Im Pride-Monat Juni: Schnecken in den Farben des Regenbogens

Birgit Schmidmeiers Gemälde entstehen zu zweit - mit ihrer Seelenpartnerin Nici - und stehen mit ihrer Farbauswahl auch für ein queeres Leben. Die Soulmate-Serie ist jetzt im Kunstraum Sigismundkapelle zu sehen.
Zwei Gestalten sitzen am See und schauen in den Sonnenuntergang. Kitsch hoch zwei, ist man bei dem tausendfach reproduzierten Motiv sofort versucht zu sagen. Auch in Birgit Schmidmeiers Soulmate-Collection kommt das romantisierende Motiv vor. Bei der Kallmünzerin aber hat es eine gänzlich andere Bedeutung, ist Ausdruck von tiefem, emotionalem Gehalt.
Das Bild, das im Kunstraum Sigismundkapelle hängt, hat Schmidmeier mit Acrylfarben auf eine Platte in einem farbenfrohen, durchaus naiven Stil gemalt. Entstanden aber ist es zu zweit, wie die Künstlerin erzählt. An der Idee zum Bild, wie an allen anderen ausgestellten Motiven habe ihre Seelenpartnerin Nici maßgeblich mitgewirkt. Mit ihr ist die Malerin seit fünf Jahren in ständiger Verbindung. Es ist ein geistig-emotionaler Kontakt zu einem verstorbenen Mädchen, das im „gleichen Hochhaus gewohnt hat und später meine Stiefschwester geworden wäre“.
Szenen des Alltags und Fantasie-Motive
Der Bilderzyklus spiegelt Erlebnisse und Ereignisse vergangener Jahre, die Schmidmeier mit ihrem Seelenwesen durchlebt hat. Es sind Szenen des Alltags, wie bei einer entspannten Kaffeepause, und der Imagination, wenn sie mit einer Staffelei auf einer Farbpalette stehend im Blau des Himmels schweben. Dieses an Magritte erinnernde surreale Element bildet eine Ausnahme in den naturalistisch gehaltenen Gemälden, für die eine stilistische Zuordnung unerheblich ist.
Nahezu alle Motive enthalten gemeinsame Merkmale. In erster Linie gehört dazu die Zweiheit eines realen, lebenden Menschen oder Geschöpfs und eines häufig transparent gemalten Wesens, das die Seelenverwandte aus dem Jenseits verkörpert. Das können auch zwei Schnecken, von Magneten zusammengehaltene Figuren, zwei Kerzen oder Bäume sein, die sich umschlingen.
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Wiederkehrende Merkmale sind gedichtartige Kommentare und Sprüche und die Regenbogenfarben als Statement für ein offenes und freies queeres Leben. Schmidmeier selbst bekennt sich selbstbewusst zu der Lebensform. Die Ausstellung ihrer Soulmate-Reihe entstand in Kooperation der Volkshochschule, Betreiber der Galerie im Thon-Dittmer-Palais, und des Vereins Queeres Regensburg – pünktlich im Pride-Monat Juni. Schmidmeier, die auch als Autorin auftritt, wird dazu auch eine Lesung bestreiten.
Die Künstlerin malte schon in jungen Jahren. Als Autodidaktin bringt sie ihr inneres Erleben zum Ausdruck, gestaltet aber auch Auftragsarbeiten in unterschiedlichen Techniken. In den letzten Jahrzehnten wurde ihre Werkreihe „Feministischer Konkretismus“ in verschiedenen Städten in Deutschland gezeigt. An die mit Nici entstandenen Bilder besteht eine so starke persönliche Bindung, dass die Motive nur als Drucke angeboten werden dürfen.
Die Ausstellung ist bis 14. Juni im Kunstraum Sigismundkapelle im Thon-Dittmer-Palais zu sehen, Birgit Schmidmeier ist am 6. Juni ab 17 Uhr) und am 14. Juni (ab 13 Uhr) vor Ort.