Eva Karl Faltermeier behauptet sich beim Talkformat in Regensburg gegen drei Gäste

Eva Karl Faltermeier ist ganz gewiss derzeit diejenige, die als Künstlerin aus der Oberpfalz über das verfügt, was man digitalistisch „die größte Reichweite“ nennt. In der Alten Mälzerei lud sie zum Talk „Eva & Gäste“ ein.
Im Bayerischen Fernsehen präsentiert sie mit „Karlsplatz“ ihr eigenes Late-Night-Format. Als Kabarettistin war sie zuletzt mit „Taxi. Uhr läuft“ nicht nur landauf unterwegs.
Und als Gerichtsmedizinerin im neuen bayerischen „Tatort“ hat sie jetzt die Chance, sich mit ihrem regierungsbezirkstypischen „Grant“ (mit dem, was anderswo „Unmut“ heißt, hat sie sich auf knapp 200 Buchseiten intensiv auseinandergesetzt) in die Herzen aller TV-Junkies zwischen Bern, Bremen und dem Burgenland zu spielen.
Womit Eva Karl Faltermeier also eine Markenbotschafterin ist: Dass sie aus dem Labertal stammt, also aus dieser verwunschenen Jurafelsgegend, die keine 15 Kilometer Luftlinie westlich vom Regensburger Dom liegt, das hört man ihr an, sobald sie an diesem Abend in der Alten Mälzerei ihren Mund öffnet. Will sie ausdrücken, dass etwas „tiefer“ ist, sagt sie „duifer“. Und weiß sie etwas nicht, so heißt das bei ihr „ned gwisst“. Nicht nur bei ihrem einleitenden Solo tut sie sich dialektal keinen Zwang an – was Positives wie Negatives zugleich bewirkt.
Von der kritischen Distanz zum eigenen Ego
Offensiv hat sie sich zu körperlichen Schwächen und Defiziten jeder Art bekannt. Bei ihren drei männlichen Gästen läuft sie damit sperrangelweit geöffnete Türen ein – denn sogleich beginnen die ihrerseits in ihrem jeweiligen Solo ihr Leid zu klagen, über beginnenden Haarausfall (Simon Pearce trägt mittlerweile Käppi statt Afro), übermäßigen Alkoholkonsum (als Radfahrer kann man den Führerschein verlieren, weiß Vitus Ehrenthaler zu berichten, wenn man den Lenker berührt) und Übergewicht (Ralf Winkelbeiner weiß, welche Dramaturgie eine Pointe braucht, wenn er hinter sein ungläubig zur Kenntnis genommenes Bekenntnis zu „67 Kilo“ noch ein „zu viel“ platziert).
Was eigentlich ursympathisch ist: Das Material dieses rund zweistündigen Witzekaleidoskops, es entwickelt seine Qualität aus der kritischen Distanz zum eigenen Ego. Und besteht eben nicht allein aus dem Absingen von Heldenliedern in eigener Sache. Und dem Abbrennen von Selbstbeweihräucherungsstäbchen.
Apropos Stäbchen: Womit wir leider beim kritischen Punkt dieses an sich ja kurzweiligen und umjubelten Abends gelandet wären. Sämtliche der Protagonisten ergehen sich nämlich in proktologischen Fantasien. Mit anderen Worten: Sie erzählen uns, was passiert, wenn sich Ärzte schnalzend den Hygienehandschuh aus Gummi überziehen, um sich auf das vorzubereiten, was gerne mit der Metapher der „großen Hafenrundfahrt“ umschrieben wird.
Der Rezensent des Abends appelliert deshalb an die Protagonisten, ihre jeweiligen Talente zur dramaturgischen Makrobiotik auszubauen – und den mikrobiotischen Beifang doch beiseite zu lassen.
Der afrodeutsche Münchner Simon Pearce, er versteht es meisterhaft, Alltagssituationen so zu schildern, dass hinter bayerischer Gemütlichkeit rassistische Abgründe auftun. Vitus Ehrenthaler, Wirt aus Erding, hat vielleicht seine Rolle noch nicht ganz präzise gefunden – verfügt aber über so viel schlagfertigen Humor, dass man ihm zutraut, zur 4.0-Variante eines Wolfgang Fierek heranzureifen. Und Ralf Winkelbeiner? Der Ingolstädter ist als pointenschleudernder Rohdiamant jetzt schon: ein absolutes Schwergewicht!