Das „Nadelöhr“: Darum ist Regensburg das absolute Bahn-Schlusslicht in Bayern

Nirgendwo im Freistaat ist Zugfahren abenteuerlicher: Die drei unpünktlichsten Bahnverbindungen in Bayern führen allesamt über Regensburg. Das absolute Schlusslicht bilden die Züge nach München – auch in puncto Service. Woran liegt das?
„Ziemlich ernüchternd“ fand Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter die Pünktlichkeits- und Zugausfallstatistik für 2024, die die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) kürzlich vorgestellt hat. Kein Wunder: Fast 15 Prozent aller Nahverkehrszüge kamen mehr als sechs Minuten zu spät – die schlechteste Bilanz seit der Bahnreform im Jahr 1996. Noch drastischer ist der Blick auf die Zahlen aus Oberpfälzer Sicht.
Der unpünktlichste Zug Bayerns, der RE25, verkehrt zwischen München, Regensburg und Prag. Gerade einmal 43,7 Prozent der Fahrten kamen 2024 rechtzeitig ins Ziel. Im Jahr zuvor waren es immerhin noch 64,3 Prozent. Gründe dafür kennt die Länderbahn, die die Strecke betreibt, viele. „Die Eingleisigkeit zwischen Schwandorf und Pilsen einerseits sowie die enorme Dichte an Zügen, die zwischen Freising und München fahren andererseits, sind die häufigsten Ursachen für die Unpünktlichkeit“, sagt Pressesprecherin Katerina Hagen auf Nachfrage. Sie spricht von einem „Nadelöhr“ – und führt zudem die lange Fahrzeit von fünfeinhalb Stunden ins Feld. „Das ist eigentlich schon eine Strecke vergleichbar mit dem Fernverkehr.“
Darum ist der RE25 von München nach Prag noch unpünktlicher geworden
Und warum ist es 2024 noch viel schlimmer geworden? Die Infrastruktur habe sich dramatisch verschlechtert, die Baustellen seien deshalb mehr geworden, sagt Hagen. Zudem seien bis August die Grenzkontrollen in Furth im Wald im stehenden Zug durchgeführt worden. Das habe zwischen zehn und 20 Minuten in Anspruch genommen, manchmal sogar eine halbe Stunde gedauert. Der Plan sah allerdings nur zwei Minuten Halt in der Grenzstadt vor. Diese Verspätungen hätten sich im Streckenverlauf weiter potenziert – „weil wir als verspäteter Zug wiederum mit dem Fahrplan anderer Linien auf den Strecken im Konflikt stehen und in Kreuzungsbereichen die planmäßig verkehrenden Züge oft zuerst durchgelassen werden.“
Bei der Länderbahn ist man nicht untätig geblieben. Seit Ende vergangenen Jahres setzt das Unternehmen am Münchner Hauptbahnhof eine Wendelok und zusätzliches Personal ein. Das soll Hagen zufolge dafür sorgen, dass die Verspätungen der in der Landeshauptstadt ankommenden Züge nicht „in den nächsten Takt mitgenommen werden“. Der Freistaat beteiligt sich über die BEG mit rund 600.000 Euro an der Maßnahme. Zudem habe man einzelne Wägen gestrichen, um an den Bahnhöfen schneller rangieren zu können. Auch die Grenzkontrollen finden mittlerweile im Fahren statt.
Mit 62,4 Prozent an pünktlichen Zügen rangiert der RE2 der Deutschen Bahn – er ist zwischen München, Regensburg und Hof unterwegs – auf dem vorletzten Platz im DEG-Ranking. Als Gründe für Verspätungen zählt eine DB-Pressesprecherin Infrakstruktur-Probleme (Baustellen und Langsamfahrstellen, Signal-, Stellwerks- und Weichenstörungen), die fehlende Verfügbarkeit von Lokomotiven, Polizei- und Rettungseinsätze an der Strecke und einen „massiven Wintereinbruch“ im Dezember 2023 auf, dessen Auswirkungen noch bis Ende Januar zu spüren gewesen seien.
Laut einem weiteren BEG-Ranking sind die Verbindungen RE2 (München-Hof) und RE25 (München-Prag) nicht nur die unpünktlichsten Züge, sondern bieten auch den schlechtesten Service. Erfasst wurden Sauberkeit, Ausstattung und der Umgang mit Reisende. Die RE2- und RE25-Züge waren laut BEG entweder außen oder innen dreckig und böten zu wenige Toiletten. Auch wenn es in diesem Ranking ausdrücklich nicht um Pünktlichkeit geht, sind die Gründe für den schlechten Service darin zu suchen. Verspätungen führen laut BEG dazu, dass wenig Zeit für Reinigung bleibt.
Klar ist: Die aktuelle Pünktlichkeit wird unserem Anspruch an Zuverlässigkeit und Qualität für unsere Fahrgäste nicht gerecht.
DB-Sprecherin
Zurück zur Pünklichkeitsstatistik: Der RE50 (Regensburg-Nürnberg) komplettiert mit 28,5 Prozent an unpünktlichen Zügen das Verlierer-Podium der BEG. „Klar ist: Die aktuelle Pünktlichkeit wird unserem Anspruch an Zuverlässigkeit und Qualität für unsere Fahrgäste nicht gerecht“, sagt die DB-Sprecherin – und verweist auf ein „umfangreiches Maßnahmenpaket“. Zusätzliches Personal soll dafür sorgen, den Lok- und Richtungswechsel in Regensburg zu beschleunigen. Mehr Loks und Doppelstockwagen für die RE2-Flotte und die Ausweitung der mobilen Instandhaltung sollen beispielsweise die Fahrzeugverfügbarkeit erhöhen.
Bahnknoten bei Regensburg: „Ausbau und Modernisierung bedeuten mehr Baustellen“
Die Bahn arbeite „mit Hochdruck“ an Verbesserungen rund um den hoch belasteten Knoten Regensburg. „Im Mittelpunkt steht die Sanierung der zu alten, zu vollen und zu störanfälligen Infrastruktur“, sagt die Sprecherin. Doch genau da liegt das wohl größte Problem. Denn: „Ausbau und Modernisierung bedeuten mehr Baustellen und passieren nicht über Nacht.“

Was das bedeutet, bekommen Bahnfahrer ab Sonntag zu spüren. Zwischen Regensburg und Schwandorf werden Weichen, Schienen, Schwellen, Gleisbefestigungen, Schotterbettungen, Gleisschaltmittel sowie Bahnübergänge ausgetauscht. Die Strecke bleibt bis Mitte August komplett gesperrt. Und das ist nur eine der Baustellen, die sich in den Sommermonaten um Regensburg herum auftut. So muss beispielsweise auch die Donaubrücke Sinzing rund zwei Monate lang komplett für den Zugverkehr gesperrt werden.
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Bei der Länderbahn geht man angesichts der Baustellen nicht davon aus, dass die Züge in absehbarer Zukunft pünktlicher ankommen. „Langfristig sind diese Baumaßnahmen zur Verbesserung der Infrastruktur aber dringend nötig und werden perspektivisch zu Verbesserungen führen“, heißt es. Auch die Bahn-Sprecherin macht keinen Hehl daraus: „Es wird dauern.“