reim: „Vielbeinig ist der Staren Schar, und Leere dort, wo Futter war!“ Rund um die Fressstation war nichts mehr, was man vorn in den Schnabel hätte stecken können, dafür umso mehr, was umgebaut hinten wieder den Star verlassen hat. Unser rotes Auto sieht aus wie ein Fliegenpilz, und wir trösten uns mit der Erkenntnis, dass die Stare doch nicht so zielsicher sind. Denn rundherum des Pflasters in der Einfahrt sieht’s genauso aus. „Scheiße!“, entfährt es mir. Wir schreiben sowas eigentlich nicht. Aber was soll ich sagen: Das trifft’s!

Ein Star wie ein Kuckuck

Wir haben also nachgefüttert. Am Abend dasselbe Bild: Schrillende Starenkinder, die die Eltern um Futter anflehen. Wo doch keins mehr da ist. Uns bricht fast das Herz. Bis mich die beste Ehefrau von allen darauf hinweist, dass eigentlich alles gar nicht so schlimm sein kann, weil die Starenkinder größer sind als ihre Eltern. Genau gesehen: fetter! Man fühlt sich erinnert an die Bilder mit den Kuckucken in fremden Nestern.

Als uns die Plakette verliehen wurde, war da nur ein Vogel drauf. Jetzt wissen wir mehr! Sylvia Längerer Schiedermeier - Foto: Sylvia Längerer Schiedermeier

Und die fliegen auch schon ziemlich zielsicher – zwei sogar kopfüber in das Tränkebecken. Das haben wir nämlich extra in glasierter Ausgabe gekauft, damit man es wieder sauber kriegt. Das hat den Nachteil, dass nasse Starenfüße darauf leicht ins Schlittern kommen, vor allem, wenn der Anflug aussieht wie bei einem Jumbo mit zu viel Seitenwind. Oder man sich einfach senkrecht aus der Eiche fallen lässt. Aber so ein Star ist cool. Er nimmt gleich ein Bad, wenn er schon mal drin sitzt und schreitet dann nach draußen, als wäre nix gewesen.

Ein Hauch von Hitchcock

Die beste Ehefrau von allen sinniert am Küchenfenster vor sich hin: „Wenn die jetzt schon Mitte Mai ihre Jungen so groß haben, dann kriegen wir bestimmt eine zweite Brut.“ Dann sieht sie meine geweiteten Augen, als das Gehirn diese Information fertig verarbeitet hat: „Entschuldigung!“ Zu spät. Da draußen sitzen 30 Stare, inklusive der Altvögel und verbreiten einen Hauch von Hitchcock! Selbst meinem begrenzten mathematischen Horizont ist schnell klar, was das Doppelte von 30 wäre... Ich spiele mit dem Gedanken, die Einfluglöcher der Kobel zuzudübeln.

Stattdessen füttern wir am Morgen wieder nach. Das Starenpack erweist sich als militant. Selbst Eichelhäher, Elster und der rabiate Buntspecht meiden den zeternden Pulk. Das könnte auch daran liegen, dass es noch kein Vogel geschafft hat, sich die Lauscher zuzuhalten. Es ist ohrenbetäubend.

Giiiiiieb Futtaaaa! — Sie sind dick, braun und schrill, diese Staren-Pubertiere. - Foto: Sylvia Längerer-Schiedermeier

Und der Herr Schmidberger vom LBV? Der lacht. Vor allem auf die Frage, ob der LBV nicht mal an mich spenden könnte, wo seine lieben Vögelchen mir doch die Haare vom Kopf fressen. Ich hätte eh nicht viel Haare, sagt er. Dagegen gibt es kein Argument.

Der Pulk der Plünderer

Immerhin räumt er ein, eventuell eine kleine Info vergessen zu haben: „Stare neigen im Pulk zum Plündern und bilden kriminelle Vereinigungen!“ Er hat mich aber auch getröstet. Er fährt Ende Oktober nach Rom. Da fallen die zu Millionen ein und scheißen ganze Stadtviertel zu. Da haben wir ja nochmal Glück gehabt.

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Und am Rötelseeweiher, da machen die kurz vor dem Abflug ihre Wolkenformationen, bei denen sich jeder Star an seinen sieben Nachbarn orientiert, die sich wiederum an ihren sieben Nachbarn orientieren, wodurch unglaubliche synchrone Flugbewegungen entstehen. Bei uns sind die Trupps auch schon unterwegs und verwirren den Sperber, weil der sich dann nicht mehr auf Einzelvögel konzentrieren kann.

Warten auf die zweite Brut

Die beste Ehefrau von allen hat nun gemeinsam mit mir beschlossen, dass Futter nachbestellt wird. Wegen der zweiten Brut. Denn demnächst werden sich die Pulks der Jungvögel aus unserem Garten verdrücken. Dann werden – wie bei Menschen, sagt Schmidberger – die monogamen Stare wieder zu ihren Weibchen zurückkehren, und die anderen werden mit ihrem infrarot-auflösenden Blick sehen, dass das Weibchen im Nachbarkobel doch schöner schillert... Und dann wird auch die zweite Brut sich aufmachen nach Afrika. Manche bleiben hier. Bis dahin werden wir weiter putzen, füttern, Wasser nachfüllen. Dann wird es wieder still werden in unseren Eichen. Sie werden uns fehlen, die kleinen Plünderer.