Service-Ranking: Bahnverbindungen von Regensburg nach München schneiden erschreckend schlecht ab

Von Philip Hell · 3. April 2025 um 16:45

Wer Bahnfahren will, braucht gute Nerven: Zwei wichtige Zuglinien, die durch Regensburg führen, schneiden beim Serviceranking miserabel ab. Mit Abstand markieren sie das Schlusslicht in Bayern.

Die Verbindung Prag-München landet mit einem Wert von -24,71 Punkten auf Platz 30. Noch einmal dahinter die Bahnlinie zwischen Hof und München mit -30 Punkten. Zum Vergleich: Der Drittletzte hat einen Wert von -8,59 Punkten. Bei dem Ranking werden Sauberkeit, Ausstattung und der Umgang mit Reisenden erfasst. Um Pünktlichkeit der Züge geht es ausdrücklich nicht. Warum schneiden die beiden Bahnlinien so schlecht ab?

Das Ranking wird von der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) erhoben. Auf Anfrage teilt die Gesellschaft mit, dass die Züge auf der Strecke München-Hof außen außergewöhnlich dreckig seien. Der Betreiber der DB Regio habe zu wenige Fahrzeuge zur Verfügung, weshalb die Züge nicht regelmäßig gereinigt werden können. Dazu käme eine mangelnde Information der Fahrgäste.

Verspätungen und Dreck

Auf der Strecke Prag-München sei insbesondere der Zustand der Züge innen ein Problem. Außerdem stünden nicht ausreichend Toiletten zur Verfügung. Die Probleme seien auf hohe Verspätungen durch Grenzkontrollen am Bahnhof Furth im Wald zurückzuführen. Wenn der Zug irgendwann sein Ziel in München erreicht hat, bleibe keine Zeit für die Innenreinigung. Seit August fänden die Grenzkontrollen im fahrenden Zug statt. Zudem gab es Änderungen im Betriebsablauf. Dadurch hätten sich die Mängel verbessert, teilt die BEG mit.

Auch den Fahrgästen sind die eklatanten Mängel auf der Strecke nicht verborgen geblieben. Jürgen Mistol, Grünen-Landtagsabgeordneter aus Regensburg, fährt mehrfach die Woche nach München. Das schlechte Abschneiden der beiden Zugverbindungen? „Hat mich überhaupt nicht gewundert.“ Die Sauberkeit im Zug sei oft mangelhaft, sagt der Grünen-Politiker und Zug-Fan. Häufig steige er ein und finde Müll. „Das ist vielleicht auch bedingt durch die Verspätungen.“ Was ihn zum nächsten Thema führt: die Fahrgastinformationen. „Manche machen das vorbildlich. Viele aber eher nicht.“ Zu oft werde der Fahrgast alleine gelassen. Auch die App helfe oft nicht, sagt Mistol. „Ich denke, auch da gibt es in der Kommunikation ein Problem.“

Was sagen eigentlich die Unternehmen zu den Mängeln? Eine Sprecherin der Deutschen Bahn, die für die Strecke Hof-München verantwortlich ist, antwortet ohne jeden Bezug auf die Strecke. Man wisse, dass man derzeit nicht immer Qualität und Zuverlässigkeit biete. Ziel sei es, die Qualität zu verbessern. „Daran arbeiten wir tagtäglich.“

Und die Länderbahn – zuständig für die Verbindung Prag-München? Eine Sprecherin verweist auf besondere Herausforderungen auf dieser Strecke. Konkret seien das die Grenze, die hohe Auslastung der Züge und Probleme bei der Infrastruktur. Die Strecke ist zum Teil nur eingleisig. Das führe zu unpünktlichen Zügen – und in der Folge zu Mängeln bei der Reinigung. Die Länderbahn geht allerdings davon aus, die Servicequalität im laufenden Jahr steigern zu können. Zumindest, wenn äußere Einflussfaktoren auf ein Normalmaß zurückfallen.

Ein Gleis, viele Probleme

Richtig optimistisch ist der Grünen-Abgeordnete und Bahn-Fahrer Jürgen Mistol nicht. In seinen Augen ist die Eingleisigkeit das größte Problem. Er beschäftige sich seit Jahren mit dem Thema. Inzwischen sei in ihm die Erkenntnis gereift: „Das geht nicht so schnell.“ Die Hoffnung wolle er aber nicht aufgeben – zumal die nicht mehr ganz so große künftige Große Koalition unlängst mit den Stimmen der Grünen ein Infrastruktur-Paket beschlossen hat. Ob das irgendwann in das ostbayerische Schienennetz fließen wird? „Sicher kann man sich da nicht sein. Am Schluss wird dann doch wieder eine neue Straße gebaut.“

Es gibt allerdings auch gute Nachrichten für Bahnfahrer: Mehrere Strecken in und um Regensburg schneiden sehr gut ab. Die Länderbahn landet mit der Oberpfalzbahn und der Waldbahn auf dem zweiten Platz. Eine Sprecherin des Unternehmens betont, dass man hierauf sehr stolz sei. „Es ist zum Teil das gleiche Personal, die gleiche Werkstatt und Reinigung, die auch für den alex tätig sind, die dieses Ergebnis möglich gemacht haben.“

Die Agilis mit ihren Strecken landet auf dem sechsten Platz. Laut BEG spielen dafür insbesondere die Zugbegleiter die entscheidende Rolle. Ihr Erscheinungsbild sei als gut bewertet worden. Darüber hinaus wurden sie als fachlich und sozial-kommunikativ kompetent bewertet. Die Qualität der Fahrgastinformationen habe die Erwartungen der BEG übertroffen.